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Wismar Gelungene Premiere: Kreuzfahrer checken das erste Mal in Wismar ein
Mecklenburg Wismar Gelungene Premiere: Kreuzfahrer checken das erste Mal in Wismar ein
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18:16 05.05.2019
Die „Astor“ ist 176,25 Meter lang und kann bis zu 650 Passagiere aufnehmen. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

Mit blauem Himmel und Frühlingssonne begrüßte die Hansestadt Wismar am Sonntag die „Astor“. Für das Kreuzfahrtschiff war es der erste Anlauf in Wismar. Und für Wismar war es das erste Mal, dass hier der Passagierwechsel stattfand. Das Schiff kam aus dem polnischen Gdansk.

Erstmals kam die MS Astor nach Wismar, erstmals war Wismar der Ort für den Passagierwechsel. 334 Touristen gingen von Bord, für 396 Gäste aus ganz Deutschland begann die Kreuzfahrt in Wismar.

Zoll- und Sicherheitsbereich in der Markthalle

Die Markthalle wurde zur Sicherheitsschleuse umfunktioniert. Wie im Sicherheitsbereich eines Flughafens wurden die ankommenden Passagiere und ihr Gepäck „durchleuchtet“. Für 334 Kreuzfahrttouristen endete ihre Reise in Wismar. Für die paar Meter zwischen Liegeplatz 17 und Markthalle gab es aus Sicherheitsgründen einen extra Bus-Shuttle.

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„Wir reisen erst am Montag weiter“, erzählten Ingrid (78) und Sven (78) Jürgens aus München. Zwölf Tage waren sie auf der MS „Astor“ unterwegs, haben Stockholm, Helsinki, St. Petersburg, Tallin, Riga und Danzig beispielsweise angelaufen. In Wismar sind sie nun erstmals als Kreuzfahrer gelandet.

„Wir wollen noch eine Rundfahrt machen und die Stadt erkunden“, erzählte Ingrid Jürgens. Aber vorher musste das Gepäck ins Hotel in der Innenstadt. „Wissen Sie, wo unser Hotel ist?“ Natürlich, die Wege sind zum Glück kurz in der Altstadt.

Mehr Übernachtungen, mehr Umsatz

Ab 14 Uhr wurde es in der Markthalle deutlich hektischer, 396 Passagiere checkten nach und nach ein. „Viele kommen schon einen Tag vorher an, damit sie dann ganz entspannt sind“, wusste Klaus Ebner, Marketingchef beim Unternehmen „TransOcean Kreuzfahrten“ als Reeder der „Astor“.

Die Hoffnung: Mit dem Passagierwechsel könnte auch für die Wismarer Einzelhändler, Gastronomen und Hoteliers mehr vom „Kreuzfahrtkuchen“ übrig bleiben als nur das Fischbrötchen und Schleckeis bei den sonst gesättigten Kreuzfahrttouristen. „Wir hatten gestern geschätzt 100 Übernachtungen“, wusste Klaus Ebner.

Wismar verkauft sich (noch) schleppend

Aber Wismar verkaufe sich derzeit noch schlechter als andere Starthäfen. „Kreuzfahrt ab Hamburg hört sich noch besser an als ab Wismar“, erklärte Ebner. „Daran werden wir arbeiten“, kommentierte Bürgermeister Thomas Beyer, der zusammen mit Michael Kremp vom Wismarer Seehafen Geschenke an Kapitän Andrey Lisnichy überreichte, wie es beim Erstanlauf in Wismar üblich ist.

Nebel vor einem Jahr

Eigentlich hätte die „Astor“ schon im Mai 2018 ihren Erstanlauf in Wismar haben sollen. Aber: wegen starkem Seenebel mit Sichtweiten unter 50 Metern wurde der Anlauf abgesagt, das Schiff lief Rostock-Warnemünde an.

„Ich war nicht dabei, aber ich kenne die Geschichte. Der Nebel soll böse gewesen sein“, erzählte der Kapitän. Und ließ seine Zuhörer lachen, Sicherheit gehe zwar immer vor, aber es ist relativ normal so ein Schiff zu fahren ohne viel zu sehen. „Wir fahren ja auch nachts!“

Viel Arbeit hinter den Kulissen

Auschecken, einchecken – während des Passagierwechsels ist für die Crew viel zu tun. „Die Zimmer müssen schnell hergerichtet werden“, erzählte Daniel Körber. „Es ist nicht so schön, wenn die Gäste warten müssen, bis ihre Kabinen fertig sind!“ Wasser bunkern, palettenweise frische Lebensmittel aufnehmen, Müll los werden – vor dem Liegeplatz war ein gewisses Gewusel.

Wunsch: offene Geschäfte

„Wie weit ist es bis in die Stadt und haben die Geschäfte offen?“, fragte ein Crewmitglied. Er braucht eine Drogerie oder einen Supermarkt und wurde enttäuscht. Zwar hatten zum „Verkaufsoffenen Sonntag“ gestern ein paar wenige Läden geöffnet, das war aber die Ausnahme.

„Das ist etwas, was sich gerade die Crew wünschen würde bei so einem Halt“, wusste Kreuzfahrtdirektor Daniel Körber. Er selbst wollte noch Wismarer Kühlschrankmagneten kaufen. „Die holt sich fast jeder im Hafen“, lachte er.

Daniel Körber lachte: „Aber die müssen stark genug sein! In so eine Kabinenwand kann man ja keinen Nagel rein hauen, aber man kann Fotos beispielsweise mit einem Kühlschrankmagneten befestigen.“ Den sollten die Crewmitglieder, so sie denn Zeit für einen Landgang haben, gefunden haben.

Shantychor und Schützen immer dabei

Die Männer vom Wismarer Shantychor Blänke und die Wismarer Schützen sind beim Abschied eines Kreuzfahrtschiffes immer dabei für den bleibenden guten Eindruck Wismars.

„Und damit es sich rumspricht, wie schön eine Kreuzfahrt ab Wismar ist!“, kommentierte Klaus Elsner. Dafür werden auch die 17 Journalisten aus Deutschland und Österreich sorgen, die mit an Bord waren und über Wismar berichten werden.

Nächster Stopp der „Astor ist das schwedische Malmö.

Vergleichsweise klein

Die „Astor“ wurde 1987 in Kiel gebaut und in Dienst gestellt. Von 1988 bis 1995 fuhr sie unter dem Namen „Fedor Dostoevskiy“, danach wieder als „Astor“. Das Schiff fährt derzeit unter der Flagge der Bahamas, ist 176,26 Meter lang und 22,61 Meter breit. Der Tiefgang beträgt 6,10 Meter. Zirka 250 Crewmitglieder kümmern sich um bis zu 650 Gäste, das Schiff gehört zu den vergleichsweise kleinen Kreuzfahrtschiffen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 22 Knoten.

Mehr Infos:

Alle Anläufe: Diese Kreuzfahrtschiffe nehmen 2019 Kurs auf MV

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Nicole Hollatz

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