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Wismar Landrätin nach Krebs zurück: Verkriechen ist nicht mein Ding
Mecklenburg Wismar Landrätin nach Krebs zurück: Verkriechen ist nicht mein Ding
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06:00 06.10.2017
Freut sich auf die Arbeit: Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (52) hat nach ihrer Krebstherapie viele neue Projekte, die sie umsetzen will. Quelle: Frank Söllner
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Wismar

„Sie haben Krebs“ - diese niederschmetternde Diagnose löst bei Kerstin Weiss am 12. Januar 2017 erst Schock und dann Ohnmacht aus. „Es war immer meine größte Angst, Krebs zu bekommen. Vor allem Brustkrebs, als sei es eine innerliche Ahnung gewesen“, sagt die Landrätin Nordwestmecklenburgs heute, neun Monate später, in ihrem Wismarer Landratsbüro.

Der Grund dafür: Am Freitag bekommt Kerstin Weiss ihre letzte Bestrahlung, dann ist ihre Intensivtherapie beendet. Mehrere schwierige Operationen, vier Monate Chemotherapie und 28 Bestrahlungen an der Uniklinik Lübeck liegen hinter der zweifachen Mutter. Nun möchte sie „langsam und mit Bedacht“ wieder in ihren Job einsteigen. „Nach der düsteren Zeit habe ich einfach Lust wieder aktiv zu sein“, sagt die 52-Jährige. Auch wenn sie weiß, dass das Risiko, erneut zu erkranken, zeitlebens wie ein Damoklesschwert über ihr schweben wird.

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In der Therapie hat sie Dutzende Leidensgenossinnen kennengelernt, deren Schicksale sie tief bewegt haben. „Mir ging es im Vergleich nicht so schlecht. Andere sind viel extremer betroffen“, wischt die Verwaltungschefin ihr eigenes Leiden sofort vom Tisch. Die Kontrolle über seinen Körper und sein Leben zu verlieren, das hat lange an Kerstin Weiss genagt – einer Frau, die sich mit Joggen und Radfahren fit hält. „Ich war nie krank, in all den Jahren komme ich auf wenige Einzeltage. Ich musste akzeptieren lernen, nicht unverwundbar zu sein. Krebs kann jeden treffen“, sagt sie.

Seit 1991 arbeitet die Lehrerin und Sozialpädagogin beim Landkreis, 2014 wurde sie als Nachfolgerin von Birgit Hesse (inzwischen Bildungsministerin) zur Landrätin gewählt. Sie liebt ihren Job, mischt sich mit Herzblut ein und gern unter die Leute. Kerstin Weiss habe ein offenes Wesen und sei eine starke Frau, sagen Menschen, die sie lange kennen.

Diese Stärke nutzte der 52-Jährigen in den vergangenen Wochen. Als der Dassowerin plötzlich die mittellangen blonden Haare ausfielen, sei das zwar ein bitterer Tag gewesen. „Aber das ist nicht das Schlimmste, an die Perücke gewöhnt man sich“, hebt sie hervor. Ganz bewusst hat die Politikerin sich dafür entschieden, künftig auf die Perücke zu verzichten und ihr Haar raspelkurz zu tragen. „Dass sie wieder wachsen, hat bei mir Lebensfreude ausgelöst“, sagt die Landrätin, die  von Anfang an offen mit dem Thema Krebs umgegangen ist. „Verkriechen ist einfach nicht mein Ding.“

Wie Kerstin Weiss ergeht es jedes Jahr Tausenden Frauen und Männern. 2014 erkrankten laut Gesundheitsministerium in MV 1379 Frauen an Brustkrebs . Ende 2014 lebten hier 10105 Frauen, bei denen binnen der letzten zehn Jahre Brustkrebs diagnostiziert wurde. Kerstin Weiss erschüttern diese Zahlen. Andererseits habe es ihr gezeigt, dass sie nicht allein sei und es sich lohne zu kämpfen. In diesem Jahr sind noch zwei weitere bekannte SPD-Politiker in MV schwer erkrankt. Ministerpräsident Erwin Sellering trat im Mai zurück – er hat Lymphdrüsenkrebs. Vor einigen Tagen gab auch Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider bekannt, „schwer erkrankt“ zu sein.

Virginie Wolfram

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