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Wismar Kein Chemieunterricht an Regionaler Schule
Mecklenburg Wismar Kein Chemieunterricht an Regionaler Schule
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13:43 23.01.2018
An der Schule in Proseken ist durch Erkrankung einer Lehrerin der Chemieunterricht ausgefallen. Die Schule sucht nach einer Lösung. Quelle: Sylvia Kartheuser
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Proseken

In der Regionalen Schule in Proseken ist eine Chemielehrerin längerfristig ausgefallen. Mit dramatischen Folgen für die Klassenstufen 8 und 9. „Seit Beginn des Schuljahres hatte mein Sohn, der in der 8. Klasse ist, keine einzige Stunde Chemie“, beklagt ein Vater (Name der Redaktion bekannt). Auf seine Nachfrage bei der Schulleitung habe er keine befriedigende Antwort erhalten. Auch nicht, ob es eine Vertretung für die erkrankte Lehrerin geben wird.

„Ich möchte, dass mein Sohn, der als Epileptiker ohnehin berufliche Einschränkungen haben wird, die bestmögliche Schulbildung erhält, damit er sich nach der 10. Klasse nach allen Seiten hin orientieren kann“, erklärt der Vater. Und Chemie sei nun mal ein Fach, in dem sein jüngster Sohn Unterstützung brauche. Daher sei der Ausfall besonders ärgerlich.

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Rahmenplan wird erfüllt

Die OSTSEE-ZEITUNG hat beim Bildungsministerium nachgefragt. „Grundsätzlich kann ich Ihnen mitteilen, dass wir Verständnis für den Unmut des Vaters haben, wenn Unterricht ausfällt“, antwortet Pressesprecher Henning Lipski. Allerdings würde die Schulleiterin bestreiten, dass der Vater mit ihr oder einer Kollegin gesprochen hat. „Sie erwähnt darüber hinaus, dass der Rahmenplan Chemie erfüllt wird, da in den vergangenen Jahren die Anforderungen der Kontingentstundentafel über das Maß hinaus beachtet wurden“, teilt der Pressesprecher des Bildungsministeriums mit. Das heißt: In den vergangenen Schuljahren muss es in Proseken mehr naturwissenschaftlichen Unterricht gegeben haben, als laut der Kontingenttafel des Bildungsministeriums notwendig gewesen wäre. Sie sieht in Regionalschulen für die Klassenstufen 7 bis 10 wöchentlich 13 Stunden in Naturwissenschaften vor, aufgeteilt in Physik, Chemie, Biologie und Astronomie.

Schule plant Umstellung des Stundenplans

Nach Auskunft des Bildungsministeriums habe die Leitung der Regionalen Schule in Proseken bei einer Gesamtelternversammlung die Elternratsvorsitzenden über die Erkrankung der Lehrerin und daraus folgende Maßnahmen informiert. Danach sei zum zweiten Schulhalbjahr eine Umstellung des Stundenplans geplant. „Falls die Chemielehrerin wider Erwarten auch nach ihrer derzeitigen Kur arbeitsunfähig ist, werden die zwei Stunden Chemie in den beiden 10. Klassen auf eine reduziert, so dass auch die 8. und 9. Klassen Chemieunterricht haben werden“, teilt die Pressestelle des Bildungsministeriums mit.Nach den allgemeinen Grundsätzen zum Umgang mit den Kontingentstundentafeln, die festlegen, wie viel Unterricht in welchem Fach pro Woche gegeben werden muss, könnten in Proseken zum Beispiel auch die beiden 10. Klassen gemeinsam unterrichtet werden. Ein Unterricht, der Jahrgangsstufen überschreitet, wäre danach ebenfalls möglich. Also beispielsweise gemeinsamer Unterricht für 8. und 9. Klassen.

Ministerium prüft Unterrichtsausfall regelmäßig

Das Bildungsministerium in Schwerin prüft regelmäßig zum Ende eines Schulhalbjahres und eines Schuljahres, wie viele Unterrichtsstunden an den öffentlichen Schulen im Land ausgefallen sind. Geschaut wird in den vier Schulämtern Schwerin, Rostock, Greifswald und Neubrandenburg. Allerdings gibt es keine Zusammenfassungen nach Landkreisen, also auch keine Zahlen für Nordwestmecklenburg. Zudem teilt Katrin Schwarz von der Pressestelle des Ministeriums mit: „Eine Benennung von besonders durch Stundenausfall betroffenen Schulen erfolgt durch das Bildungsministerium nicht, da dies den Eindruck eines Schul-Rankings erwecken würde.“

Aktuellste Zahlen sind von 2016/17

Die aktuellsten Zahlen, die das Bildungsministerium herausgibt, sind die für das erste Schulhalbjahr 2016/2017. Danach fielen im Schulamt Schwerin, zuständig für die Landkreise Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim sowie die Landeshauptstadt Schwerin, an Grundschulen 0,6 Prozent des Unterrichts (1931,5 Unterrichtsstunden) aus. An Regionalen Schulen waren es 1148 Stunden (3,2 Prozent) und an Gymnasien 4273 Stunden (2,4 Prozent). Im gleichen Zeitraum wurden an Grundschulen 29925 Stunden durch Vertretungskräfte abgesichert, an Regionalen Schulen 44542 Stunden und an Gymnasien 21226 Stunden. Das Bildungsministerium hat verschiedene Möglichkeiten, auf Unterrichtsausfall zu reagieren. Es kann bei in Teilzeit beschäftigten Lehrkräften für eine gewisse Zeit die Stundenanzahl erhöhen. Denkbar ist auch, dass Lehrerinnen und Lehrer für einige Zeit Überstunden machen oder Referendare zusätzlichen Unterricht gestalten. Das Zusammenlegen von Kursen oder Klassen wäre eine weitere Möglichkeit sowie die Einstellung von Vertretungslehrern. Sie ist in den vergangenen Jahren jedoch kontinuierlich zurück gegangen.

Sylvia Kartheuser

23.01.2018
23.01.2018