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Wismar „Ich möchte die Wismarer animieren, ihre Stadt mitzugestalten“
Mecklenburg Wismar „Ich möchte die Wismarer animieren, ihre Stadt mitzugestalten“
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12:10 07.11.2019
Sabine Mönch-Kalina in ihrem Büro im Wismarer Rathaus Quelle: Kerstin Schröder
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Wismar

Sabine Mönch-Kalina ist Professorin für Sozialrecht an der Hochschule Wismar und seit Ende Juni neue Präsidentin der Wismarer Bürgerschaft. Die SPD hat die Wahl scharf kritisiert. Denn ihr Kandidat Tilo Gundlack wurde trotz der meisten Wählerstimmen bei der Kommunalwahl nicht von der Bürgerschaft wiedergewählt.

Wie stürmisch sind Ihre ersten Monate im Amt verlaufen?

Meine Befürchtungen, dass sich der Protest und die Unzufriedenheit durch die weiteren Wochen und meine Arbeit ziehen werden, sind nicht eingetreten. So heftig wie der Sturm gekommen ist, so schnell war er auch wieder weg. Die Zusammenarbeit ist mittlerweile in einem sehr guten Fahrwasser angelangt, ich bin sehr zufrieden. Es gibt eine harmonische, offene und konstruktive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

Auch mit der SPD?

Ja.

Was unterscheidet Sie von Ihrem Amtsvorgänger?

Die Unterschiede werden sich in der Arbeit zeigen. Die Ausgangssituation ist jedenfalls eine andere. Frauen moderieren und leiten häufig anders als Männer. Außerdem komme ich aus dem Westen mit anderen Erfahrungen. Und ich gehöre nicht zur Partei des Bürgermeisters.

Wie verstehen Sie sich mit dem Bürgermeister?

Erstaunlich gut. Ich dachte, von seiner Seite würde mehr Widerstand kommen. Den hat es vorher schließlich auch gegeben. In Bürgerschaftssitzungen haben wir uns ab und zu mit Argumenten gerauft. Deshalb war meine Vermutung, dass das noch mehr werden würde. Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Wir gehen konstruktiv miteinander um, ich spüre keine Spannungen.

Es gibt so viele Fraktionen in der Bürgerschaft wie nie. Bringt das neue Herausforderungen für Ihr Amt?

Es bedeutet ein bisschen mehr organisatorischen Aufwand bei der Unterstützung der Fraktionen. Aber ich bin ein Freund von Meinungsvielfalt. Die ist gut für die Entwicklung der Stadt. Dass es jetzt ein breites Meinungsspektrum in der Bürgerschaft gibt, heißt, dass sie die unterschiedlichen Sichtweisen der Bevölkerung widerspiegelt. Jeder Wismarer findet einen Ansprechpartner für seine Anliegen. Das finde ich richtig und wichtig.

Sie besuchen in den nächsten Wochen alle Fraktionen. Warum?

Ich möchte eine erste Einschätzung meiner bisherigen Arbeit bekommen. So weiß ich, ob die Fraktionen zufrieden sind und was ich noch besser machen kann. Außerdem möchte ich wissen, ob sie für ihre Arbeit gut ausgestattet sind oder ob sie noch weitere Unterstützung benötigen.

Gibt es bald ein modernes Abstimmungssystem oder müssen die Bürgerschaftsmitglieder noch jahrelang Karten bei ihren Beschlüssen in die Luft halten?

Ich hoffe nicht. Wir (die Für-Wismar-Fraktion, Anmerkung der Redaktion) waren in den vergangenen Jahren Mitantreiber, die Technik im Bürgerschaftssaal zu verbessern. Der Renovierungsbedarf ist da. Dabei geht es auch um die Frage: Wie werden die Sitzungen künftig aufgenommen – mit Video oder nur als Audio-Datei? Außerdem sind auf der Empore, wo die Bürger sitzen, die Akustik und der Sitzkomfort schlecht. Auch das soll angepackt werden. Natürlich müssen wir immer die Finanzen im Blick behalten. Aber in dieser Wahlperiode wird da etwas passieren.

