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Wismar Filmerlebnis mit Meeresrauschen
Mecklenburg Wismar Filmerlebnis mit Meeresrauschen
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10:01 03.08.2019
Tägliches Kinoerlebnis im Sommer am Kühlungsborner Oststrand im „Strandkorbkino" von Peer Kretzschmer (sofern das Wetter mitspielt). Eine Luftaufnahme vom Kino am Strand kurz vor Vorstellungsbeginn Quelle: Rolf Barkhorn
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Mecklenburgische Ostseeküste.

Der Wolf jagt den Hasen unermüdlich, erwischt ihn aber nie. Noch sind die Trickfilmfiguren, die als Vorprogramm etwas schemenhaft über die Leinwand flitzen, nur schwach zu erkennen. Kurz nach 21 Uhr ist es noch etwas zu hell fürs Freilichtkino. Viele der zu zwei Halbkreisen aufgestellten 64 Strandkörbe sind aber schon besetzt. Da herrscht noch reger Andrang an der Kinokasse am Kühlungsborner Oststrand. Doch wenige Minuten später sind fast alle „Logenplätze“ besetzt und es ist auch dunkel genug. Gerd Laqua, der in seiner Freizeit als Filmvorführer beim Strandkorbkino aushilft, erklärt den Kinobesuchern übers Mikrofon noch, wo sich die nächste öffentliche Toilette befindet, dann könnte es eigentlich mit der Vorführung des Hauptfilmes „König der Löwen“ losgehen.

Dschungelgeräusche vermischen sich mit dem Rauschen der Ostseewellen

Doch es kommen immer noch ein paar Nachzügler. Einige wählen schnell die preiswerteren „Sandplätze“, andere finden noch Platz in einem Strandkorb, die Decke zum Einkuscheln gibt es dazu. Auch Jens und Anke Delius aus Staßfurt (Sachsen-Anhalt) haben es sich in ihrem Strandkorb gemütlich gemacht. „Für uns ist das heute ein ganz besonderes Filmerlebnis“, berichtet Jens Delius und fährt fort: „Wir haben uns im Sommer 1994 kennengelernt. Damals kam gerade der Disney-Zeichentrickfilm „König der Löwen“ heraus. Den hatten wir uns dann gemeinsam in Staßfurt im Kino angesehen. Jetzt, nach 25 Jahren, sehen wir uns das Remake in ganz besonderer Atmosphäre im Urlaub an.“

Und dann sind auch schon die Löwen groß auf der Leinwand zu sehen, das Kinoerlebnis hat begonnen. Während Löwenvater Mufasa seinem Sohn Simba mit tiefer Stimme erklärt, dass auch ein Löwe alle Lebewesen zu respektieren hat, ist neben den Filmgeräuschen das Rauschen der nahen Wellen zu vernehmen. Die aber sind echt, genauso wie der Geruch nach Seetang.

Kinostrandkörbe tagsüber nicht zu vermieten

Dass der neue Disney-Film am Strand gut ankommen würde, damit hatte Kinobetreiber Peer Kretzschmer schon gerechnet. Am Vormittag vor der Aufführung hatte er gerade elf nagelneue Strandkörbe für sein Open-Air-Kino in Empfang genommen. „Angefangen hatte ich vor etwas über zehn Jahren mit 20 Strandkörben“, berichtet der Kühlungsborner. „Damit haben wir jetzt 66 Körbe in unserem Kinobereich stehen. Von denen ist aber tagsüber kein einziger für Strandbesucher nutzbar. Die sind nicht vermietbar!“, betont er extra.

Denn als Kretzschmer vor ein paar Jahren einmal bei der Stadt Kühlungsborn eine Förderung für sein Strandkorbkino aus Mitteln der Kurtaxe beantragte, gab es von ein paar Stadtvertretern auch Widerspruch. Diese äußerten die Befürchtung, dass damit einseitig eine Strandkorbvermietung subventioniert würde. „Diese Angst war völlig unbegründet. Meine Strandkörbe sind nur fürs Kino.“

Kinobesuch als Stranderlebnis

Open-Air-Kino hat lange Tradition

Im Open-Air-Betrieb werden je Sommer rund 60 Filmabende durchgeführt. Der Beginn der Aufführung richtet sich dann stets nach dem Einbruch der Dunkelheit. Für Kinounternehmer Peer Kretzschmer, der im Stadtteil West neben dem Campingpark ganzjährig das Ostseekino betreibt, ist die Freiluftvariante im Sommer ein weiteres Standbein. „Open-Air-Kino hat in Kühlungsborn eine lange Tradition. Schon in den 60er Jahren wurden im Konzertgarten West im Sommer Filme aufgeführt“, weiß Kretzschmer, der nach der Wende zunächst im Konzertgarten an lauen Sommerabenden Filme unter freiem Himmel zeigte. Doch dann wurde das Areal von der Stadt an einen privaten Pächter vergeben, der das nicht mehr wollte.

„Nun ist es gut, wie es jetzt ist“, sagt Peer Kretzschmer, der auch ein wenig stolz darauf ist, dass sein Kinobetrieb noch existiert, während andere Betreiber, selbst „ehemalige Platzhirsche“ in größeren Orten längst aufgegeben haben. Stolz ist er auch auf ein Ranking, auf das er mal im Internet gestoßen war. Da wurde sein Strandkorbkino „als Deutschlands zweitschönstes Open-Air-Kino“ bezeichnet. Und die Nummer eins, die Filmnächte an den Elbwiesen in Dresden, hätten den Spitzenplatz auch verdient, findet Kretzschmer.

Wunschfilmabende und Freiluft-Kino am Schlosswall

Einen regelmäßigen, allerdings wetterabhängigen, Spielplan im Freien, über gut drei Monate mit aktuellem Filmangebot, wird derzeit in Mecklenburg nur am Kühlungsborner Strand geboten.

Den besonderen Reiz des Freiluftkinos aber haben längst auch andere Veranstalter für sich wiederentdeckt. So lädt die Rostocker Wohnungsgesellschaft Wiro in diesem Sommer wieder zu Wunschfilmabenden „unter dem Sternenhimmel“ ein. Auf einer 6 mal 12 Meter großen Leinwand werden an drei verschiedenen Standorten Filme gezeigt, die zuvor per Online-Abstimmung von den Rostocker Kinofans ausgewählt wurden. Als erstes wird am 30. August um 20.30 Uhr im Fischerdorf der Klassiker „Dirty Dancing“ gezeigt.

Auch bei Gästen und Einheimischen auf der Insel Poel ist Filmschauen im Freien sehr beliebt. So war die erste Veranstaltung, Ende Juli, auf der Freilichtbühne am Schlosswall in Kirchdorf mit über 200 Besuchern wieder ein voller Erfolg. Die nächste Aufführung ist dort am 23. August geplant. Gezeigt wird dann der Animationsfilm „Small foot“.

Besondere Filme erwarten die Besucher in den Sommermonaten oft auch an anderen Standorten im Freien, wie am Strand in Heiligendamm, in der Klosterruine in Bad Doberan oder wie beim jährlich stattfindenden Wanderkino in Warnkenhagen im Klützer Winkel.

Rolf Barkhorn

Klara aus dem Ort Neuburg in der Nähe von Wismar hat eine sehr seltene, unheilbare Muskelentzündung. Treppensteigen ist für sie unmöglich geworden. Doch ihre Schule hat keinen Lift. Damit sie ihre Freunde nicht verlassen muss, hofft sie auf Spenden. Denn die Gemeinde hat kein Geld.

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