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Wismar Jäger retten Rehkitze vor Mähtod
Mecklenburg Wismar Jäger retten Rehkitze vor Mähtod
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08:00 26.05.2018
Die scharfen Klingen beim Mähen der Wiesen sind für Wildtiere äußerst gefährlich. Um so besser, dass Landwirte vorher Kontakt zu Jägern aufnehmen. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar/Gressow

Bernd Kolz hat ein Rehkitz aus dem Feld getragen und auch schon sehen müssen, wie nach dem Mähen bei einem Kitz drei Läufe fehlten. Das berührt. „Es ist ja nicht so, dass wir nur auf Tiere schießen. Wir haben auch ein großes Herz. Wenn man ein Kitz rettet, hat man Freude dran“, sagt der Jäger.

Auf den Wiesen in Wismar und Umgebung ist Mähsaison. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind mit ihren Maschinen im Einsatz. Die scharfen Klingen stellen für den Rehnachwuchs eine Gefahr dar. Darum sind Jäger im Einsatz. Sie retten den Nachwuchs.

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50000 Rehkitze sterben

Jetzt ist die Rehkitzsaison. Die fällt aber auch in die Mähsaison von Wiesen. Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung geht davon aus, dass jährlich bundesweit rund 50 000 Rehkitze dem Mähtod zum Opfer fallen.Bernd Kolz hat zusammen mit Charlott Gröning, Cornelius Abel und Kerstin Hilscher eine mehrere Hektar große Wiese bei Gressow ausgeflaggt. Haselnussstangen wurden in den Boden gerammt, Bettlaken und Bettbezüge daran befestigt. „Die flattern dann im Wind, die Ricken sind beunruhigt und führen ihre Kitze aus der Wiese“, erklärt der 51-Jährige.

Tipp vom Landwirt

Der Tipp, das gemäht wird, kam von der MAG Milch und Marktfrucht Gressow. Betriebsleiter Hinrich Junkelmann: „Wir versuchen seit einigen Jahren die Jäger zu informieren. Der erste Schnitt ist der gefährlichste für die Kitze.“ Junkelmann selbst ist auch Jäger und weiß, dass das Muttertier im Ernstfall wegspringt, die Kitze aber einem natürlichen Duckreiz folgen und sich in das Gras reinlegen. „Von den Maschinen aus ist das Kitz kaum zu sehen“, so Junkelmann. Nach dem Anruf der MAG Gressow sind Kolz und seine Mitstreiter zu der Wiese gefahren. „Jäger und Landwirt sollten einen guten Kontakt pflegen. Das klappt mit der MAG sehr gut“, sagt Kolz, einer von 66 Mitgliedern im Hegering Gägelow.

Flaggen lenken ab

Neun Flaggen haben sie noch am Abend aufgestellt. Immer dabei auch die Westfälische Dachsbracke „Arthus vom Blocksdorfer Holz“. „Sechs Ricken leben in dem Bereich, den wir ausgeflaggt haben. Zwei konnten wir gleich aufscheuchen.“ Sie weichen in den Wald aus, auf eine benachbarte Wiese oder in ein Getreidefeld. Am Tag darauf wurde gemäht. Das ist der Idealfall. Denn sonst gewöhnen sich die Rehe an die Bettlaken im Wind und kommen dorthin zurück, wo der Mähtod lauert. „Hege und Pflege gehören zum Jagdwesen. Schießen ist das Wenigste. Wir gehen verantwortungsvoll mit den Tieren um. Jägerei ist kein Ballerspiel“, räumt er mit Vorurteilen auf. Vier Jagdpächter teilen sich das etwa 755 Hektar große Revier Gägelow 1 (westlich von Gägelow bis Sternkrug an der B 105).

Auch Drohnen im Einsatz

Die Deutsche Wildtierstiftung setzt immer mehr auf Drohnen. Diese werden programmiert und fliegen selbstständig größere Gebiete ab. „Die Trefferquote bei Rehen ist sehr hoch, der Aufwand überschaubar“, so Dr. Kinser. Bei Bodenbrütern sei das ungleich schwieriger. Die Wildtierhilfe MV überfliegt mit einer Drohne Wiesenflächen. Der Service sei kostenlos, so Vereinschef Frank Demke. Der 2012 gegründete Verein lebt von Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Hoffmann Heiko

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