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Wismar Jetzt kommt das superschnelle Internet für Nordwestmecklenburg
Mecklenburg Wismar Jetzt kommt das superschnelle Internet für Nordwestmecklenburg
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10:36 08.04.2019
Daniel Kassen, André Salow und Joachim Dagel im Bagger graben einen Kabelgraben in der Gägelower Teichstraße. Quelle: Michaela Krohn
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Gägelow

Knapp 160 Kilometer Kabeltrasse werden die Mitarbeiter der Wismarer Firma Elektro-Plath Netzbau in den kommenden zwei Jahren in Nordwestmecklenburg verlegen. Am 1. April ist der Breitbandausbau im Landkreis gestartet. Die ersten Meter sind schon geschafft. In der Teichstraße in Gägelow waren die Männer seit Anfang der Woche im Einsatz.

Die Wismarer Firma Elektro-Plath Netzbau hat den Auftrag für den Netzausbau von der Wemacom – einem Tochterunternehmen der Wemag – bekommen. Die Mitarbeiter verlegen nun die Kabelrohre in vielen Dörfern und Gemeinden – und auch dazwischen. Mit 40 Leuten ist Elektro-Plath an den Start gegangen. „Und wir werden noch weiter aufstocken“, betont Inhaber Birger Plath. Gesucht werden noch Tief- und Straßenbauer, Asphaltbauer und Glasfasermonteure.

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So sieht der Breitbandausbau in Nordwestmecklenburg aus

Erst, wenn alle Rohre liegen, werden Glasfasern durchgezogen

Um die Kabel später zu verlegen, müssen die Straßenbauer zunächst einen Teil des Bürgersteigs in Gägelow aufgraben. Das tun sie mithilfe eines Baggers. Birger Plath erklärt, wie der Ausbau weiter funktioniert: „Innerorts werden die Leitungen etwa 60 Zentimeter tief verlegt.“ Die sogenannten Flatliner bestehen aus mehreren Kabelrohren – alle haben eine andere Farbe zur besseren Unterscheidung. Die werden dann in den Kabelgraben verlegt und dann wird der schon wieder zugemacht. „Das machen die Kollegen händisch“, sagt Plath – also mit der Schaufel. Das tun unter anderem Daniel Kassen und André Salow. Hilfe bekommen sie von Baggerfahrer Joachim Dagel. Ein paar Meter hinten ihnen pflastert Rico Ross den Gehweg schon wieder zu. Doch erst wenn alle Rohre liegen, werden die Glasfaserkabel durchgezogen. Und die sind gerade einmal zehn Millimeter dick. Ein einziges dieser Kabel vereint 288 Fasern.

Netzbauer setzen Spezialbohrer für sensible Gebiete ein

„Das ist die sogenannte offene Bauweise“, erklärt der Wismarer. Bei der geschlossenen Bauweise bohrt sich ein Bohrer in eine Startgrube – mitunter bis zu vier Meter tief und kann dort sogar „um die Kurve“ bohren – bis er an anderer Stelle wieder aus der Erde herauskommt. Der gebohrte Kanal wird bis zum Einzug der Kabelrohre durch eine Bohrspülung gestützt, wobei es sich um ein reines Naturprodukt handelt, welches auch in Naturschutzgebieten eingesetzt werden darf.

„Dieses Verfahren wird in sensiblen Bereichen angewandt“, sagt Plath. Das sind zum Beispiel neue Asphaltflächen, Alleen, oder naturschutzrechtlich sensible Gebiete – so wie in Stofferstorf nur ein paar Kilometer von Gägelow entfernt. Dort sind ebenfalls Mitarbeiter seines Unternehmens mit einem Spezialbohrer im Einsatz. „Von dort bohren wir etwa 1000 Meter bis nach Weitendorf“, sagt Birger Plath. Wie lange dieser Einsatz dauern wird, ist allerdings nicht so ganz klar. „Das kommt auf den Boden drauf an. Wir wissen nie richtig, wie er so weit unter der Erde beschaffen ist und wie lange der Bohrer braucht, um durchzukommen“, erklärt Gerald Schmidt vom Baumaschinen-Unternehmen Trahmann und Sohn, das eine Niederlassung in Domsühl bei Schwerin hat. Er weist die Leute aus dem Team von Elektro-Plath in die neuen Maschinen ein, damit sie die irgendwann allein bedienen können. „Bisher klappt alles wunderbar“, sagt er.

Der Breitbandausbau in Nordwestmecklenburg hat begonnen: Gerald Schmidt vom Baumaschinen-Unternehmen Trahmann und Sohn überwacht mit einem Messgerät die Position des Bohrers. Der bohrt von Stofferstorf aus Kanäle, in denen später die Glasfaserkabel bis in die umliegenden Ortschaften verlegt werden. Quelle: Michaela Krohn

Für Birger Plath und seine Firma ist der Breitbandausbau ein Glücksfall. Das Unternehmen hatte schon sein Vater gegründet, „damals noch auf einem Hinterhof in der Poeler Straße“. Inzwischen hat sich zu Elektro-Plath auch Elektro-Plath Netzbau in Redentin gesellt. „Das ist für uns natürlich ein schöner Auftrag. Wir arbeiten hier fast vor der Haustür“, sagt Plath. Und: „Die Gemeinde Gägelow hat uns sehr bei der Umsetzung unterstützt. In vorderster Front half uns sogar Bürgermeister Uwe Wandel selbst bei der Suche nach geeigneten Stell- und Lagerflächen.“

Wemacom: Schnelles Internet bis in den letzten Winkel

Neben Gägelow hat der Breitbandausbau im Kreis auch auf der Insel Poel, in der Gemeinde Neuburg und in Klütz bereits begonnen. „Für die anderen Gemeinden befindet sich die Wemacom noch in der Planungsphase“, sagt Unternehmenssprecherin Diana Kuhrau. „Insgesamt sind alle Bauarbeiten im kompletten Landkreis bis zum Ende des Jahres 2020 abgeschlossen, in einzelnen Gemeinden können die Bauarbeiten aber auch früher abgeschlossen sein“, bestätigt sie. Letztendlich sollen bis in den letzten Winkel jeder Ortschaft die übertragungsstarken Glasfaserleitungen verlegt werden. „In einigen Gemeinden sind die Planungen aber noch nicht bis zuletzt abgeschlossen“, schränkt Diana Kuhrau ein.

Die Wemacom hat in den nächsten Jahren so einen Mega-Auftrag zu erfüllen. Ziel ist es nach Aussage des Unternehmens, „eine flächendeckende und besonders zukunftsfähige Breitbandversorgung zu errichten, die alle Gewerbetreibenden und umliegende Nachfrager im Projektgebiet erreicht.“ Es werde mit etwa 30 000 Anschlüssen und damit verbunden mit rund 2000 Kilometer Trassen-Neubau gerechnet. Insgesamt stellen Bund und Land für schnelles Internet im Landkreis Nordwestmecklenburg 178 Millionen Euro zur Verfügung.

Michaela Krohn

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