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Wismar Er überthront alles: Wismars neuer Mega-Kran ist jetzt 125 Meter hoch
Mecklenburg Wismar Er überthront alles: Wismars neuer Mega-Kran ist jetzt 125 Meter hoch
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19:58 19.09.2019
So hoch ist der neue Kran-Gigant von MV Werften jetzt. Am Donnerstag wurde das 50 Meter hohe Lenkersystem. Hinter dem Wohnschiff sieht man den 80 Meter hohen Marien-Kirchturm. Quelle: MV Werften/Sebastian Krauleidis
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Wismar

Die Männer der Höhenrettung sind da: Mit dem Fahrstuhl fahren sie in mehr als 70 Meter Höhe – dorthin, wo sich das Maschinenhaus des neuen Werft-Krans befindet. Von hier aus haben die Retter einen Blick über die ganze Stadt und sie sehen: Nichts ist höher als dieser Kran. An dem ist am Donnerstag das letzte große Bauteil montiert worden – ein 50 Meter hohes Lenkersystem.

Oben mit dabei ist Vorarbeiter Benjamin Schröter. Er hat den Sicherheitsgurt umgelegt. „Er hält uns fest, falls wir abstürzen“, erklärt er. Aber: „Wenn man länger mit der Ausrüstung in der Luft hängt, schnürt sie einem die Gliedmaßen ab.“ Deshalb sei die Höhenrettung vor Ort. Sie könne im Notfall schnell helfen.

Fotostrecke: Aufbau eines Mega-Krans

Klicken Sie hier für weitere Bilder vom Aufbau des XXL-Krans in Wismar.

Kranbauer müssen immer auf den Wind achten

Von oben aus schauen Retter und Monteure zu, wie sich das riesige Bauteil in Zeitlupe auf sie zubewegt. Gegen 9.30 Uhr wird es mit Hilfe von zwei Kränen zunächst nur etwas in die Luft gehoben – um die beiden Stützen zu entfernen. Dort, wo die gestanden haben, wird noch einmal Farbe nachgestrichen und das restliche Stück Leiter wird montiert. „Wir erledigen so viele Arbeiten wie möglich am Boden“, erklärt Bauleiter Toralf Howack. Oben sei es ziemlich windig und damit alles schwieriger.

Benjamin Schröter und Guido Michalak befestigen die Traverse am Lenkersystem, mit der das später angehoben wird. Quelle: Kerstin Schröder

Wind und Regen der vergangenen Tage haben den Zeitplan der brandenburgischen Kranbau-Firma Kocks Ardelt ein wenig verschoben. „Eigentlich sollte das Lenkersystem schon am Dienstag montiert werden“, erklärt Howack. Im Moment ist er mit dem Wetter zufrieden. Die Sonne scheint. Und es weht nur ein laues Lüftchen. Das kann in großen Höhen viel heftiger sein und die Bauteile ins Schlingern bringen. „Deshalb müssen wir immer auf den Wind achten“, sagt Howack.

Firma hat Baustelle anderthalb Jahre lang vorbereitet

Anderthalb Jahre lang hat das Unternehmen aus Eberswalde die Baustelle vorbereitet: Schließlich entsteht in Wismar nicht ein normaler Kran, sondern einer der weltgrößten Montagekrane in Doppellenkerausführung. Er ist mit fast 125 Metern 55 Meter höher als das Wahrzeichen der Stadt – die Marienkirche. Wie klein die im Vergleich zum neuen Kran-Giganten aussieht, ist am deutlichsten vom Wasser aus zu erkennen – oder von oben, dort, wo später die Kran-Fahrer sitzen werden.

In der gleichen Höhe steht gerade Benjamin Schröter. Zusammen mit anderen Monteuren muss er die XXL-Bolzen des Lenkersystems durch zwei Löcher bugsieren und verschrauben. Das dauert Stunden – bis in den Abend hinein. Es ist der erste Kran, an dem Schröter mitarbeitet. Dass es gleich so ein großer ist, macht ihn stolz. „Das ist ein tolles Projekt, es ist nicht zu übersehen, was man mit erschaffen hat“, lacht der Vorarbeiter. Die Höhe mache ihm nichts aus. „Man muss Respekt haben, sonst wird man leichtsinnig und macht Fehler“, betont er. Die Arbeit sei anstrengend. Wind schlage einem oben heftig ins Gesicht. „Aber dafür ist die Aussicht grandios“, schwärmt Schröter.

Mega-Kran bekommt viele Farbanstriche

Das Lenkersystem wird hochgehoben. Quelle: Kerstin Schröder

Bis zum Mittag dauert es, das Bauteil so weit zu kriegen, dass es langsam aufgesetzt werden kann. Oben geben die Männer Anweisungen: Noch ein Stückchen tiefer, ein bisschen nach links“. Geduld ist gefragt. Die braucht auch Maik Roscher. Er steuert den Raupenkran, der seit Anfang August alle Teile des neuen Mega-Krans nach oben gehoben hat. Das Lenkersystem ist auch für ihn eine Herausforderung: „Wir müssen es aufrichten, drehen und hochheben“, erklärt er.

Die Kran-Montage zieht die Blicke der Werftarbeiter auf sich. Vom Boden aus müssen sie ihre Köpfe extrem in den Nacken drücken, um das Ende des Bauwerks sehen zu können. Ab und zu nach oben schauen auch die Mitarbeiter der Firma Krebs Korrosionsschutz. Sie verpassen dem Kran die nötige Farbe: mit drei Grundanstrichen und zwei Lackschichten in Blau, Weiß, Rot, Gelb und Grau. Vieles wird am Boden erledigt, doch auch Kletterer sind für die Firma im Einsatz.

Werft braucht Kran für Bau von Kreuzfahrtschiffen

Obwohl der Kran jetzt nicht mehr höher wird, gehen die Arbeiten noch weiter. Kabel müssen verlegt, die Technik in Betrieb genommen werden. Und hochgehoben wird auch noch etwas: ein Gegengewicht und eine Stützstange. Ab Ende November wird die fast 125 Meter hohe XXL-Hebemaschine einsatzbereit sein für den Bau riesiger Kreuzfahrtschiffe. Seit 2018 werden die Ozeanriesen der sogenannten Global Class an den MV-Werften-Standorten Wismar und Rostock-Warnemünde gebaut. Sie bieten Platz für bis zu 9500 Passagiere und sollen im asiatischen Markt eingesetzt werden. In Rostock wird zurzeit das Mittelstück des ersten Schiffes gebaut. Ende des Jahres kommt es per Schlepper nach Wismar, wo es dann komplettiert wird. Für diese Arbeiten wird der neue Kran gebraucht.

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Von Kerstin Schröder

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