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Wismar Kita-Träger warten auf Geld vom Land
Mecklenburg Wismar Kita-Träger warten auf Geld vom Land
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14:32 31.01.2019
Geschwisterpaare im Evangelischen Kinderhaus der Koch'schen Stiftung in Wismar (von vorn nach hinten): Theodor (4) und Jonathan (1), Josephine (5) und Konstantin (2), Jim (1) und Ada (4) sowie Beeke (4) und Kilian (2). Quelle: Haike Werfel
Wismar

Seit dem 1. Januar können Eltern deutlich mehr Geld in der Haushaltskasse haben. Pro Monat sparen sie bei den Betreuungskosten laut Sozialministerium im Schnitt 170 Euro für einen Ganztagsplatz in der Krippe oder 65 bis 95 Euro für einen Kindergartenplatz. Denn Geschwisterkinder sind in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahresbeginn beitragsfrei. So hat es der Landtag Mitte Dezember beschlossen. Doch den Verwaltungsaufwand für die Umsetzung der neuen Regelung völlig unterschätzt.

Denn die Eltern brauchen die Entlastung nicht extra zu beantragen, sondern die Jugendämter in den Landkreisen müssen den Anspruch der Eltern prüfen. In Nordwestmecklenburg ist der Fachdienst Jugend wie vielerorts im Land damit noch nicht fertig. Seit Oktober – also im Vorgriff auf die Gesetzgebung – ist er dabei zu ermitteln, welche Geschwisterkinder im Landkreis leben und in einer hiesigen Einrichtung oder von Tagesmüttern betreut werden. „Das war aus den bisherigen Bestandsdaten nicht ersichtlich“, sagt Pressesprecherin Petra Rappen. Zurzeit werden 10765 Kinder in Nordwestmecklenburg in Krippen, Kindergärten, Horten und in der Tagespflege betreut.

Die Kita-Träger und Tagesmütter wurden um Mithilfe gebeten. Sie sollten vorbereitete Erfassungsbögen an die Eltern weiterleiten und ausgefüllt zurück an den Landkreis schicken. Diese Bögen stehen weiterhin auf seiner Internetseite und können ausgefüllt an jugend@nordwestmecklenburg.de oder per Post an den Landkreis, Fachdienst Jugend gesendet werden.

Eltern erhalten Beiträge rückwirkend

Da viele Kita-Träger nicht in Vorleistung gehen können, haben sie wie bisher die Elternbeiträge für Januar eingezogen. So zum Beispiel der Verein Kinderwelt in Wismar. Er betreut insgesamt 230 Kinder in den Kitas „Plappersnut“ und „Wellenreiter“. „Nicht alle Eltern haben uns den Bogen ausgefüllt zurückgebracht, zum Teil aus Datenschutzgründen“, berichtet Geschäftsführerin Ute Schmidt. „Einige Eltern haben den Erfassungsbogen selbst ins Jugendamt gebracht. Wir müssen jetzt schauen, dass alle Eltern bekommen, was ihnen zusteht.“ Ute Schmidt spricht von „Startschwierigkeiten“ der neuen Regelung. „Wir werden die Kosten für die Geschwisterkinder an die Eltern zurückerstatten, sobald das Geld vom Land auf unserem Konto ist.“

So geht auch die Perspektive gGmbH als größter Kita-Träger in Wismar vor. 1231 Mädchen und Jungen werden in sechs Einrichtungen betreut. „Die meisten Eltern haben die Erhebungsbögen ausgefüllt und abgegeben, die Kita-Leiter waren da sehr hinterher“, weiß Corina Schmedemann, Fachbereichsleiterin für Kitas. Wer es bisher versäumt hat, erhält das Geld fürs Geschwisterkind zurückerstattet. Beschwerden seitens der Eltern seien ihr bislang nicht bekannt. Auch ein verändertes Anmeldeverhalten für den Hort nicht, sagt Geschäftsführerin Uta Seiffert-Schuldt. Eltern melden ihr Grundschulkind nicht extra im Hort an, um die Gebühr für den teureren Kita-Platz des Geschwisterkindes sparen zu können.

DRK-Kreisverband geht in Vorkasse

Das Evangelische Kinderhaus in der Koch’schen Stiftung in Wismar hat den Elternbeitrag für die 20 Geschwisterkinder in diesem Monat nicht berechnet. „In der Hoffnung, dass das Geld vom Land schnell kommt“, erklärt Leiterin Romy Warnecke. „Der Verwaltungsaufwand der Rückerstattung ist mir zu hoch.“ Die Eltern der insgesamt 103 Mädchen und Jungen im Kinderhaus hätten ziemlich zügig den Erfassungsbogen ausgefüllt.

Ebenfalls in Vorkasse geht das Deutsche Rote Kreuz Nordwestmecklenburg, das zwölf Kitas und Horte im Landkreis betreibt. „Wir erheben mit Jahresbeginn für die Geschwisterkinder keine Gebühren“, sagt DRK-Chef Ekkehard Giewald. „Wir wissen natürlich, dass es Probleme bei der Erfassung gibt. Aber wir haben uns entschieden, die Eltern nicht zu belasten. Ich gehe davon aus, dass der Landkreis das Problem so schnell wie möglich löst.“

Erste Auszahlung durch Landkreis erfolgt

In der Kreisverwaltung arbeitet man derweil auf Hochtouren. „Die erste Auszahlung der Elternbeiträge für Geschwisterkinder an die Einrichtungen und Tagespflegepersonen erfolgte zum 14. Januar. Bis dato waren rund 1400 Geschwisterkinder erfasst“, informiert Petra Rappen. Jeden Tag würden neue Meldungen hinzukommen, die der Fachdienst Jugend einarbeiten muss. Niemand müsse sich Sorgen machen, dass die Kosten nicht übernommen würden. „Unabhängig von der Bearbeitungsdauer erhalten die Einrichtungsträger und Tagespflegepersonen die Entlastung in jedem Fall ab dem Monat, in dem die Eltern anspruchsberechtigt sind.“

Die jetzige Regelung gilt laut Sozialministerium für knapp 21000 Kinder in MV. Finanziert wird sie mit rund 30 Millionen Euro aus Landesmitteln. Von 2020 an sollen dann die Kita-Beiträge für Eltern komplett wegfallen.

Unterdessen gibt es vonseiten der Eltern auch Äußerungen, dass sie sich statt der Beitragsbefreiung eine bessere Qualität in der Kita-Betreuung und mehr Erzieherpersonal wünschen würden. Mecklenburg-Vorpommern hat bundesweit den schlechtesten Personalschlüssel.

Kita-Hotline zur Elternentlastung

Die Elterngebühren differieren je nach Kita-Träger. Egal ob höher oder niedriger – ab dem zweiten Kind in Krippe, Kita, Hort oder Tagespflege bezahlen Eltern künftig keine Gebühr mehr. Das gilt auch für Adoptiv- und Pflegeeltern.

Auch sogenannte Halbgeschwister werden als Geschwisterkinder anerkannt. Laut Sozialministerium ist es ausreichend, wenn die Geschwister mindestens einen Elternteil gemeinsam haben und in einem Haushalt leben.

Antworten auf einige Fragen in Bezug auf die gesetzlichen Neuerungen finden Eltern auf dem Regierungsportal MV – Elternentlastung im Internet.

Eine Kita-Hotline unter 0385 - 588 9999 ist außerdem eingerichtet.

Haike Werfel und Michael Prochnow

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