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Wismar Kreis Nordwestmecklenburg: Die Größte Konkurrenz ist die freie Wirtschaft
Mecklenburg Wismar Kreis Nordwestmecklenburg: Die Größte Konkurrenz ist die freie Wirtschaft
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15:01 30.07.2019
Sind glücklich über ihre Ausbildung in der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg: Laura Gruber (l.) und Vivien Thiem. Azubis finde die Verwaltung noch genügend. Doch ältere Fachkräfte nachzubesetzen sei schwierig. Quelle: Michaela Krohn
Wismar/Grevesmühlen

Bis zum Jahr 2030 werden rund 250 Mitarbeiter die Verwaltung des Landkreises Nordwestmecklenburg verlassen. Einen Teil der vor allem altersbedingten Fluktuation will die Kreisverwaltung mit gut ausgebildeten jungen Leuten aus dem eigenen Haus auffangen. Elf Azubis befinden sich derzeit in der Lehre beim Kreis, acht neue werden hinzukommen. Noch kämen laut Verwaltung auf eine freie Lehrstelle etwa 30 Bewerbungen. Fachkräfte, vor allem im höheren Dienst, nachzubesetzen, stellt sich in der Kreisverwaltung allerdings als weit schwieriger heraus.

Verwaltung verspricht gute Ausbildung und eine Übernahme

„Jungen Leuten möchten wir die Möglichkeit geben, eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Ausbildung zu absolvieren, um im Anschluss daran, die in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in unserer Verwaltung einzubringen“, erklärt die Fachdienstleiterin für Personal Annerose Viehstaedt. Heißt: Jeder Azubi wird nach seiner Ausbildung übernommen.

Ausbildungsleiterin Susanne Splitter erklärt zudem, dass in den vergangenen Jahren nur eine einzige Auszubildende ihre Lehre beim Kreis abgebrochen habe – ganz im Gegenteil zu der gerade bekannt gewordenen Abbrecherquote, nach der in ganz Mecklenburg-Vorpommern etwa jeder Vierte seine Ausbildung abbreche, vor allem aber in der Gastronomie.

Kreis sucht dringend einen neue Amtsärztin

Dennoch: In einigen Bereichen habe die Verwaltung schon jetzt große Probleme, Stellen im eigenen Haus nach zu besetzen. Acht Wochen lang war eine Stelle für eine Amtsärztin ausgeschrieben. „Wir haben keine einzige Bewerbung bekommen“, bedauert Annerose Viehstaedt. Nun habe der Kreis die Anforderungen etwas gelockert. Doch wer Amtsarzt sein will, braucht eine spezielle Zusatzausbildung. Auch dabei wolle der Kreis nun helfen.

Kümmern sich um die Mitarbeiter beim Landkreis Nordwestmecklenburg: Ausbildungsleiterin Susanne Splitter (l.) und Personalchefin Annerose Viehstaedt. Die Ausbildungszahlen in den Verwaltungsberufen wurden in diesem Jahr leicht erhöht. Mitarbeiter einzusparen, komme nicht infrage. Quelle: Michaela Krohn

Auch Sozialarbeiter würden händeringend gesucht. Zurzeit seien zwar alle Stellen im Jugendamt besetzt. „Wir schreiben allerdings ständig neu aus“, sagt Personalchefin Annerose Viehstaedt. In diesem Bereich würden viele junge Frauen arbeiten, die zum Beispiel ausfallen, weil sie in Elternzeit gehen. Abhilfe soll eine Reformierung der Ausbildung schaffen. Bisher wurden reine Sozialarbeiter eingestellt, die keine oder nur wenig Erfahrung mit einer Verwaltung hatten. Doch genau dies sei beim Landkreis auch nötig. Künftig sollen mit einem maßgeschneiderten dualem Studium ausgebildet werden.

Derzeitige Azubis zeigen sich von Ausbildung begeistert

Ein solches Studium absolviert Vivien Thiem schon jetzt. Die junge Frau ist Kreisverwaltungsinspektoranwärterin beim Landkreis Nordwestmecklenburg. In der Schulzeit hatte sie bereits zwei Praktika beim Landkreis gemacht. Derzeit ist Vivien Thiem im zweiten Ausbildungsjahr. „Mich interessiert vor allem der Bereich Soziales. Da ich aber noch zwei Bereiche in nächster Zeit kennen lernen werde, kann ich erst mit Abschluss meines Studiums die genaue Richtung sagen,“ erklärt die 20-Jährige. Die Kreisverwaltungsinspektoranwärter besuchen während ihrer Ausbildung die Fachhochschule in Güstrow und lernen die praktische Arbeit in der Verwaltung vor Ort.

Ausbildung in der Kreisverwaltung

Rund 750 Mitarbeiter, inklusive nachgeordneter Einrichtungen, sind für den Landkreis Nordwestmecklenburg tätig. Allein 180 Mitarbeiter arbeiten im Hauptsitz Wismar und etwa 300 in der Malzfabrik in Grevesmühlen.

Zurzeit werden elf Auszubildende in den Berufen Verwaltungsfachangestellte, Kreisverwaltungsinspektorenanwärter, Geomatiker und Fachangestellte für Medien und Informationsrecht ausgebildet.

Im ersten Ausbildungsjahr verdienen die Azubis laut Tarif 1018,26 Euro, im zweiten Jahr 1068,20 und im dritten Jahr 1114,02 Euro.

Laura Gruber ist im Juni mit ihrer Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten fertig geworden. Vor ihrer Ausbildung hat sie Architektur an der Hochschule Wismar studiert. Nachdem sie eine Familie gegründet hat, wollte sie gern in die öffentliche Verwaltung in ihre Heimat Nordwestmecklenburg. Die 27-Jährige wohnt in Boltenhagen und pendelt zu ihrer Arbeitsstelle nach Grevesmühlen. Dort ist sie an dem Projekt Breitband beteiligt. Ihr Aufgabengebiet ist vielfältig. Beispielsweise ist sie für Genehmigungen für Straßenöffnungen oder Veranstaltungen verantwortlich. „Es ist eine große Aufgabe, denn es wird überall im Kreis gebaut“, sagt Laura Gruber. Verwaltungsfachangestellte werden in ganz verschiedenen Bereichen in den im Landkreis eingesetzt.

Schon jetzt für Ausbildungsplätze ab 2020 bewerben

Neue Ausbildungsplätze für das Jahr 2020 wurden jetzt ausgeschrieben. Interessierte können sich schon jetzt bewerben. Ein Problem für die Kreisverwaltung bleibt allerdings: Die größte Konkurrenz ist die freie Wirtschaft. „Läuft es in der Baubranche gut, geht ein gut ausgebildeter Bauingenieur oft lieber in ein Unternehmen und verdient dort mehr. Wir sind an den Tarif gebunden“, kommentiert Annerose Viehstaedt.

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