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Wismar Es geht los: Neukloster feiert 800. Geburtstag
Mecklenburg Wismar Es geht los: Neukloster feiert 800. Geburtstag
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17:04 22.03.2019
Sie haben die Auftaktveranstaltung moderiert: die Schüler Emily Bruck (8) und Malte Nicolai (17), die Angestellte Marleen Steffen (34) sowie der ehemalige Tischler Wilfried Wilken (76). Quelle: Kerstin Schröder
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Neukloster

Der Auftakt ist vollbracht: Die Neuklosteraner sind in die Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen ihrer Stadt gestartet – mit einem Empfang in der Stadthalle. Den haben am Donnerstagabend mehrere Generationen moderiert: die Schüler Emily Bruck (8) und Malte Nicolai (17), die Angestellte Marleen Steffen (34) sowie der ehemalige Tischler Wilfried Wilken (76). Die Vier haben den Querschnitt der Einwohner wiedergespiegelt. Das ist beim Publikum gut angekommen – auch weil Wilfried Wilken auf Plattdeutsch gesprochen hat.

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Seniorenbetreuer und Lesepaten ausgezeichnet

Unter den 270 geladenen Gästen waren 28 Frauen und Männer, die von Bürgermeister Frank Meier (parteilos) und Bürgervorsteher Winfried Fuest für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden. „Stellvertretend für alle, die in der Stadt ein Ehrenamt ausüben“, lobten sie. Gedankt wurde unter anderem Vertretern des Sportverein Blau Weiß Neukloster, der Feuerwehr, des Faschingsclubs, Seniorenbetreuern, Hospizbegleitern und Lesepaten. Sie wurden in einer Halle geehrt, in der auch optisch die 800 Jahre in Szene gesetzt wurden. Unter anderem durch alte Fotos, die auf die Tischdecken gedruckt wurden, durch Luftballons und mit Laserlicht, das die Hallenwand erstrahlen ließ. Die hat auch geleuchtet, als Dr. Nils Jörn vom Wismarer Stadtarchiv als Festredner einen sehr unterhaltsam Geschichtsrückblick bot. Da er seine Brille zuhause vergessen hatte, musste er kurzerhand einige kleingeschriebene Fakten weglassen. Denn durch die Ersatzgläser des ehemaligen Pastors konnte der Archivar nicht alles, was er ausgearbeitet hatte, erkennen. Vielleicht lag es auch an der Nebelmaschine, die die ganze Veranstaltung über Rauchschwaden nach oben blies – so wie sonst, wenn Konzerte in der Stadthalle stattfinden. „Ich bin die Vorgruppe von Abba“, scherzte Nils Jörn mit Blick auf die Abba-Show einen Tag später.

So war die Auftaktveranstaltung

Nonnenkloster 1219 gegründet

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte Neuklosters mit einem Kloster. Das Nonnenkloster auf dem Sonnenkamp wurde in schützender Nähe der wendische Burg „Kuczin“ gegründet. 1219 wurde das Kloster zum ersten Mal urkundlich erwähnt und markiert so die Begründung des Ortes. Für Wismar ist die Urkundenlage nicht so eindeutig. Deshalb würden die Wismarer auch immer neidisch auf die Klosteraner schauen, witzelte Nils Jörn. Aus dem selben Grund seien die Politessen in der Hansestadt auch besonders scharf, wenn sie ein Auto aus Neukloster sehen. Dem Archivar gelang es mit Humor, immer wieder einige Lacher von seinem Publikum zu bekommen und die lange Geschichte Neuklosters nicht ganz so trocken erzählen zu müssen.

Bahnverbindung 1998 stillgelegt

80 Bauern dienten dem Kloster kurz nach der Gründung. Schnell entwickelte es sich schnell zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum für die Umgebung. Mitte des 14. Jahrhunderts waren Ländereien und Besitz am umfangreichsten. 1555 wurde das Kloster im Zuge der Reformation aufgelöst. Sein Besitz und Land fiel an den Landesherren von Mecklenburg, der es von nun an verwaltete. Im Westfälischen Frieden 1648 fiel Neukloster wie auch Wismar an Schweden. Die Schwedenzeit Neuklosters war geprägt durch Armut und Not. Sie endete 1803, als Schweden Neukloster mit dem Malmöer Pfandvertrag gegen Zahlung von 1 250 000 Taler für 99 Jahre an das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin verpfändete. Formal fiel Neukloster 1903 an Deutschland zurück und Schweden verzichtete auf die Einlösung des Pfandes. Und noch einen Punkt markierte der Archivar: die Stilllegung der Bahnverbindung 1998 nach Wismar. Dazu sei es aber nur gekommen, scherzte Nils Jörn auf ein Letztes, weil laut einer Legende der Bahnvorstand in Neukloster gewesen ist und es dort so schön fand, „dass doch niemand von hier weg will“.

Weitere Veranstaltungen geplant

Auch Landrätin Kerstin Weiss (SPD) fand nur lobende Worte für Neukloster und für die Gebäude, von denen viele herausragende Denkmale seien. 37 Bau- und zehn Bodendenkmale seien in der Stadt verzeichnet. Zudem gäbe es alle Schulformen – angefangen von der Regional- über die Förder- und die Sehbehinderten-Schule bis hin zum Gymnasium. Ihr Erhalt sei nicht gefährdet – im Gegenteil: „Die Schülerzahlen steigen“, so die Landrätin.

Die Auftaktveranstaltung in der Stadthalle hat Neuklosters Jubiläumsjahr offiziell eingeleitet. Weitere Festlichkeiten sind geplant, unter anderem ein großer Festumzug am 1. Juni. Außerdem gibt es im Sommer mehrere Konzerte und im Oktober einen Festgottesdienst in der Klosterkirche.

Kerstin Schröder

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