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Wismar Junger Wismarer macht Straßenmusik
Mecklenburg Wismar Junger Wismarer macht Straßenmusik
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00:00 16.01.2018
Der 20-jährige Victor Marnitz hat sein Publikum auf der Straße gefunden. Auch wenn er nicht sein ganzes Leben Straßenmusiker sein möchte, kann er sich aktuell nichts besseres vorstellen. Quelle: Foto: Nicole Hollatz
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Wismar

„Und ich öffne meine Augen und ich sitze in der Stadt, mit der Gitarre in der Hand. Blaue Finger, kalter Po, treff die Töne gerade so, als wär der Sommer erst gegangen. Und du willst mir nicht glauben, dass es mir sogar gefällt. Doch sieh mir in die Augen, nein mir geht es nicht ums Geld. Und ich frag mich ob ich dich bald wieder seh, wenn der Winter wieder geht. Und ich sing als wär ich am Mittelmeer, in einer spanischen Kneipe . . .“ Was für ein schöner Gitarrenklang, was für eine starke Stimme. Mitten in der Stadt, vor einem Modegeschäft.

Der 20-jährige Victor Marnitz musiziert seit neun Monaten in den Innenstädten Deutschlands.

Es dauert nur ein paar Sekunden, bis die ersten Passanten stehen bleiben. Zwei ältere Frauen lauschen. Eine Mutter mit Kind hält inne. Eine der Älteren zückt das Handy und nimmt auf, ein Mann ruft beim Vorbeiradeln „tolle Stimme“. Victor lächelt, nickt, singt weiter. Und ist in seinem Element. „Das ist das Tolle an Straßenmusik. Man kommt ins Gespräch mit den Menschen. Die Musik ist realitätsnah. Es klingt abgedroschen, aber es ist so – die Musik öffnet die Türen“, erzählt Victor im Warmen bei einem Kakao.

Victor Marnitz ist 20 Jahre jung und kommt aus Wismar. Als Straßenmusiker ist er seit neun Monaten unterwegs. Mal in Schwerin, mal in Rostock, Lübeck, Kiel, Berlin oder München. Regelmäßig in Wismar.

„In München geht das nicht so einfach, da muss man vorher vorspielen, um eine Erlaubnis zu bekommen“, lacht der junge Musiker. Und erzählt von den vielen starken Erlebnissen bei seiner Musik auf der Straße. Vom Obdachlosen in Rostock, der ihm ein paar Cent in den Gitarrenkoffer geworfen hat. Dazu ein herzliches „Mach weiter so!“ Von Ladenbesitzern, die ihm den Kaffee vorbeibringen und sich für die Musik vor ihrer Tür bedanken. Von der älteren Dame, die ihm eine Tüte Süßigkeiten in die Hand gedrückt hat. Von Wildfremden, die mit leuchtenden Augen stehen blieben, nicht nur für einen Song.

Von den Passanten, die ihn und seine Musik in Schutz nahmen, als ein Mann pöbelte – er solle doch lieber was „Anständiges“ machen anstatt Straßenmusik.

Victor Marnitz schüttelt den Kopf. „Ich kann mir derzeit nichts anderes vorstellen als die Musik. Es ist perfekt. Wenn man 20 ist, muss man das machen, was einem Spaß macht. Das ist ein gutes Gefühl!“Anfragen für Auftritte kommen regelmäßig. Zweimal hat er beim Schwedenfest in Wismar auf der großen NDR-Bühne gespielt. Unter seinem Künstlernamen ÖXL kann man auch im Internet auf Facebook oder Youtube in seine Musik reinhören. Aber das Direkte bei der Straßenmusik sei reizvoller. Mal sitzt er nur mit der Akustikklampfe, mal mit Verstärker, Mikrofon und seinem „Loop“, mit dem er Tonspuren live aufnehmen kann und sich sozusagen selbst begleitet. Er singt eigene Lieder und bekannte Songs in eigener Version.

„Ich suche mir eine Stadt, wo das Wetter gut ist“, sagt der Musiker lachend. Der Sommer war gut, der Winter ist es überraschenderweise auch, wenn auch anstrengender: „In Schwerin bei minus drei Grad zwei Stunden in der Kälte sitzen, das geht schon an die Substanz.“ Mit dem „Zwiebelprinzip“ – mehrere Pullis übereinander, dicke Unterhose, fingerlose Handschuhe und Fellmütze – geht das.

Victor Marnitz macht sein Ding: Nach einer überstandenen Krebserkrankung war er ein halbes Jahr in der Karibik und im Mittelmeer segeln. Seine Erkenntnis nach dieser Zeit: „Die Welt ist ziemlich bunt. Und es gibt nicht nur das 08-15-Leben. Aber das heißt nicht, dass ich den Rest meines Lebens Straßenmusik mache.“ Denen, die meinen, er müsse sich einen Studienplatz suchen und sein Leben konventioneller gestalten, antwortet er: „Ich hab schon Dinge erlebt, die weit Ältere noch nicht erlebt haben. Ich liege niemandem auf der Tasche, ich verdiene damit mein Geld. Aber das Geld steht nicht im Vordergrund. Die Musik, die Erlebnisse. Die zählen!“ Und beides, Musik und Erlebnisse, sind echt gut.

Nicole Hollatz

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