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Wismar Kaffeebecher in Wismar ein Fall für den Klimaausschuss
Mecklenburg Wismar Kaffeebecher in Wismar ein Fall für den Klimaausschuss
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13:00 29.10.2019
Das Recup-Mehrwegbechersystem wurde vor Touristikern der Insel Usedom vorgestellt. Diese Idee könnte auch Wismar aufgreifen. Quelle: Hannes Ewert
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Wismar

Nach dem Willen der Grünen soll der Bürgermeister prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, ein Mehrwegbecher-Pfandsystem in Wismar einzuführen und seitens der Stadt zu unterstützen. Nach Ansicht von Claudia Tamm (Grüne) ist Wismar mit einem Pfandsystem bei öffentlichen Events schon auf einem guten Weg. Mit dem Antrag wolle ihre Fraktion die „Aufmerksamkeit auf den Alltag richten“.

Pro Jahr würden in Deutschland 2,8 Milliarden Einwegbecher für Coffee-to-go verwendet und nach einmaligem Gebrauch weggeworfen, argumentieren die Grünen. Dies entspreche 320 000 Bechern in nur einer Stunde.

So wird an Kunden appelliert, auf Mehrwegbecher zu setzen. Quelle: Hendrik Heiermann

Einheitliches Pfandsystem

„Die Becher sind aufgrund ihres Verbundwerkstoffes vom Recycling her problematisch. Deshalb ist Vermeidung grundsätzlich ein wichtiges Ziel. Mehrwegbecher in einem Pfandnetzsystem produzieren bedeutend weniger Müll und schonen damit die Umwelt sowie die finanziellen Ressourcen der Stadt“, so Fraktionschef René Fuhrwerk. Ein einheitliches Pfandsystem sei dabei die beste Alternative, da benutzte Becher in Filialen deutschlandweit abgegeben werden könnten.

Anbieter und Nutzer gefragt

Doch gehört so ein System zu einer Aufgabe einer Stadtverwaltung? Die SPD meint nein. Das Problem sei zwar real, es könne aber nicht Aufgabe des Bürgermeisters sein, Abhilfe zu schaffen, so Joachim Winkler. Dies liege in der Hand von Nutzern und Anbietern. Die Bürgerschaft könne appellieren. Daher stellte die SPD diesen Antrag: „Die Bürgerschaft ruft die Inhaber von potenziellen Ausgabestellen (Cafés, Restaurants, Imbisse, Tankstellen, Kioske, Eisläden) dazu auf, die Einführung von Mehrwegsystemen und die Nutzung von Mehrwegbechern zu unterstützen. Die Präsidentin der Bürgerschaft wird diesen Aufruf in geeigneter Form veröffentlichen.“

Horst Krumpen (Die Linke) hält das für einen „frommen Appell“. Seine Unterstützung finde er nicht. Dem Prüfauftrag zuzustimmen, bedeute nicht, den Bürgermeister am Ende mit der Einführung eines solchen Systems zu beauftragen. Doch auch er wolle wissen, welche Möglichkeiten die Stadt hat und wenn ja, welche.

Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) sagte, dass er vor zwei Jahren die Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft gebeten habe, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es sei letztlich kein Bedarf gesehen worden, aktiv zu werden.

Zwiespältig sieht die CDU den Antrag. Tom Brüggert: „Das kann man gerne prüfen, ich weiß aber nicht, ob der Bürgermeister der Richtige ist.“ Geradezu prädestiniert sei dafür der neue Ausschuss für nachhaltige Entwicklung, Umwelt und Klimaschutz. Dorthin wurden die Kaffeebecher letztlich verschoben. Ideen werden jetzt dort weiterdiskutiert.

Pfandbechersystem Recup

Die Grünen verweisen auf das Pfandbechersystem Recup. Das Mehrwegkaffeebechersystem basiere auf einem Tausch von Bechern zwischen dem Becher des Kunden und einem Becher aus einem Geschäft, das biologisch abbaubare Becher mit einem wiederverwendbaren Deckel anbietet. Damit würden insbesondere alle hygienischen und ökologischen Aspekte, die mit den herkömmlichen wiederverwendbaren Bechern nicht erfüllt werden, abgedeckt.

Beim Bechersystem Recup gebe es derzeit 3000 Ausgabestellen in Deutschland. Rostock, Greifswald und Stralsund nehmen teil, in Wismar sind sieben Ausgabestellen registriert.

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