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Wismar Gemeinde Passee sitzt Urkundenfälscher auf
Mecklenburg Wismar Gemeinde Passee sitzt Urkundenfälscher auf
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06:06 08.06.2019
Symbolbild Feuerwehr. Quelle: Frank Söllner
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Passee

 Die freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Passee hat noch immer keinen Wehrleiter. Die Hoffnung auf eine neue Führungskraft zum 1. April hat sich zerschlagen. Wie sich herausstellte, ist die Gemeinde mit dem potenziellen Interessenten einem Betrüger aufgesessen. „Herr Dirk Mense hat uns belogen. Die Urkunde über den Abschluss als Diplom-Ingenieur im Brandschutz ist gefälscht“, berichtet Bürgermeister Adolf Wittek. Das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen in Münster hat Strafanzeige wegen des Verdachts der Urkundenfälschung erstattet.

Am 2. Februar titelte die OZ: „Große Freude in Passee: Gemeinde hat neuen Wehrführer“. Der Bürgermeister zeigte sich überaus froh und erleichtert, dass die Gemeinde nun wieder die Feuerwehrbereitschaft herstellen könne. Seit Jahresbeginn ist die freiwillige Feuerwehr ohne Leitung. Der Brandschutz ist aber eine Pflichtaufgabe der Kommune.

Mit einer ungewöhnlichen Werbeaktion Ende November hatte die Gemeinde sehr schnell Erfolg. Sie bot dem künftigen Feuerwehrchef eine Wohnung zur kostenfreien Miete für ein Jahr oder ein Baugrundstück an. Denn das war die Bedingung: Er muss nach Passee ziehen. Dirk Mense, der im niedersächsischen Holzminden geboren ist und seit einigen Jahren in Wismar lebte, war der einzige von drei Bewerbern, der bereit war, fürs Ehrenamt seinen Wohnsitz zu wechseln.

Der Hauptbrandmeister stellte sich Ende Januar in der Gemeindevertretung vor. Er berichtete von seiner Ausbildung, von Zusatzqualifikationen im Brandschutz, Erfahrungen bei Großschadenslagen, seiner Arbeit in der Werksfeuerwehr der Werft in Wismar und der Mitgliedschaft in der Ortsfeuerwehr Friedenshof und Feuerwehr Gägelow. „Wir freuten uns alle, einen erfahrenen Feuerwehrmann gewonnen zu haben“, sagt der Bürgermeister. „Allerdings habe ich mich schon ein bisschen gewundert, dass ein so hoch qualifizierter Mann zu uns nach Passee möchte.“

Als öffentlich Kritik an Menses Person laut wurde und bei Facebook ein Shitstorm losbrach, ließ Adolf Wittek die vorgelegten Abschlüsse prüfen. „Zum Schutz von Herrn Mense, damit die Kritiker ihn in Ruhe lassen.“ Er war Mitte März nach Passee in eine Wohnung gezogen. Wegen eines Formfehlers war der 54-Jährige von der Mitgliederversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Passee noch nicht als Wehrleiter gewählt worden.

Menses Ingenieur-Diplom und Zeugnis, ausgestellt von der Universität Paderborn, Abteilung Institut der Feuerwehr Münster, Fachbereich Brandschutz und Sicherheit, schickte Adolf Wittek ans Prüfungsamt des IdF in Münster. Dessen Direktor Berthold Penkert antwortete per Mail: „Bei erster Draufsicht teile ich Ihnen mit, dass es sich um eine Totalfälschung handelt. Eine entsprechende Abteilung des IdF gibt es nicht . . . Üblicherweise stellen wir in solchen Fällen Strafanzeige.“ Das ist Anfang April passiert. Die „Dokumente“ wurden an die Universität Paderborn mit der Bitte um Echtheitsprüfung weitergeleitet.

Der Bürgermeister hat ihn mit dem Vorwurf der Urkundenfälschung konfrontiert. Darauf soll er geantwortet haben: „Die wollen mir alle nur Schlechtes.“ „Ich habe Herrn Mense drei Wochen Zeit gegeben, die Sache zu klären. Aber er hat sich nicht mehr gemeldet. Er ist abgetaucht.“

Gegenüber der OZ sagte Dirk Mense: „Das ist nicht wahr. Das sind Originalunterlagen. Die habe ich auch in der IHK in Rostock und in der Landesfeuerwehrschule Malchow vorgelegt.“ Er will die nächste Feuerwehrversammlung abwarten. Für ihn sei die Sache mit dem Wehrführer noch nicht erledigt.

Adolf Wittek macht aus seiner Enttäuschung kein Hehl. „Er hat uns belogen, das Vertrauensverhältnis ist kaputt. Ich habe natürlich den Wohnungsvermieter informiert, dass Herr Mense Miete zu zahlen hat.“

Laut Bürgermeister hätte er den Schwindel gar nicht nötig gehabt. „Herr Mense soll an der Landesfeuerwehrschule in Malchow einen Lehrgang absolviert haben, der ausreicht für den Wehrleiter“, sagt Wittek und ergänzt: „Wenn es denn stimmt. Das habe ich nicht mehr überprüft.“ Die Gemeinde würde auch einen potenziellen Wehrführer einsetzen, der diese Ausbildung noch nicht hat, aber bereit ist, sie zu machen. „Die Suche beginnt jetzt von vorn“, sagt der Bürgermeister.

Die Gemeinde stehe zu ihrem Angebot, dem neuen Wehrleiter ein Baugrundstück zur Verfügung zu stellen, den Aufwand für das Ehrenamt mit dem Höchstsatz zu entschädigen und ihn bei der Arbeitssuche zu unterstützen. Beispielsweise im Erlebnispark Tüzen, den die Firma Voss Energy aus Rostock plant. Dort sollen mindestens 22 Arbeitsplätze entstehen.

Haike Werfel

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