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Wismar Jäger päppelt Reh-Baby auf
Mecklenburg Wismar Jäger päppelt Reh-Baby auf
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16:08 28.05.2018
Das Reh-Baby ist etwa dreieinhalb Wochen alt.
Das Reh-Baby ist etwa dreieinhalb Wochen alt. Quelle: Kerstin Schröder
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Wismar

Der Wismarer Reinhard Ahl ist seit Sonntag der Ziehvater eines Reh-Babys. „Gurkenhals“ oder „Ziegenbock“ wie er seinen neuen Mitbewohner spaßeshalber nennt, ist etwa dreieinhalb Wochen alt und braucht noch sehr viel Schlaf. Das Kitz sieht knuddelig aus und fiept ziemlich laut, wenn er Hunger hat. Vermutlich hat dieses Fiepen ein Pärchen aus der Nähe von Grevesmühlen dazu veranlasst, das Kitz mitzunehmen und zum Wismarer Tierpark zu bringen. Doch der kann wilde Tierbabys wie Rehe, Wildschweine, Füchse oder Vögel nicht aufnehmen. „Jungtiere müssen regelmäßig gefüttert werden, auch nachts, dafür haben wir kein Personal“, berichtet Tierpark-Chef Michael Werner. Deshalb bedeute das Mitnehmen von Tierbabys eigentlich deren Todesurteil. Denn: „Es kann sich nur jemand darum kümmern, der genügend Zeit hat“, ergänzt Werner. Außerdem: Wer wilde Tiere einfach mitnimmt, begeht Wilderei.

Ein Pärchen hat das Kitz zum Tierpark gebracht - doch dort kann es nicht betreut werden. Wer Tiere einfach mitnimmt, begeht Wilderei.

Im Fall von „Gurkenhals“ hat es einen Retter gegeben: Reinhard Ahl. Der 71-Jährige steht jetzt in der Nacht alle drei Stunden auf, um seinen Zögling mit der Flasche zu füttern. „Ich stelle mir den Wecker, denn sei Fiepen höre ich im Schlafzimmer nicht“, erzählt der Zieh-Papa. Einen richtigen Namen gibt er dem jungen Bock nicht, denn der soll sobald er stark genug ist, wieder ausgewildert werden.  Dass er als Jäger ein Tierbaby aufziehe, sei kein Widerspruch. „Als Jäger schießt man nicht nur, man hat sich der Hege und Pflege verschrieben“, betont Ahl. Er sei gerne in der Natur unterwegs und erfreue sich an den Tieren. Die anstrengende Aufzucht von „Gurkenhals“ habe er übernommen, weil „Babys nichts für die Unkenntnis von Menschen können und sie ein Recht haben zu leben“.

Dass Menschen immer wieder Kitze mitnehmen und von ihren Müttern trennen, ärgert ihn. Auf den ersten Blick würden die junge Rehe verlassen und hilfebedürftig wirken. Aber: „Die Mütter bleiben zum Säugen kaum länger als eine halbe Stunde bei ihren Jungen. Danach sind sie wieder unterwegs, um selber zu fressen“, erklärt er. Und werden ihre Jungtiere angefasst, verstoßen sie die. Deshalb appelliert der Wismarer, Kitze auf keinen Fall zu berühren. „In diesen Tagen ist überall in Feld und Flur das Fiepen der jungen Rehe zu hören. Sie rufen nach der Mutter, weil sie Hunger haben und bekommen etwas, sobald die sich sicher fühlt“, sagt Ahl. Deshalb sei es umso wichtiger, schnellstmöglich den Ort zu verlassen, um die Tiere in Ruhe zu lassen.

Schröder Kerstin

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