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Wismar Herbstmondnacht: So viel Leben auf dem Wismarer Friedhof
Mecklenburg Wismar Herbstmondnacht: So viel Leben auf dem Wismarer Friedhof
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15:57 25.11.2019
Wunderbar mystisch mit dem Licht und der Beleuchtung: die Herbstmondnacht lockte gut 100 Gäste am Samstagabend auf den Wismarer Friedhof. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

Ein eigenartiges Gefühl, im fast Dunkeln über den historischen Teil des Wismarer Friedhofs zu wandeln. Grabkerzen erleuchten die wichtigen Wege zwischen den offenen Mausoleen und dem Leichenwärterhaus. Die Gänse rufen aus dem wolkenverhangenen Himmel. Die Gäste flüstern leise und ehrfurchtsvoll.

Thereminmusik im ehemaligen Leichenwärterhäuschen

Im großen Raum des Leichenwärterhäuschens spielt Robert Meyer unter dem an die Wand projizierten Vollmond das „Theremin“, dieses mystische Instrument, bei dem mit feinsten Handbewegungen Melodie und Tonhöhe innerhalb elektromagnetischer Felder gesteuert werden.

Einige Bäume und Kreuze leuchten stimmungsvoll im Scheinwerferlicht. Die Geige von Gerlind Brosig ist weithin zu hören und lockt zur Martens-Kapelle. Es gibt Glühwein, Kuchen, Bratwurst und mehr vor dem Leichenwärterhäuschen.

Begegnungen auf dem Friedhof

„Der Friedhof ist ein Ort der Begegnung, auf dem man Trost findet. Das soll ein Abend der Begegnung und der Achtsamkeit werden“, begrüßte Dr. Anja Kretschmer die gut 100 Gäste vor dem Leichenwärterhäuschen zur „Herbstmondnacht“.

In Zusammenarbeit mit dem Förderverein zur Erhaltung der Friedhofskultur in Wismar e.V. hat die freiberufliche Kunsthistorikerin aus Rostock die Herbstmondnacht nach Wismar geholt und ließ die Gäste symbolisch „im Nebelmonat durch die Welten wandern“.

Keine Angst

Die Gäste kamen, staunten und genossen den ungewöhnlichen Samstagabend. „In meinem Alter ist man dem Friedhof gedanklich doch schon ziemlich nah“, kommentierte Gertrud Frank (77) lachend die Frage, wieso sie dabei ist. Und lobte: „Wunderbar! Es ist toll, dass wir hier so einen lebendigen Friedhofsverein haben, der solche Veranstaltungen möglich macht!“

Ihre Freundin Roswitha Schneider (78) war wie vermutlich ein Großteil der Menschen noch nie nachts auf dem Friedhof: „Da hätte ich ja Angst! Aber nun ist es romantisch und sehr schön.“ Zu den Gästen zählten auch viele jüngere Besucher. Sogar Kinder waren dabei, um mit Stirnlampe und Handytaschenlampe den Ort zu erkunden.

Junge Friedhofsbesucher

„Wir wollten uns schon immer mal den Wismarer Friedhof anschauen“, erzählte Johanna Ender (29). Sie hatte einige Freunde vom Wismarer Kutterclub e.V. dabei. Sie hatte das Theremin-Konzert gelockt und war begeistert vom mystischen Instrument und der ganzen Atmosphäre.

Lachen erlaubt!

Die Gäste erlebten eine Nacht der offenen Grüfte auf dem Wismarer Friedhof. Vor und im Martensmausoleum erklangen Geige, Gitarre und Gesang. Anja Kretschmer las Sagen der Region, die von Petra Cavet und Roman Shamov schauspielerisch improvisiert wurden. Und ja, es darf auch herzhaft gelacht werden auf einem Friedhof!

Besonders, als Anja Kretschmer manch eine amüsante Geschichte rund um Beerdigungen und „aus der Gruft“ vorlas.

Blick in die Vergangenheit

Ehrfurchtsvoll dann die Begegnungen mit dem Tod und der eigenen Sterblichkeit. Beispielsweise in der Gruft der Martenskapellen. Hinweisschilder machten beispielsweise darauf aufmerksam, dass die aufwendige Gestaltung der Gruft mit Stuck und Marmorschildern einzigartig in Mecklenburg-Vorpommern ist.

Im Leichenwärterhäuschen dann die ganz eigene Begegnung mit der eigenen Endlichkeit – was will man noch machen, bevor man stirbt? Die Gäste sollten die Antwort auf kleine Zettel schreiben und aufhängen. „Leben“ war eine der wichtigsten!

Dankeschön an Polizei

Roswitha Schneider und Gertrud Frank werden den Abend auf dem Friedhof so schnell nicht vergessen. „Wir saßen in Decken gehüllt im Dunkeln und lauschten beeindruckt den sphärischen Klängen des Theremin. Plötzlich traten zwei Polizisten auf uns zu. Sie haben uns vor einer bösen Überraschung bewahrt. Bei ihrem Streifengang entdeckten sie ein offenes Seitenfenster am geparkten Auto und haben uns als Besitzer herausgefunden. Wir sind sehr glücklich, dass unsere Unaufmerksamkeit keine Folgen hatte, zumal auf dem Sitz noch eine Handtasche lag. Wir danken den aufmerksamen Beamten von der Polizeistation Wismar. Es gilt noch immer: Die Polizei – Dein Freund und Helfer!“

Engagement auf dem Wismarer Friedhof

Über die Autorin

Von Nicole Hollatz

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