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Wismar Hunderte wollen zur Soko Wismar
Mecklenburg Wismar Hunderte wollen zur Soko Wismar
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17:10 25.01.2019
Volles Haus beim Casting im Wismarer Zeughaus – die angehenden Komparsen mussten sich in Geduld üben. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

Einmal in einer Erfolgsserie mitspielen – diese Aussicht hat Hunderte Frauen, Männer und Kinder ins Wismarer Zeughaus gelockt. Auch Sebastian Baum: „Na klar, will ich Filmstar werden“, sagt er lachend und bringt damit auch die um ihn herumstehenden Leute zum Grinsen. Alle hoffen auf eine winzige Rolle in der beliebten ZDF-Vorabendserie „Soko Wismar“. Für die hat die Agentur „Komparsenfischer“ aus Eckernförde zwei Tage lang Nebendarsteller gesucht – und der Andrang war riesengroß.

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„250 Bewerber waren schon am Donnerstag da“, berichtet Agenturchefin Kirsten Schultz und holt mit Blick auf die lange Schlange vor dem Besprechungsraum tief Luft. Mit solch einer Resonanz habe sie nicht mal ansatzweise gerechnet. Zehn, zwölf Bewerber ruft sie zeitgleich herein, befragt sie charmant, aber im Schnelldurchlauf. Sie erkundigt sich nach Hobbys und Interessen, macht Notizen bei besonderen Fähigkeiten und Talenten. „Wenn jemand Tango tanzen kann oder Erfahrungen als Rettungsschwimmer hat – sowas Besonderes braucht man immer wieder!“, erklärt Kirsten Schultz.

Warten gehört dazu

Bevor es soweit ist, müssen die Bewerber warten, bis sie an der Reihe sind. Etwas schneller geht es bei den Kandidaten, die vorab telefonisch einen Termin ausgemacht haben. Doch Warten gehört nicht nur beim Casting dazu, sondern auch beim Drehen. „Geduld und Zurückhaltung sind mit die obersten Tugenden des Komparsen“, beschreiben die „Komparsenfischer“ die Regeln am Set. Wer keine Geduld hat, werde sich beim Dreh noch weniger wohl fühlen.

1000 Komparsenrollen

Cosima Dörk aus Groß Strömkendorf und Kornelia Templin aus Wismar sind geduldig und haben die Krimi-Serie schon öfter geguckt. „Die Serie ist gute Werbung für die Region. Viele Urlauber kommen extra wegen der Soko Wismar hierher“, sagt Cosima Dörk. Sie hat früher in der Tourismusbranche auf der Insel Poel gearbeitet. Sollte es mit einer Rolle klappen, würde sie gerne eine Oma spielen oder eine Wasserleiche. „Oder wir laufen einfach nur durchs Bild oder trinken irgendwo einen Kaffee“, ergänzt Kornelia Templin. Sie hat schon früher Theater gespielt. Nele Arbeit aus Warin hat mit ihren 15 Jahren noch keine Film- oder Bühnenerfahrung. „Ich möchte etwas Neues ausprobieren“, erklärt die Schülerin, warum sie sich bewirbt. Ihr und den anderen potenziellen Komparsen, erzählt Kirsten Schultz, was auf sie zukommen könnte: „Ab März wird wieder in Wismar gedreht. Die ersten Drehbücher habe ich schon und weiß auch, welche Typen als Komparsen gesucht werden.“

Über das Jahr, so schätzt die Agenturchefin, sind 1000 Komparsenrollen für die Serie und die Dreharbeiten in Wismar zu vergeben. Genaueres weiß sie aber erst, wenn sie die Drehbücher kennt. Die Menschen, die sich direkt im Zeughaus oder auch online beworben haben, kommen in eine Datenbank. „Auf die hat nur das Regie-Team Zugriff“, erklärt sie. Und die Kollegen sehen auch nur die Fotos und Interessen. Passt es zur Folge, schreibt die Agentur den Interessenten drei Wochen vor Drehbeginn an, teilt den Termin und die Rolle mit. „Dann kann jeder entscheiden, ob er mitmachen möchte oder nicht“, erklärt sie.

Mehr als Mindestlohn

Und obwohl Komparsen meist nur wenige Sekunden zu sehen sind, „gehen wir immer von einem Zehn-Stunden-Drehtag aus, pro Stunde bekommt der Komparse 9,50 Euro und mindestens acht Stunden werden bezahlt, auch wenn der Dreh nicht so lange dauert“, erklärt Kirsten Schultz weiter.

Wirtschaftsrechtsstudent Josias Liedholz (22) ist genau deswegen da. „Als Student ist das leicht verdientes Geld!“, sagt er. Sebastian Baum (37), der mit der Filmstar-Hoffnung, möchte einfach mal „reinschnuppern“. Als Berufsfeuerwehrmann hat er schon einige Soko-Drehtage mit begleitet. „Das ist immer eine spannende Erfahrung und was Besonderes.“

Cornelia Moritz (58) hat schon mehr Erfahrungen als Soko-Komparsin, muss sich aber neu bewerben, weil die Agentur gewechselt hat. Sie schwärmt von ihren bisherigen Erlebnissen am „Set“: „Die Schauspieler sind total zugänglich! Als Komparse steht man zwar nicht im Mittelpunkt, aber man fühlt sich auch nicht abseits!, betont sie. In der Folge „Letzter Tango“ kann man Cornelia Moritz, sie sitzt in einer Szene im Hintergrund und isst. „Als Komparse muss man Zeit haben, man weiß nie so genau, wann man dran ist!“

Online bewerben

Auch online können Interessierte sich recht einfach bewerben und registrieren, sie brauchen dazu nur zwei Fotos (Portrait und Ganzkörper, jeweils maximal 500 kB groß). Mit denen können potentielle Komparsen sich über die Internetseite www.komparsenfischer.de melden, für alle Bewerber aus der Region ist die Anmeldung unter Verwendung des Gutscheincodes WISMAR kostenfrei.

Nicole Hollatz