Ihre Wählergemeinschaft hat im Wahlkampf mehr Bürgernähe gefordert. Wollen Sie das auch in Ihrem neuen Amt umsetzen?

Definitiv. Ich möchte mehr mit den Bürgern in den Dialog treten, sie animieren, die Stadt mitzugestalten – soweit das möglich ist. Der Anfang war ein Infoabend zur Arbeit der Bürgerschaft. Es waren Vertreter aller Fraktionen da, allerdings nicht so viele Bürger. Trotzdem würde ich so eine Veranstaltung zu speziellen Themen gerne wiederholen. Gleichzeitig möchte ich in der Bürgerschaft und bei den Bürgern dafür werben, dass die Wismarer an mehr Verfahren beteiligt werden. Nur so kommen wir zu einem besseren Austausch miteinander. Es wird von den Bürgern viel kritisiert – auch berechtigt. Aber wenn man sie auffordert, mit uns im Rathaus darüber zu reden, ist die Resonanz sehr gering.

Vielleicht haben sie Scheu, vor versammelter Mannschaft zu sprechen …

Das kann sein. Deswegen würde ich gerne weitere Möglichkeiten der Beteiligung moderieren. Die Wismarer sollen Vorschläge machen können, auf die wir noch nicht gekommen sind. Nur weil sie uns jetzt gewählt haben, heißt das nicht, dass sie sich nicht auch persönlich engagieren dürfen. Es gibt interessante Ideen, die es lohnt, mal auszuprobieren, anstatt immer erst zu sagen, das geht nicht. Die Verbindung Rabenweg ist so ein Beispiel. Die hat viele Bürger bewegt, weil sie dort schlecht laufen können. Oder das Parken. Alle sind Fußgänger, Fahrradfahrer oder Autofahrer. Da stellt sich die Frage: Wie soll es mit dem Verkehr in Wismar weitergehen? Um Antworten darauf zu finden, gibt es Überlegungen, ein Verkehrsforum einzurichten. Das Instrument finde ich gut. Das könnte wie vieles ohne hohen Personalaufwand der Verwaltung umgesetzt werden. Wenn alle mitanpacken – auch die Fraktionen – kann man immer Lösungen anbieten. Und diese Bereitschaft erkenne ich in unserer neuen Bürgerschaft sehr deutlich.

Als Bürgerschaftspräsidentin repräsentieren Sie auch die Stadt. Ihr Vorgänger war sehr viel unterwegs. Wie viele Veranstaltungen besuchen Sie?

Mein Vorgänger hatte als Landtagsabgeordneter viel mehr Möglichkeiten, auch tagsüber Termine wahrzunehmen. Ich schaffe so viele Veranstaltungen nicht, weil ich hauptberuflich an der Hochschule arbeite. Aber ich versuche, bei wichtigen Ereignissen in Wismar dabei zu sein und nutze dafür auch mal meine Mittagspause – wie zum Beispiel vor Kurzem für eine Veranstaltung des Seniorenbeirates.

Was ist das Schönste an Ihrem Amt?

Dass es mir unheimlich viel Spaß macht. Ich arbeite sehr gerne mit anderen Menschen zusammen. Ich war lange Betriebsrats- und Senatsvorsitzende und bin schon ewig Schiedsstellenvorsitzende – das entspricht meinem Interesse und Naturell: Im Team zusammenzuarbeiten und Prozesse zu gestalten. Es macht mich glücklich, wenn Sitzungen gut laufen und die Leute zufrieden sind. Und ich bin leidenschaftliche Demokratin. Deshalb mache ich mir gerne viele Gedanken, wie man eine Stadtgemeinschaft organisieren und Leute motivieren kann, sich einzubringen.

Mehr Infos:

Von Kerstin Schröder

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