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Wismar Wismarerin im Kampf gegen die Kilos und die Krankenkasse
Mecklenburg Wismar Wismarerin im Kampf gegen die Kilos und die Krankenkasse
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14:45 31.05.2019
Dana Maretzki (42) hat nach zwei Magen-Operationen deutlich abgenommen. Quelle: Nicole Hollatz
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Grevesmühlen/ Wismar

140 Kilo hat Dana Maretzki zu ihren „besten“ Zeiten gewogen. Bei einer Körpergröße von 1,67 Metern entsprach das einem BMI (Body Mass Index) von über 50. „Stark adipös“, die junge Frau hatte krankhaftes Übergewicht. Noch jetzt fällt es ihr schwer, die Fotos von damals anzusehen. „Es gibt kaum Fotos von mir aus der Zeit“, zuckt sie die Schultern.

„Das Gewicht hat mich bei allem eingeschränkt. Das ganze Lebensgefühl war weg“, versucht sie zu beschreiben, wie es ihr damals, vor gut 10 Jahren, ging. Unglückliche Beziehung, körperliche und seelische Probleme: „Heute sehe ich es so, dass ich in einem Gefängnis gesessen habe.“ Dank guter Freunde und der eigenen Kraft hat sie sich aus diesem Gefängnis befreit, sich erst vom Mann getrennt und dann den Kampf mit dem krankhaften Übergewicht aufgenommen.

60 Kilo Gewichtsverlust in 12 Monaten

2011 bewilligte ihre Krankenkasse, die AOK, ihr die „Schlauchmagen-OP“ schnell und vergleichsweise unbürokratisch. Bei der OP wird der Magen auf circa 10 Prozent seines vorherigen Volumens verkleinert, der Patient nimmt extrem schnell ab.

„Mir wurde auch vorher mündlich zugesagt, dass auch alle Folgekosten übernommen werden“, erzählt die Frau mit dem sympathischen Lächeln. Durch die radikale Operation hat sie innerhalb eines Jahres 60 Kilogramm abgenommen. „Das schafft die Haut nicht!“

Zu viel Haut

Dana Maretzki zeigt auf ihre Oberarme, spannt den Bizeps unter der Strickjacke an. Ohne kaschierende Jacke zeigt sie die Arme nie, egal wie warm es ist. Unter ihren sonst dünnen Oberarmen hängt ein riesiger Hautlappen. Die Beine und der Bauch sehen ähnlich aus. „Kiloweise Haut“, fasst sie vorsichtig das zusammen, was sie belastet. Körperlich und seelisch.

Sie erzählt von der Unmöglichkeit, passende Klamotten zu kaufen. Von Tränen beim Shopping. Davon, dass sie vor einer neuen Beziehung zurückschreckt. „Das möchte ich niemandem zumuten. Die Leute gucken ja“, schüttelt sie den Kopf.

Klage gegen Krankenkasse

Seit 2012 klagt sie gegen ihre Krankenkasse. Die AOK weigert sich, die Kosten für die Folge-Operationen, die Hautstraffungen zu übernehmen, trotz der vorherigen mündlichen Zusage.

Denn zum damaligen krankhaften Übergewicht kam eine weitere Erkrankung. „Lipödeme“ – Dana Maretzki leidet an der krankhaften Fettverteilungsstörung. Während bei gesunden Menschen das Fett gleichmäßig verteilt wird, sind bei ihr besonders die Beine und Arme betroffen. Sie hat wieder zugenommen, durch Rheuma-Medikamente und den psychischen Druck.

Die Krankenkasse hat die nächste Magen-OP, den Bypass, bezahlt. Mit 111 Kilo ist Dana Maretzki im Februar ins Krankenhaus gekommen, jetzt wiegt sie knapp 100 Kilo. Tendenz fallend.

OP-Kosten nur bei medizinischer Notwendigkeit

„Eine gesetzliche Krankenkasse kann die Kosten für eine Hautstraffung nur bei einer medizinischen Notwendigkeit übernehmen, nicht bei rein ästhetischen Gründen“, sagt Markus Juhls von der AOK Nordost.

Dies sei zum Beispiel der Fall, wenn die Patientin oder der Patient in seiner Beweglichkeit stark eingeschränkt ist oder weitere schwerwiegende Erkrankungen beispielsweise der Haut hat.

Juhls: „Auch bei einer krankheitswertigen Entstellung im Sinne des Sozialgesetzes besteht für die Krankenkassen die Möglichkeit, die Kosten zu übernehmen. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung prüft in diesen Fällen, ob diese Voraussetzungen vorliegen. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten leider nicht übernehmen.“

Berufung abgelehnt

Inzwischen wurde die Berufung abgelehnt. „Jetzt geht alles wieder von vorne los“, klagt Dana Maretzki. „Wenn ich mein Gewicht erreicht habe und Stillstand ist, darf ich wieder einen neuen Antrag auf Übernahme stellen. Und hoffen, dass die AOK dann bewilligt.“ Ansonsten will sie wieder klagen und dann vielleicht im Trägertop zur Gerichtsverhandlung kommen.

Damit der Richter sieht, worum es geht. Wie die Hautlappen in Verbindung mit den Lipödemen aussehen. „Und damit nicht nur nach Aktenlage entschieden wird.“

Wismarer Adipositaszentrum

Im Adipositas-Zentrum im Sana Hanse-Klinikum Wismar wird mit konservativen und auch mit operativen Methoden versucht, des krankhaften Übergewichts Herr zu werden.

Dabei geht es bei der Adipositas nicht um ein paar Wohlstandskilo. Adipös ist, wer zum Beispiel 180 statt gesunder 80 Kilogramm wiegt. Wenn der Körpermasseindex – also Gewicht geteilt durch Körpergröße hoch zwei – deutlich über 35 liegt, spricht man von Adipositas.

Im Zentrum wird das Augenmerk auf die konventionellen Therapien gelegt: die medizinischen Ursachen abklären, Ernährungsberatung, gemeinsam Sport machen, sich in der Gruppe der Betroffenen gegenseitig motivieren und miteinander freuen, wenn mit dem nächsten Kilo weniger wieder ein Schritt geschafft wurde.

Erst wenn die nicht greifen, kann in Absprache mit den Fachärzten und der Krankenkasse eine Magen-OP in Betracht gezogen werden.

Eine Operation ist oft die letzte Möglichkeit, um wieder ein im wahrsten Wortsinne leichteres Leben zu führen.

Folgeerkrankungen durch Übergewicht sind Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Knochen- und Gelenkserkrankungen, Gallensteine oder sogar Krebs beispielsweise.

Nicole Hollatz

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