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Wismar Durch Windrad verletzt? Toter Rotmilan in Gägelow gefunden
Mecklenburg Wismar Durch Windrad verletzt? Toter Rotmilan in Gägelow gefunden
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16:18 10.10.2019
Dieser Rotmilan ist vermutlich durch ein Windrad getötet worden. Quelle: Bernd Kolz
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Gägelow/Gressow

Ein Landwirt der Milch und Marktfrucht AG Gressow hat einen toten Rotmilan neben einer Windkraftanlage im Windpark Gägelow gefunden. Sie steht am Rand eines Feldes des Landwirtschaftsbetriebes. Es ist nicht der erste Vogel, der hier verendet ist. Laut Bernd Kolz, Jäger im Hegering Gägelow, würden viele Vögel an Windrädern sterben.

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Unmittelbar neben einem Windrad bei Gägelow liegt der tote Rotmilan. Quelle: Bernd Kolz

„In diesem Jahr ist es schon der zweite Rotmilan, der auf diese Weise zu Tode kam“, sagt Bernd Kolz. Nach dem Hinweis des Landwirts hat er sich den Fundort angesehen. „Der Rotmilan lag elf Meter neben dem Windrad. Körperlich war er intakt.“

Der Jagdpächter vermutet, dass der Vogel durch den Sog, der bei der Drehbewegung der Rotorblätter entsteht, ins Straucheln geraten und verunglückt ist. „Durch den Sog hat er sich vielleicht die Wirbelsäule oder den Hals gebrochen“, so sein Verdacht.

Um Klarheit zu erhalten, hat Bernd Kolz den Vogelkadaver ans Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin geschickt. Dort wird die Todesursache nun untersucht. Der Rotmilan steht unter Naturschutz.

Der zweite verendete Rotmilan in diesem Jahr

Bereits im Frühjahr hatte ein anderer Jäger einen Rotmilan mit einem gebrochenen Flügel entdeckt, berichtet Bernd Kolz. Er lag westlich vom Windpark Gägelow. Der Jäger brachte den Greifvogel zu einem Tierarzt. „Der konnte leider nichts mehr für ihn tun. Er musste ihn einschläfern“, bedauert Kolz.

Dieser Bussard war an einem Flügel verletzt - vermutlich ebenfalls durch ein Windrad. Quelle: Bernd Kolz

Mehr Glück hatte ein Bussard. Den hat Jagdpächter Kolz im April an den drei Windrädern in Gressow gefunden. „Der Bussard hatte einen verletzten Flügel. Ein Falkner aus Grevesmühlen hat ihn zur Pflege abgeholt“, erzählt Kolz.

Außerdem erinnert er sich an einen Seeadler, den er im Januar vor zwei Jahren in seinem Jagdrevier tot aufgefunden hat. Auch Wildgänse würden mit den Windkraftanlagen nicht klar kommen. „Im Bereich Gägelow hatten wir einen lukrativen Rastplatz für Zugvögel. Der hat sich in den letzten 25 Jahren verlagert.“

Jäger melden Totfunde dem Vogelschutzverein

Außer den großen Vögeln, die die Jäger tot auffinden, verenden auch Kleinstvögel und Fledermäuse durch die Windkraftanlagen. Die Tiere geraten in die Rotorblätter oder fliegen gegen Masten. Die Jäger melden ihre Funde dem Vogelschutzverein Langenwerder. Dessen Mitglieder führen statistische Erhebungen.

„Wir Jäger sind Naturschützer“, sagt Kolz. „Wir können nur die Augen offen halten und den Lebensraum der Tiere beobachten. Rehen und Wildschweinen zum Beispiel machen die Windräder überhaupt nichts aus. Wir registrieren die toten Tiere für die Statistik und wir dokumentieren.“

Auch für den Fall, dass neue Windkraftanlagen geplant werden, wie beispielsweise in Vorpommern. Dort wurde unlängst ein Milanhorst zerstört und die Horstschutzzone missachtet. „Das bringt gar nichts“, sagt Bernd Kolz, „denn der Milan siedelt sich dann einen Kilometer weiter weg an und begründet eine neue Horstschutzzone. Das wissen viele Menschen nicht.“

Gefahren durch gute Standortwahl minimieren

Nach Erhebungen des Naturschutzbundes würden deutschlandweit ein bis fünf Vögel pro Anlage und Jahr durch Windräder getötet. Weitaus mehr Vögel würden an Glas und Glasscheiben, entlang von Bahn- und Hochspannungstrassen sowie durch Agrargifte und die Naturzerstörung sterben.

Die Gefahren der Windenergie für die Vogelwelt, insbesondere für die bedrohten Arten, können laut BUND durch eine gute Standortwahl und Vermeidungsmaßnahmen stark minimiert werden. Dies würden zahlreiche Studien bestätigen.

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