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Wismar Großauftrag für Wismarer Werkstätten nach Vox-Gründershow
Mecklenburg Wismar Großauftrag für Wismarer Werkstätten nach Vox-Gründershow
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14:12 24.09.2019
Torsten Loll von den Wismarer Werkstätten bei der Montage des Venenstauers, im Hintergrund Konstantin Altrichter (l.) von Daisygrip und Volker Bendiks, Produktionsleiter bei den Werkstätten. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

Gurt und Schnalle für den neuen Venenstauer „Daisygrip“ werden am Seeufer im Gewerbegebiet Hoher Damm zusammengesetzt. Die beiden Rostocker Jungunternehmer Konstantin Altrichter und Karl Hartmann (beide 27) hatten vor einem Jahr in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ ihren Venenstauer Investoren vorgestellt. Carsten Maschmeyer, einer der wohlhabendsten Deutschen, biss vor einem Millionenpublikum an.

Sendung vereinfacht den Start

Dr. Konstantin Altrichter mit dem modernen Venenstauer „Daisygrip“ Quelle: Heiko Hoffmann

Der TV-Auftritt verhalf zum Durchbruch. „Die Sendung hat den Start vereinfacht, weil sie uns zu größerer Bekanntheit verholfen hat“, sagt Dr. Konstantin Altrichter. Der Mediziner und der Wirtschaftsingenieur statten immer mehr Krankenhäuser aus. Zu großen Abnehmern zählen zum Beispiel Krankenhäuser in Rostock, Würzburg und Berlin, die Uni-Medizin in Zürich, die Kontakte reichen bis nach Österreich, Niederlande und Dänemark. Mit Frankreich, Spanien und Großbritannien sollen weitere Märkte erschlossen werden.

Der neuartige Venenstauer besteht aus beschichtetem Silikon und kann leicht desinfiziert werden. Damit kann Patienten Blut abgenommen werden, ohne dass lebensgefährliche Krankenhauskeime übertragen werden.

„Die bisherigen Venenstauer können nur schlecht gereinigt werden und sind daher unhygienisch. Unsere dagegen lassen sich problemlos desinfizieren“, erklärt der junge Arzt Altrichter die Vorzüge gegenüber den herkömmlichen aus Elastan und Baumwolle.

Montage bei Wismarer Werkstätten

Die 65 Zentimeter langen Silikonbänder kommen aus Nordrhein-Westfalen, die Plastikteile werden aus Berlin geliefert. In den Wismarer Werkstätten für Menschen mit Behinderung werden sie zusammengebaut.

Etikettieren, Einleger und Bedienungsanleitung in die Verpackung stecken, Venenstauer montieren – in der Spitze sind bis zu zwölf Mitarbeiter damit beschäftigt. „Erst haben wir mit reiner Handarbeit begonnen, dann wurden es so viele, dass es beschwerlich wurde“, so Projektmanager Karsten Rode. Es sagt weiter: „Für uns ist das eine typische Geschichte. Wir fangen klein an, dann lassen wir uns technisch etwas einfallen, um die Arbeit zu erleichtern.“

In der Anfangszeit waren es 100 Daisygrip in der Woche, die in Wismar montiert wurden. Heute werden zu Spitzenzeiten 500 Stück in wenigen Tagen gefertigt. Zu Beginn montierten Gründer, Freunde und Familie die Venenstauer selbst, daher wissen sie auch die Arbeit der Wismarer Werkstätten zu schätzen.

Bildergalerie: Diese Unternehmen aus MV haben es ins TV geschafft

„Die Höhle der Löwen“ und „Das Ding des Jahres“ sind TV-Sendungen, bei denen Erfinder und Startups die Chance haben, ihr Produkt vor einer Jury zu vermarkten und sich Investitionen beziehungsweise Preisgelder zu sichern. Auch diese Unternehmer aus MV waren schon im TV zu sehen:

Namhafte Kunden

Für die Werkstätten ist das ein weiterer Großauftrag. „Wir haben eine breite Palette an Arbeit“ sagt Produktionsleiter Volker Bendiks. 450 Frauen und Männer sind an fünf Standorten tätig. Steckverbindungen für die Automobilindustrie, Verpackungsaufträge aus der Möbel-, CD- und Medizintechnikbranche sind weitere Beispiele. Zu den Kunden zählen Lear Corporation Wismar, Euroimmun Dassow oder auch Ikea.

Die Stückzahlen für das Rostocker Start-up Daisygrip – Unternehmens- und Produktname sind identisch – werden weiter steigen. „Wir wollen unseren Venenstauer zum Standard machen“, sagt Konstantin Altrichter. „Dafür war die Sendung super. Nicht nur aus Patientensicht, sondern auch für Ärzte und Schwestern.“ Die Hygiene rücke stärker ins Bewusstsein, Blutabnahmen werden für Patienten sicherer.

Kein Vertrag mit Maschmeyer

In der im September 2018 ausgestrahlten Sendung „Die Höhle der Löwen“ hatten die beiden Rostocker ihre Idee vor Investoren präsentiert. Wer ihnen 100 000 Euro gibt, sollte dafür zehn Prozent der Anteile an ihrem Start-up bekommen. Carsten Maschmeyer war interessiert, wollte aber ein Viertel der Firmenanteile. Die beiden Jungunternehmer willigten ein und waren mehrfach bei Maschmeyer in München.

Zum Vertragsabschluss kam es letztlich nicht. „Als Unternehmen waren wir vermutlich zu klein, wir waren noch völlig am Anfang und vielleicht nicht relevant genug“, sagt Altrichter. Auch hätten einige Punkte im Vertrag nicht ihren Vorstellungen entsprochen. „Dennoch haben wir viel gelernt bei den Verhandlungen“, ist der Rostocker zufrieden.

Gefährliche Krankenhauskeime

Oben der neue Venenstauer mit dem Gurt aus beschichtetem Silikon und Magnetverschluss, unten der herkömmliche Venenstauer aus einem Mix von Elastan mit Baumwolle und einfachem Verschluss. Quelle: Heiko Hoffmann

Auf dem Markt sind sie der einzige Anbieter, der den Venenstauer wirklich hygienisch und als Mehrweglösung anbietet. Herkömmliche Stauschläuche bestehen aus einem Mix aus Elastan und Baumwolle. „Das Material ist großporig. Darin setzen sich Keime fest“, erklärt Karl Hartmann. Die Stauer wandern bei der Visite von einem Krankenzimmer zum nächsten – und die Keime wandern mit. Das könne lebensgefährlich sein.

Um die Erreger abzutöten, müssten die Staugurte zwischen zwei Anwendungen in einem Dampfsterilisator abgekocht werden. Hartmann: „Das wäre viel zu zeitaufwendig. Deshalb passiert das de facto nicht.“

Daisygrip löst das Problem. Weil der Gurt aus beschichtetem Silikon besteht, genüge es, ihn mit Desinfektionsmittel einzusprühen und abzuwischen. Zudem sei Daisygrip leicht anzuwenden. Dank intuitiver Magnetschließe lässt sich der Venenstauer mit einer Hand öffnen oder schließen.

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Über den Autor

Von Heiko Hoffmann

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