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Wismar In diese Gebäude können Neugierige am Sonntag in Wismar schauen
Mecklenburg Wismar In diese Gebäude können Neugierige am Sonntag in Wismar schauen
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08:38 08.09.2019
Wismars Altstadt von oben Quelle: Administrator
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Wismar

Der Tag des offenen Denkmals lockt jedes Jahr viele Besucher in die historischen Gebäude von Wismar. Das Thema lautet diesmal „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. In Führungen werden Denkmalpfleger und -eigentümer ausführlich über die Geschichte, zu Maßnahmen der Denkmalerhaltung, aber auch zu handwerklichen und künstlerischen Details berichten.

Los geht die beliebte Veranstaltungsreihe in der Welterbestadt bereits am 7. September. Dann zeigt die Tourist-Information Wismar in Kooperation mit dem Filmbüro MV um 19 Uhr in der Kapelle der St. Marienkirche den Film „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“. Die Dokumentarfilmer Thomas Tielsch und Niels Bolbrinker spannen den Bogen vom berühmten Bauhausgebäude in Dessau zu visionären Projekten in lateinamerikanischen Favelas, von den Kursen der Bauhausmeister Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer zur skandinavischen Schule ohne Klassenräume – ein Bogen von damals zu heute, der zeigt, dass Gesellschaft gestaltbar ist. Der Einlass beginnt um 18.30 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, Vorverkauf ist in der Tourist-Information.

Offizielle Eröffnung in einer Siedlung

Am Sonntag sind unter anderem folgende Gebäude dabei: Die Siedlung Am Salzhaff 2–21. Dort wird um 10 Uhr der Tag des offenen Denkmals vom stellvertretenden Bürgermeister Michael Berkhahn (CDU) eröffnet. Ab 10.20 Uhr gibt es eine Lindy-Hop-Tanzvorführung von Studenten der Wismarer Hochschule, um 10.30 Uhr und 14 Uhr öffentliche Führung durch die Siedlung mit der Landschaftsarchitektin Lysann Schmidt.

Die 1929 genossenschaftlich gebaute Siedlung des Wismarer Architekten Friedrich Wöhlke nimmt starke Bezüge zur Gartenstadtbewegung auf: private Gartenflächen und Gemeinschaftseinrichtungen bilden mit der Wohnbebauung ein soziales und urbanes Gesamtgefüge mit hoher Wohn- und Lebensqualität.

Das Denkmal in der Böttcher­straße 25 ist am Sonntag von 11 bis 12 Uhr und von 14 bis 15 Uhr geöffnet. Früher ist es Teil mehrerer barocker Buden gewesen und drohte, als Letztes dieser Art abgerissen zu werden. Buden waren die Häuser der Handwerker und „kleinen“ Leute, die meistens traufständig und von geringerer Höhe, aber in ihrer Anzahl ebenfalls stadtbildprägend waren. Engagierte Bauherren und Planer konnten sie retten und mit einer attraktiven Planung für eine Wohnnutzung in die Zukunft führen.

Restaurator baut Dielenhaus wieder auf

Dielenhaus am Spiegelberg 48a Bauherr Michael Lange Quelle: Haike Werfel

Im Denkmal am Spiegelberg 48 a können sich neugierige Besucher von 11 bis 16 Uhr umschauen, nach Bedarf gibt es Führungen mit dem Eigentümer, dem Diplomrestaurator Michael Lange aus Limbach-Oberfrohna. Er beschäftigt sich seit 2014 mit dem seit Anfang der 1990er-Jahre leerstehenden Speicher und Dielenhaus. Damals hatte ihn ein Restaurierungsprojekt an den Gewölben von St. Nikolai nach Wismar geführt. Nach mehrjähriger Bauzeit wird nun die Sanierung abgeschlossen, so dass im Erdgeschoss das Restaurierungsatelier für den norddeutschen Firmensitz einziehen kann. Die oberen Geschosse wurden zu Wohnzwecken denkmalgerecht ausgebaut und werden durch den Eigentümer und Firmenangehörige genutzt. Das heutige Erscheinungsbild der Fassade mit halbdeckender Rotfärbung bezieht sich auf den letzten großen Umbau um 1858 des ursprünglich mittelalterlichen Dielenhauses.

Das einzige mittelalterliche Stadttor

Blick auf das Wassertor Quelle: Haike Werfel

Im Wassertor am Spiegelberg 68 stehen von 10 bis 17 Uhr die Mitglieder des Vereins Club Maritim den Gästen Rede und Antwort zu dem Gebäude. Das ist als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung im 3. Viertel des 15. Jahrhunderts erbaut worden. An der Stadtseite ist das Wassertor mit Staffelgiebel und zweiteiligen Spitzbogenblenden und Zinnenabschluss aufwendig gestaltet. Zur Hafenseite zeigt es sich in seiner um 1600 vereinfachten, wehrhafteren Form mit Maßwerkfries, Vierpassfüllungen und segmentbogigen Öffnungen. Die Stadtbefestigung von Wismar wurde nach 1648 unter schwedischer Herrschaft erweitert. Nach 1865, mit Beginn der Niederlegung der Stadtbefestigung blieb das Wassertor als das einzige mittelalterliche Stadttor von Wismar erhalten. Der über quadratischem Grundriss errichtete Backsteinbau erfuhr zuletzt in den 1970er-Jahren eine Grundrenovierung („Rekonstruktion“, wie man damals sagte). Danach zog der Club Maritim ein, der hier nach wie vor zu erreichen ist.

Ebenfalls geöffnet am Tag des offenen Denkmals sind: der Ringlokschuppen in der Poeler Straße 3 von 10 bis 17 Uhr, das Hotel Alter Speicher und Restaurant in der Bohr­straße 12 (12 bis 17 Uhr mit Führungen und Malbögen für Kinder), der Friedhof der Hansestadt im Wiesenweg 69 b (14 bis 18 Uhr mit Führungen), die Heiligen-Geist-Kirche in der Lübschen Straße 31 (12.30 bis 18 Uhr, der St.-Marien-Kirchhof Nr. 7 (10 bis 17 Uhr), das Welterbehaus in der Lübschen Straße 23 (10 bis 17 Uhr) sowie das Stadt­geschichtliche Museum der Hansestadt Wismar, das Schabbell an der Schweinsbrücke 6/8.

Mehr Infos:

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Von Kerstin Schröder