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Mecklenburg Wismar Freie Wähler Wismar wollen mehr Bürgernähe
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14:23 21.05.2019
Torsten Born möchte mit den Freien Wählern erstmals in die Wismarer Bürgerschaft einziehen. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

Die Freien Wähler wollen erstmals in die Bürgerschaft. Am 26. Mai wird gewählt. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Torsten Born. Der 57-Jährige leitet in Schwerin das Büro des Landtagsabgeordneten Bernhard Wildt.

Herr Born, bei der Bürgerschaftswahl vor fünf Jahren haben Sie als Einzelbewerber kandidiert. Jetzt für die Freien Wähler. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich hatte mich der Partei Bürger für Mecklenburg-Vorpommern angeschlossen. Durch den Zusammenschluss mit den Freien Wählern bin ich Mitglied der Freien Wähler geworden.

Warum treten die Freien Wähler erstmals in Wismar an?

Wir wollen Bürgernähe herstellen. Anfang der 90er-Jahre war ich in der CDU. Wir sehen aber, dass die etablierten Parteien die Nähe zu den Bürgern verloren haben. Und auch im Umkehrschluss ist das Vertrauen in die Parteien der sogenannten Mitte verloren gegangen. Eines unserer wichtigsten Ziele ist die direkte Demokratie.

Auf der Notenskala von eins bis fünf: Wo steht Wismar?

Ich bin ja erst 2004 nach Wismar gekommen. Die Stadt hat sich natürlich entwickelt. Sie ist für mich eine mittelständische, hanseatische Kleinstadt.

Nochmal nachgefragt: Welche Note würden Sie Wismar für den jetzigen Zustand geben?

Eine drei.

Drei Beispiele: Wo sollte Wismar zulegen?

Es muss gelingen, dass sich neben der Werft weitere mittelständische Unternehmen ansiedeln. Das würde auch zweitens dazu führen, dass sich mehr Studenten an der Hochschule immatrikulieren. Drittes muss der ÖPNV besser werden. Das ist ein großes Thema für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des ländlichen Raumes. Bei der Streckenführung und Taktung sind Verbesserungen im Busverkehr erforderlich.

Sie haben das Stichwort ÖPNV genannt. Wann sind Sie das letzte Mal Bus gefahren?

Vor ein paar Tagen. Das war sogar eine lange Strecke von Wendorf bis nach Kritzow.

Wie war Ihre Erfahrung?

Gut für mich, aber schlecht für die Bewertung des ÖPNV.

Warum?

Ich konnte direkt umsteigen beim Lindengarten in die Linie nach Kritzow. Das hat wunderbar geklappt und hat nur zwei Euro gekostet. Es kann aber nicht sein, dass ich von Wendorf nach Kritzow für zwei Euro fahre, und die Oma aus Wendorf, die von der Seebrücke nach Marktkauf zum Einkaufen will, muss vier Euro bezahlen, weil sie das nicht innerhalb einer Stunde schafft. Das finde ich ungerecht, da muss eine andere Lösung gefunden werden, zum Beispiel ein Kurzstreckenticket. Von Wendorf nach Kritzow müssen es nicht zwei Euro sein. Ich will keine Summe nennen, aber ein höherer Betrag.

Ein Thema, das viele Wismarer beschäftigt, ist die Hochbrücke. Sind Sie für eine neue Brücke oder für eine Troglösung?

Erst einmal muss geklärt werden, ob der Schwerlastverkehr durch Wismar geführt werden muss. Es gibt die Autobahn und die Tangenten. Dann muss geklärt werden, ob die Brücke überhaupt erneuert werden muss.

Das Land sagt, ein Neubau ist erforderlich.

Wenn ja, würde ich die jetzige Streckenführung befürworten. Die nächste Frage ist, warum sollen die Poeler Straße und die Hochbrücke fast zeitgleich gemacht werden.

Stadt, Bahn und Land sagen, dass nacheinander gebaut werden soll.

Ja gut, aber warum baut man überhaupt eine Unterführung in der Poeler Straße. Erstmal ist das sowieso schon um ein Jahr verschoben worden. Ich denke mal, weil die Häuser schon anfangen wacklig zu werden aufgrund des morastigen Untergrundes. Ich bin kein Statiker, aber ich denke, wir sitzen in einem Jahr hier und sagen, tut mir leid, es kann doch nicht gebaut werden wegen des Grundwassers.

Sie kommen aus dem Sport. Wie schätzen Sie den Zustand der Wismarer Sportanlagen ein?

Sicher ist das für die Wismarer eine schöne Sache, wenn die Mehrzweckhalle rekonstruiert wird. Aber wenn ich lese, dass leider der Damenhandball in Wismar kaputtgeht und jetzt freiwillig zwei Ligen tiefer gespielt wird, frage ich mich, ob es überhaupt noch notwendig ist. Ich sehe im Moment nicht, was da passieren soll, außer vielleicht der Sportlerball. Das Kurt-Bürger-Stadion hat man in den letzten Jahren total vernachlässigt. Es ist gut, dass es modernisiert wird. Ich weiß nicht, wer die Laufbahn nutzt und Leichtathletikwettkämpfe durchführt. Der PSV hat seine eigene Anlage. Sonst sehe ich keine weiteren Leichtathleten in Wismar.

Ganz anderes Thema: Wie kann Wismar mit Umweltthemen punkten?

Ich wüsste jetzt nicht, was die Stadt umweltmäßig verändern könnte.

Auch Wismarer Schüler haben für einen besseren Klimaschutz demonstriert. Wie finden Sie das?

Es ist gut, dass sich die Jugendlichen dafür engagieren. Aber warum muss das während der Schulzeit sein? Das kann man auch am Freitagnachmittag oder am Samstag machen. Ich will nichts unterstellen, aber da sind bestimmt einige am Freitag dabei, damit sie nicht zur Schule wollen.

Sind die Freien Wähler für oder gegen eine fahrradfreie Fußgängerzone?

Aus Gründen der Unfallgefahr kann man in der Fußgängerzone das Fahrrad schieben.

Was rechnen sich die Freien Wähler bei der Wahl am 26. Mai aus?

Wir hätten gerne einen Sitz in der Bürgerschaft, freuen würden wir uns, wenn es beide schaffen.

Wahl in Wismar

Neun Parteien und eine Wählergemeinschaft treten mit ihren Bewerbern bei der Bürgerschaftswahl am 26. Mai an.

Die Reihenfolge auf den Stimmzetteln ist wie folgt: CDU, Die Linke, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, AfD, FDP, NPD, Freie Wähler, Piraten, Für-Wismar-Forum. In Wismar geht es um 37 Plätze in der Bürgerschaft.

Die jetzige Sitzverteilung: SPD 11, CDU 8, Die Linke 7, Für-Wismar-Fraktion 4, Grüne 2, FDP 2, Piraten 1, AfD 1, NPD 1.

Am 26. Mai finden außerdem die Europa- und Kreistagswahlen statt.

Heiko Hoffmann

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