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Wismar Horror in der Nikolaikirche: Wismar erinnert an „Nosferatu“-Dreh von 1921
Mecklenburg Wismar Horror in der Nikolaikirche: Wismar erinnert an „Nosferatu“-Dreh von 1921
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17:30 08.08.2019
Szene aus dem Film „Nosferatu“, der unter anderem in Wismar gedreht wurde. Quelle: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
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Wismar

Wenn André Jortzik sich den Stummfilmklassiker „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ anschaut, läuft ihm noch heute ein Schauer über den Rücken. „Der Film wirkt heutzutage immer noch gruselig. Auch wenn man durch Streifen wie ‚Kettensägenmassaker‘ abgehärtet ist“, sagt er und lacht.

Als Gästeführer wandelt der 51-Jährige mit Besuchern regelmäßig auf den Spuren von Vampir Graf Orlok, den Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau 1921 per Schiff in Wismar anlanden ließ. Denn auch nach knapp 100 Jahren finden sich in der Hansestadt noch immer Spuren des Filmdrehs.

Wir zeigen die Drehorte – damals und heute

Gruseln vor Originalkulisse

Im August können Besucher sich sogar in der Originalkulisse gruseln: Dann nämlich wird der Klassiker erneut in der Wismarer Nikolaikirche gezeigt. Inspiriert von Bram Stokers Roman „Dracula“ schuf Murnau mit den Ausdrucksmöglichkeiten des Stummfilms mit „Nosferatu“ einen der ersten Horrorfilme.

Das Resultat, ein ebenso verstörendes wie faszinierendes Werk expressionistischer Filmkunst, ist am 22., 23. und 24. August um 21 Uhr untermalt mit Livemusik in dem Gotteshaus zu sehen, das bereits im Film als Kulisse für das fliehende Opfer diente.

1921 begannen die Dreharbeiten, die in Wismar, Lübeck, Rostock und auf Sylt stattfanden. „In der Eingangssequenz des Films wird der Wismarer Marktplatz im Jahr 1921 vom Marienturm aus gefilmt mit Wasserkunst und Altem Schweden“, sagt Jortzik. „Der Schwenk über den Marktplatz sollte dem Film die Note einer verträumten Stadt im Baltikum verleihen.“ Der Regisseur habe Wismar als Kulisse für den Handlungsort, der im Film Wisborg heißt, ausgewählt, so heißt es, weil es in der Hansestadt ruhiger zuging, als in den Häfen von Hamburg, Bremen oder Lübeck, wo „echte“ Schiffe die Kameraeinstellungen hätten stören können.

Am Marktplatz befindet sich auch eine der beleuchteten Tafeln, die an den Filmdreh erinnert. Zwei weitere Tafeln finden sich im Innenhof der Heiligen-Geist-Kirche, einem weiteren Drehort – von dort erfolgte die Abreise des Protagonisten und Makler-Angestellten Thomas Hutter zu Graf Orlok in die Karpaten – und am Wassertor am Hafen.

Graf Orlok schleppt seinen Sarg durch das Wassertor

„Am Hafen wurde eine der Schlüsselszenen gedreht“, sagt Jortzik. „Durch das Wassertor betritt Graf Orlok die Stadt. Im Hintergrund ist das Totenschiff ‚Empedusa‘ zu sehen.“ Fast schon surreal mutet es heute an, wenn die hagere, kahlköpfige Gestalt mit den langen Fingern ihren Sarg durch das Wassertor schleppt.

Den gruseligen Protagonisten gab der bis dato unbekannte Theaterschauspieler Max Schreck. „Die Kamera stand damals zehn Meter vorm Tor und hat den Einzug des Grafen in die Stadt gefilmt. Mit ihm kamen naturgemäß Not, Tod und viele Ratten in die Stadt“, sagt Jortzik.

Auch dazu gibt es eine amüsante Anekdote: So soll es eine Zeitungsanzeige von 1921 gegeben haben, in der das Filmteam für die berühmte Szene vom Landgang des Untoten nach „50 lebenden Ratten“ suchte, die vom Schiff in die Stadt strömen. „Leider gibt es dazu keinen Nachweis mehr“, bedauert Jortzik.

Der Film „Shadow of the Vampire“ von 2000 wirft im Nachhinein ein anderes Licht auf Schauspieler Max Schreck: In der Adaption und Hommage an den Murnau-Klassiker werden die Dreharbeiten selbst zum Inhalt des fiktiven Films gemacht. „In dem Film wird unterstellt, dass Max Schreck ein wirklicher Vampir ist, der nach und nach die Filmcrew dezimiert“, sagt Jortzik und lacht.

Nosferatu-Touren von Mai bis Oktober

Von Mai bis Oktober bietet die Tourismuszentrale Wismar die Nosferatu-Tour im Rahmen einer Stadtführung mit wechselnden Themenschwerpunkten an. Rund fünf bis sechs Führungen mit insgesamt knapp 100 Besuchern verzeichnet Jortzik im Schnitt pro Saison. Verglichen mit Touren wie die Soko-Wismar-Stadtführung sei die Nosferatu-Tour eher ein Nischenprodukt sagt Jortzik. „Man darf aber auch nicht vergessen, dass Wismar als Kulisse nur eine Nebenrolle spielte. Viele Filmaufnahmen sind in der Slowakei und auch in Lübeck entstanden.“

Das tut dem Enthusiasmus des Gästeführers – der studierte Betriebswirt und freischaffende Autor hast sich sein Vampir-Wissen übrigens durch private Recherchen angeeignet – keinen Abbruch. Denn Glück ist, dass der Film, ein finanzieller Misserfolg, der die Riege der Kritiker spaltete, überhaupt bis heute erhalten blieb. 1925 sollte das Werk nach einem verlorenen Urheberrechtsstreit gegen Bram Stokers Witwe vernichtet werden, bis heute finden sich jedoch unzählige Schnittfassungen.

Die Lehre, die Jortzik am Ende jeder Tour aus dem Film zieht: „Wenn man Ärger mit Vampiren hat, kann man als Mann sowieso nichts machen“, sagt er und lacht. „Schließlich kann ein Vampir nur durch eine holde Jungfrau zum Bleiben bis zum Morgengrauen bewegt werden.“

Vorführungen und Karten

„Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ (1922): Vorführungen mit Livemusik am 22., 23. und 24. August von 21 bis 23 Uhr in der Kirche St. Nikolai (St.-Nikolai-Kirchhof 15) in Wismar. Veranstalter ist die Kantorei Wismar. Musikalischer Höhepunkt ist die Neuvertonung der filmbegleitenden Musik für E-Bass, Schlagwerk und Kirchenorgel von Kantor Christian Thadewald-Friedrich.

Karten für das Kirchenkinosind zum Preis von 15 bis 25 Euro in der St.-Nikolai-Kirche, im Gemeindebüro der Kirchengemeinde St. Marien/St. Georgen und im Musikladen „Music & More“, Breite Straße 20, in Wismar erhältlich.

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