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Wismar Jugendamt nimmt mehr Kinder in Obhut
Mecklenburg Wismar Jugendamt nimmt mehr Kinder in Obhut
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00:05 03.05.2017
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Wismar

135 Meldungen gingen im vergangenen Jahr wegen sogenannter Kindeswohlgefährdung beim Jugendamt in Wismar ein. 2015 waren es sogar 235. Die Mitarbeiter müssen jedem Hinweis nachgehen. Im schlimmsten Fall werden die Kinder aus den Familien genommen und woanders untergebracht. Doch auch wenn die Zahl der Meldungen und Inobhutnahmen in Nordwestmecklenburg von Jahr zu Jahr schwankt – generell ist sie steigend. Das bestätigt Jugendamtsleiterin Beate Dellin.

Vernachlässigung oder Gewalt in der Familie: In zwei von drei Fällen müssen Mitarbeiter einschreiten

Ein Drittel der Meldungen sei zwar unbegründet. Bei zwei Dritteln handelte es sich tatsächlich um Kinder, die zum Beispiel vernachlässigt wurden oder Gewalt erfahren haben.

Amt kontrolliert unangemeldet

Was passiert, wenn sich ein Angehöriger oder Nachbar Sorgen um Kinder macht, erklärt Torsten Tribukeit. Der Bürgermeister von Dorf Mecklenburg leitet den Sozialpädagogischen Dienst in Wismar seit Juli kommissarisch: „Wir gehen jeder Meldung nach, auch anonymen. Und uns darf dabei nichts durch die Lappen gehen – weder körperliche noch physische Gewalt. Wir kommen dann häufig unangemeldet.

Einige Familien spielen uns sonst Theater vor.“

Ein Beispiel: Torsten Tribukeit und seine Mitarbeiter wurden von einer Frau benachrichtigt, die sich Sorgen um ihr Enkelkind machte. Sie glaubte nicht, dass ihre Tochter dieses gut versorgen könne.

„Die Familie war uns schon bekannt. Die Oma hatte früher selbst Schwierigkeiten mit der Tochter“, berichtet Tribukeit. Am Ende kam heraus: Alles in Ordnung, dem Kind ging es gut. „Als ich dort ankam, haben Mutter und Kind zusammen Abendbrot gegessen. Die Großmutter schien in diesem Fall eifersüchtig auf ihre Tochter gewesen zu sein, die mit ihrem Kind heute besser zurecht kommt als sie damals.“

Obhut nur vorübergehend

Ziel sei immer, dass die Kinder in ihre Familien zurückgehen können. Die Mitarbeiter des Jugendamtes können dabei helfen. Auch Familienberatungsstellen bieten im Landkreis ihre Hilfe an. Weitere Möglichkeiten sind für ältere Kinder oder Jugendliche Wohngruppen. „Wir haben auch ein paar Pflegefamilien im Landkreis, es könnten aber mehr sein“, ergänzt Beate Dellin.

Von den 135 Meldungen, die im vergangenen Jahr beim Jugendamt eingegangen sind, mussten 36-mal tatsächlich Kinder in Obhut genommen werden. „Das kann aber immer nur vorübergehend sein“, sagt Dellin.

Über dauerhafte Entscheidungen befindet ein Familiengericht.

Auch mit dem Gerücht, dass vor allem alleinerziehende Eltern häufig mit der Situation überfordert sind und sie am ehesten Hilfe vom Jugendamt brauchen, räumt Tribukeit auf: „Es betrifft alle – vollständige Familien, Patchwork-Familien, Alleinerziehende, sozial schwache und gut situierte Familien.“ Am besten sei es immer, wenn das Jugendamt nicht eingreifen muss.

Die dramatischste Situation sei jedoch für alle Beteiligten, wenn Kinder aus den Familien genommen werden müssen. Tribukeit sagt: „Je jünger die Kinder sind, desto mehr arbeitet es auch in uns nach.

Wir versuchen aber, den notwendigen Abstand zu wahren.“

„Der Moment, in dem wir die Kinder mitnehmen, ist für alle schwierig – besonders, wenn die Eltern offen für Hilfe sind, es für die Kinder aber besser ist, nicht bei ihnen zu leben“, fügt Beate Dellin hinzu. Und: „Wir haben nicht die Aufgabe, Eltern oder Kinder zu erziehen. Wir unterstützen sie nur.“

Jugendamt sucht Fachkräfte

Zurzeit sind mehrere Stellen im Bereich des Jugendamtes ausgeschrieben. Nachdem die Behörde im vergangenen Jahr mehrfach in die Kritik geraten war (die OZ berichtete), sollte Personal aufgestockt werden. Zudem sind gerade sechs Mitarbeiterinnen in Elternzeit. „Auch wir kämpfen um Fachkräfte“, betont Beate Dellin. Daher konnten noch nicht alle Stellen besetzt werden.

Jugendamt geht jeder Meldung nach

24029 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 0 und 18 Jahren leben mit Stand Dezember 2015 im gesamten Landkreis Nordwestmecklenburg.

3481 Jugendliche zwischen 18 und 21 Jahre kommen hinzu. Auch für sie sorgt das Jugendamt bei Bedarf.

235 Meldungen von sogenannter Kindeswohlgefährdung sind 2015 beim Jugendamt eingegangen. 2016 waren es hingegen „nur“ 135. Die Mitarbeiter sind verpflichtet, jeder einzelnen Meldung nachzugehen.

Nicht immer entpuppt sich jedoch eine gemeldete Situation als tatsächliche Gefährdung für das Kind.

Der Fachdienst Jugend bietet Sprechtage an den Standorten in Wismar und Grevesmühlen an.

Wer eine Meldung wegen Kindeswohlgefährdung machen will, kann dies unter der kostenlosen Kinderschutz-Hotline ☎ 0800 / 1414007 oder unter ☎ 038872

/ 532 52 und 0163 / 5007475 tun. Die Telefone sind immer besetzt. Auch anonyme Meldungen sind möglich.

Michaela Krohn

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