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Wismar Landwirt setzt auf zusätzliche Standbeine
Mecklenburg Wismar Landwirt setzt auf zusätzliche Standbeine
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16:37 21.05.2019
„Der Raps sieht so gut aus wie lange nicht mehr“, sagt Landwirt Matthias Schröder (rechts). Quelle: Haike Werfel
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Lischow

Der fast verblühte Raps duftet betörend. Langsam holpert der Traktor samt offenem Anhänger an den Feldern vorbei. Darauf haben 15 Vertreter von landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region Neuburg und von der Insel Poel Platz genommen. Sie treffen sich zur traditionellen Feldbesichtigung im Frühling. Der Kreisbauernverband bietet diese Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch seit Jahren an. Gastgeber ist diesmal Matthias Schröder vom Landgut Lischow.

Bisher zu wenig Niederschlag

Der Landwirt baut auf 480 Hektar Ackerfrüchte an. Wie der Raps, der Weizen und die Gerste stehen, will er seinen Kollegen zeigen. Normalerweise fallen 650 Milliliter Niederschlag in den ersten fünf Monaten des Jahres. Von Ostern bis jetzt sind es gerade einmal 28 gewesen, sagt Schröder. Der fehlende Regen macht den Landwirten Sorgen. Schröder bestellt schweren bis hin zu leichtem Boden. „Im Schnitt haben wir 48 Bodenpunkte“, informiert er. Der beste Boden wird mit 60 Punkten bewertet. Auf Sandböden ist die Trockenheit besonders problematisch.

Erster Halt. „Der Raps sieht so gut aus wie lange nicht mehr“, schätzt der Landwirt ein. Seine Kollegen geben ihm Recht. Er hat die Ölfrucht Anfang September auf 81 Hektar angebaut und auf die Herbstdüngung verzichtet. Aufgrund der letzten drei schlechten Erntejahre hat Matthias Schröder die Rapsanbaufläche reduziert. Er überlegt, ob er die Frucht weiter einschränkt und durch Mais ersetzt. „Es macht nicht richtig Spaß, wenn man sich Mühe gibt und dann nichts übrig bleibt. Wenn der Regen jetzt ausbleibt, geht’s schon wieder rückwärts.“

Landwirte verzichten auf letzte Düngung

Landwirt Matthias Schröder (mit blauem Basecap) begutachtet mit Kollegen, wie der Weizen sich entwickelt hat. Quelle: Haike Werfel

Auf einem Weizenfeld prüfen die Landwirte die Standfestigkeit der Halme. Sie stehen fest, so ihr Urteil. Hier wächst Elite-Weizen, die effizienteste Sorte, die es zurzeit auf dem Markt gibt, berichtet ein Marketingvertreter. Auch bei diesem Getreide hat Matthias Schröder erst spät gedüngt. Zweimal im Frühjahr. Wenn’s nicht mehr regnet, würden sie keinen Stickstoff mehr draufgeben. Da sind sich die Bauern einig. Auf Hoffnung zu düngen, mache ökonomisch und ökologisch keinen Sinn. „Hier limitiert der Regen alles“, sagt Landwirt Kay Tönnsen. „Es kann keiner einschätzen, wie realisierbar der Ertrag sein wird.“ Beim Weizen hatte Matthias Schröder zuletzt 20 bis 30 Prozent Ernteverlust im Vergleich zu einem normalen Jahr.

Auch deshalb hat er die Fläche für die Wintergerste ausgeweitet. Der Betrieb baut das Getreide auf knapp mehr als 100 Hektar an. Schröder hofft, dass die bisherige Regenmenge gereicht hat, damit sich die Ähren füllen.

Petra Böttcher, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, mit Gerste. Fünf Halme sind aus einem Samenkorn gewachsen. Quelle: Haike Werfel

Zusätzliche Standbeine geschaffen

Aufgrund der vergangenen drei schlechten Erntejahre – zwei Sommer waren verregnet, der letzte viel zu trocken – hat sich Matthias Schröder zusätzliche Standbeine geschaffen. Drei Teiche auf dem großzügigen Anwesen des Landguts wurden renaturiert. Auf einer Insel können sich Brautpaare vom Standesamt Neuburg trauen lassen. Hochzeit feiern können sie in einer Festscheune, die aus einem ehemaligen Stall entstanden ist. Zudem bietet Familie Schröder in einem umgestalteten Futterhaus Unterkünfte für bis zu 40 Gäste.

Fenster, Türen, Betten, Stühle und Tische werden in einer eigenen Tischlerei hergestellt. „Wir nutzen das Holz aus unserem 70 Hektar großen Wald und verarbeiten auch ältere Hölzer“, berichtet Matthias Schröder und zeigt seinen Kollegen sein kleines Sägewerk. „Es ist schön, auch im Winter etwas zu tun zu haben.“

Kritik an geplanter Düngeverordnung

In der abschließenden Gesprächsrunde diskutieren die Landwirte über die geplante Düngeverordnung des Bundes. Sie soll ab Juni 2020 in Kraft treten und vorschreiben, den Dünger für alle Marktfrüchte um 20 Prozent zu reduzieren. „Das würde dazu führen, dass der ungewollte Maisanbau ausgeweitet wird und weniger Zwischenfrüchte angebaut werden, weil sie nicht gedüngt werden dürfen“, sagt Petra Böttcher vom Kreisbauernverband.

Hintergrund für die Düngeverordnung ist die zu hohe Nitratbelastung des Grundwasser. Die Landwirte kritisieren, wie die Messwerte zustande gekommen sind. Sie stammen zum Teil von Grundwassermessstellen in der Nähe von Kiesgruben, wo das Nitrat kaum abgebaut wird, und von alten DDR-Rinderställen, wo der Boden extrem belastet ist. „Diese Messwerte verfälschen das Bild“, sagt Petra Böttcher. Der Landesbauernverband schreibt eine Stellungnahme zur Düngeverordnung ans Landwirtschaftsministerium.

Betriebe laden zu Hofführungen ein

Seit 2016 lädt der Kreisbauernverband gemeinsam mit den gastgebenden Betrieben Einheimische und Urlauber von Juni bis August zu Hofführungen ein. Sie können die heutige Landwirtschaft hautnah erleben, um die Belange besser zu verstehen.

Die Betriebsgemeinschaft Zierow mit Ackerbau, Viehhaltung und Biogasanlage erwartet Besucher am 19. Juni und am 21. August jeweils von 10 bis 12 Uhr.

Der Erdbeerhof Glantz lädt Interessierte am 6. Juli von 11 bis 13 Uhr ein. Treffpunkt ist am Selbstpflückerfeld in Gramkow.

Familie Mann in Steinbeck führt am 12. Juni, am 17. Juli und am 14. August jeweils in der Zeit von 10 bis 12 Uhr über ihren Hof. Sie betreibt Ackerbau und Viehhaltung sowie einen Hofladen und ein Café.

Auf den Gütern Brook und Christinenfeld wird ökologisch gewirtschaftet. Besichtigungen sind am 10. Juli und am 7. August von 10 bis 12 Uhr möglich.

Das Gut Grambow bei Schwerin ist ein land- und ein forstwirtschaftlicher Betrieb. Er erwartet Besucher am 15 . Juni von 11 bis 13 Uhr.

Haike Werfel

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