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Wismar Kino als sozialer Treffpunkt in Wismar?
Mecklenburg Wismar Kino als sozialer Treffpunkt in Wismar?
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12:37 26.12.2018
Film gucken auf der großen Leinwand und noch gemütlicher als zu Hause - die Kinderfilmnacht in Wismar findet einmal im Jahr statt. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

Das Kino als Freizeit- und Erlebnisort. Gilt das auch für Wismar? Gehen die Nordwestmecklenburger nach wie vor gerne ins Kino oder nutzen sie lieber Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon und Co.?

Wismar ist keine Kino-Stadt“, stellt Sabine Matthiesen vom Filmbüro MV fest. Als es noch regelmäßig Kinofilme gezeigt hat, kamen 30 bis 40 Zuschauer. Zu wenige, um das Angebot aufrechtzuerhalten. Die Geschäftsführerin sieht auch den Standort in der Bürgermeister-Haupt-Straße problematisch: „In der Innenstadt wäre er besser. Er muss für die Menschen einfacher zu erreichen sein.“

Kinoabende im Filmbüro gibt es aber weiterhin. „Wir gestalten sie jetzt mit Partnern wie der Deutsch-Französischen und der Deutsch-Italienischen Gesellschaft oder dem Hospizverein. Leute, die sich für einen guten Film interessieren, kommen sogar aus Schwerin“, berichtet Sabine Matthiesen. Für sie ist Kino ein Erlebnisort, „das Erlebnis, mit anderen zusammenzusitzen und auf der großen Leinwand einen guten Film zu schauen, in den Raum und ganz in die Geschichte einzutauchen“.

Andreas Prüter, Filmtheaterleiter im CineStar Wismar, räumt ebenfalls einen Besucherschwund ein. Bundesweit sei die Zahl der Zuschauer in den vergangenen sechs Jahren um etwa zehn Millionen gesunken. Die Umsätze der Branche aber seien relativ konstant. Das sei auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. So gibt es für Sonderveranstaltungen andere Ticketpreise, fürs 3D-Kino werden Zuschläge erhoben und komfortablere Sitze kosten auch extra. „Wir gehen davon aus“, sagt Prüter, „dass die Ansprüche der Besucher an den Freizeitort Kino gestiegen sind und sie durchaus bereit sind, dafür entsprechende Preise zu bezahlen.“ Wie viele Zuschauer ins Wismarer Kino kommen, dazu hält er sich bedeckt. „Die CineStar-Gruppe kommuniziert aus Wettbewerbsgründen grundsätzlich keine Besucherzahlen.“

Das zu Ende gehende Jahr war aus Sicht der Kinobetreiber unbefriedigend. „Kino ist ein volatiles Geschäft“, erklärt Prüter. Soll heißen, die Besucherzahlen schwanken. Sie werden vom Wetter und auch von Großereignissen beeinflusst. „Der fünfmonatige Traumsommer in Verbindung mit der Fußball-Weltmeisterschaft waren die wesentlichen Faktoren für das bisher unbefriedigende Kinojahr“, bilanziert der Wismarer CineStar-Leiter und betont: „Dies sind keine Überraschungen.“ Sabine Matthiesen hingegen sieht als „Riesenproblem für die Branche, junge Leute ins Kino zu bekommen“.

Ob sich die Angebote von Online-Diensten, Filme herunterzuladen oder per Streaming direkt anzusehen, auf das Verhalten von Kinogängern auswirken, vermag Andreas Prüter nicht zu sagen. „Aktuell liegen uns noch keine konkreten Zahlen vor. Aber man muss wohl davon ausgehen.“ Für Gesine Ploen sind diese Dienste durchaus eine Alternative, wenn das Kino-Angebot nicht nach ihrem Geschmack ist. „Ich wähle sehr genau aus, welche Filme ich mir anschaue“, sagt die 28-jährige Wismarerin. Ihre Freunde hätten Netflix, wenn man sich trifft, dann würde dieser Streaming-Dienst schon genutzt. Dies sei auch bei Studenten gang und gäbe, weiß Filmbüro-Chefin Matthiesen.

Es gäbe aber durchaus Signale für einen Gegentrend, meint Andreas Prüter. „Das gemeinschaftliche Freizeiterlebnis gewinnt wieder stärker an Bedeutung, hören wir von unseren Gästen. Für viele ist Kino eben nicht nur eine Filmabspielstätte, sondern ein sozialer Treffpunkt in Zeiten, in denen sehr viel allein vor dem Bildschirm gesessen wird. Kino ist ein Familienfreizeitort oder auch ein Ort für Verliebte.“

Dennoch sieht Andreas Prüter strukturellen Verbesserungsbedarf: „Kino muss und wird noch digitaler werden und sich technologisch breiter aufstellen.“ Sabine Matthiesen plädiert für eine finanzielle Förderung durch den Bund. Er sollte die kleinen Kinos auf dem Lande und das Programmkino in der Stadt unterstützen, damit sich der Film in der Fläche verbreitet. Deshalb bietet das Filmbüro MV Veranstaltungen außerhalb Wismars an, etwa im Grenzhus Schlagsdorf, im Klanghaus Ilow oder im GuteHausKino Garvensdorf. „Film ist etwas Besonderes“, betont Sabine Matthiesen. Nach dem erfolgreichen Test des Open-Air-Kinos im Museumshof des Schabbell plant das Filmbüro MV im kommenden Jahr eine Reihe mit sechs solcher Veranstaltungen im August.

Der Wismarer CineStar ist überwiegend ein „Familienkino“, sagt sein Leiter. „Familienfilme laufen bei uns immer besonders gut.“ Auch die CineLady-Veranstaltungen seien laut Prüter „immer sehr gut besucht“. Ein Stammpublikum gibt es beim CineExtra-Angebot, aber: „Unsere besucherstärksten Veranstaltungen sind dies nicht. Die Resonanz variiert in Abhängigkeit von den Filmen.“ Das treffe auch für die Reihe „MET im Kino“ zu, die die Gäste ebenfalls begeistere.

Haike Werfel

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