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Wismar Busverkehr in Wismar soll besser werden
Mecklenburg Wismar Busverkehr in Wismar soll besser werden
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16:33 22.03.2019
Eine neue Potenzialanalyse zeigt auf, wie der Busverkehr in Wismar - im Bild die Haltestelle am Lindengarten - und Umgebung verbessert werden kann. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

Viele Wismarer und auch Anwohner der Umlandgemeinden sind mit dem Busverkehr unzufrieden. Daher hat der Landkreis als Träger des ÖPNV eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben. Die Kosten werden mit der Hansestadt geteilt. Denn Wismar hat ein großes Interesse an einem besseren Angebot.

Sind guter Dinge, dass sich das Angebot im Busverkehr für Wismarer und Anwohner aus Umlandgemeinden verbessert. Quelle: Heiko Hoffmann

In den nächsten Wochen wird das Konzept in Ausschüssen des Landkreises und mit der Bevölkerung diskutiert. Am Ende wird abgewogen, welche Angebote tatsächlich umgesetzt werden. Das Konzept sieht für Wismar werktags 138000 zusätzliche Kilometer vor. Das entspricht Mehrkosten von 520000 Euro. Auch an den Wochenenden sind mehr Kilometer vorgesehen.

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Potenzial für zusätzliche Kilometer wird auch in Richtung Zierow, Krusenhagen, Dorf Mecklenburg, Hornstorf und Lübow gesehen. Wie in Wismar wird letztlich das Thema Geld bei der Umsetzung eine Rolle spielen. In der Hansestadt muss beispielsweise die Stadt sagen, ob sie bereit ist, sich an zusätzlichen Angeboten zu beteiligen. Gespräche werden auch mit Unternehmen, zum Beispiel vom Haffeld, geführt.

Vier Hauptlinien

Das Konzept sieht für Wismar vier durchgehende Hauptlinien vor. Linie 1 führt von Wendorf über den Markt zum ZOB. Alle 15 Minuten soll der Bus fahren. Die Fahrzeit beträgt etwa 30 Minuten, jetzt sind es rund 60 Minuten.

Linie 2 (Dammhusen – Friedenshof –Schiffbauerpromenade –Markt – ZOB) fährt alle 15 bzw. 30 Minuten.

Linie 3 (Burgwall – ZOB –KagenmarktKritzow) soll bis zum Kagenmarkt alle 30 Minuten fahren, danach voraussichtlich alle 60 Minuten.

Bei Linie 4 (Gägelow –Neptunring – Gartenstadt –ZOB – Kagenmarkt – Fischkaten) ist ein Takt von 30 bzw. 60 Minuten vorgesehen.

Besonderheiten

So geht es mit dem Konzept weiter

10. April, 17 Uhr: Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus des Kreistages in der Malzfabrik Grevesmühlen

16. April, 19 Uhr: Informationsveranstaltung im Rathaus Wismar

17. April: Informationsveranstaltung in Wismar-Wendorf (Ort und Uhrzeit noch offen)

Mai und Juni: Öffentlichkeitsbeteiligung mittels Online-Umfrage

Juni: Gespräche mit Umlandgemeinden und Gewerbetreibenden

31. Juli: Abwägung zur Öffentlichkeitsbeteiligung

Umsetzung des Konzeptes:

1. Schritt: zusätzliche Wochenendverkehre, Einführung der Gewerbelinie, Nachtfahrten

2. Schritt: Erstellen der Fahrpläne und des Taktnetzes für das Gesamtkonzept

Bis spätestens Ende 2020 soll das Gesamtkonzept umgesetzt sein.

Die Linien 1 und 2 haben nach der Analyse die meisten Fahrgäste. An acht Haltestellen steigen 50 Prozent aller Fahrgäste ein: Am Markt, Erwin-Fischer-Straße, Platz des Friedens, ZOB, Lieselotte-Herrmann-Straße, Lindengarten, Sporthalle, Burgwall.

Am Kagenmarkt ist künftig vorgesehen, dass der Bus der Linie 3 in das Wohngebiet hineinfährt. Auch der Bus der Linie 2 fährt in das Wohngebiet Gartenstadt hinein.

Zeitlich abgestimmte und kurze Umsteigemöglichkeiten soll es am Platz des Friedens zwischen den Linien 1 und 4 sowie in der Philipp-Müller-Straße/Krankenhaus zwischen den Linien 2 und 4 geben.

Industrielinie

Neu im Angebot ist die Linie 5, auch Industrielinie genannt. Sie soll alle 60 Minuten zwischen dem künftigen Pendlerparkplatz am Woltersdorfer Weg/Musikerviertel, Werft und Haffeld verkehren. Da der Pendlerparkplatz noch einige Jahre auf sich warten lassen dürfte, ist alternativ das künftige Gewerbegebiet Kritzow/Hornstorf als Pendlerparkplatz im Gespräch. Vorgesehen sind drei Hauptverkehrszeiten: von 6 bis 9 Uhr, 15 bis 18 Uhr, 21 bis 23 Uhr. Gespräche zur Finanzierung sollen mit Unternehmen geführt werden. Am Haffeld mit weit mehr als 1000 Beschäftigten gibt es aktuell keine Haltestelle.

Nachtverkehr

Drei Nachtlinien mit unterschiedlichen Verläufen sind vorgesehen. Sie sollen mindestens freitags und sonnabends von 22 bis 24 Uhr fahren. Das Angebot könnte bei Bedarf ausgebaut werden.

Wochenende

So sehen die Pläne aus –Linie 1 ab Ostseeblick alle 60 Minuten, ab Seebad Wendorf samstags alle 20 Minuten, sonntags alle 30 Minuten; Linie 2 samstags alle 20 Minuten, sonntags alle 30 Minuten; Linie 3 und 4 samstags alle 60 Minuten, sonntags alle 120 Minuten.

Mehr Komfort

Das Liniennetz soll einfacher zu begreifen sein. Gearbeitet wird an einer App und an elektronischen Anzeigen für Bushaltestellen, wo die Zeit angezeigt wird, wann der nächste Bus kommt. Das wird aber noch etwa zwei Jahre dauern.

Was sagt die Politik?

„Wir haben verstanden“, so Landrätin Kerstin Weiss (SPD). Sie wisse um die Defizite. Weiter sagt sie: „Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie. Der nächste Aufschlag muss sitzen.“ Darum werde das Konzept jetzt ausführlich beraten und diskutiert. Allerdings schränkt sie ein, dass nicht alle einzelnen Bedürfnisse befriedigt werden können. Die Landrätin ist zuversichtlich, dass in der Summe viel erreicht werden könne. Aber: „Über die Finanzierung müssen wir noch sprechen.“ Eine Erhöhung der Bustarife ist nicht geplant.

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) sieht viele gute Ansätze. „Für uns ist ganz wichtig, dass der ÖPNV mehr genutzt wird.“ Zu viele Autos würden eine Katastrophe für Wismar bedeuten. Michael Berkhahn (CDU), Vizebürgermeister von Wismar und Aufsichtsratsvorsitzender des kreiseigenen Busunternehmens Nahbus GmbH, hofft auf steigende Einnahmen durch einen attraktiveren ÖPNV.

Tino Waldraff, Sachgebietsleiter ÖPNV beim landkreis, und Nahbus-Geschäftsführer Jörg Lettau werden in den nächsten Wochen das Konzept auf verschiedenen Veranstaltungen vorstellen.

Heiko Hoffmann

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