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Wismar Immer mehr Unwägbarkeiten für Landwirte
Mecklenburg Wismar Immer mehr Unwägbarkeiten für Landwirte
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17:20 16.10.2018
Land- und Energiewirt Dietmar Hocke (3. v. l.) mit Mitgliedern des Kreistagsausschusses für Umwelt und Landwirtschaft vor seiner Biogasanlage und dem Blockheizkraftwerk. Quelle: Haike Werfel
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Kalsow

Die anhaltende Trockenheit hat gravierende Folgen für die Landwirtschaft. Anlass für den zuständigen Kreistagsausschuss, sich mit dem Thema „Klimaverträgliche Landwirtschaft“ zu befassen: Wie können sich die Betriebe an die klimatischen Veränderungen und extremen Wetterlagen anpassen. Dazu besuchte der Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft den Betrieb seines Mitgliedes Dietmar Hocke in Kalsow.

Milchkühe im Jahr 2009 abgeschafft

Der Landwirt hat den großelterlichen Betrieb mit Ackerbau und Milchproduktion 1994 übernommen. Als studierter Maschinenbauer und Umwelttechniker interessierte er sich für erneuerbare Energien. So habe er im Jahr 2005 die erste Solaranlage gebaut. Während er damit ein „kleines Jahresgehalt“ verdiente, wurde es immer schwieriger, mit der Milch Geld zu erwirtschaften, erinnerte Hocke an die Jahre der Milchpreiskrise. 2009 habe er seine 100 Kühe abgeschafft und die Milchproduktion aufgegeben. „Sonst wäre ich pleite gegangen“, sagte der 49-Jährige.

Er führte die Ausschussmitglieder zu seiner Biogasanlage. Hier werde der Klimawandel sichtbar, sagte er und verwies auf die Silos. „Von vier Silos ist eines leer.“ Die Landwirte hätten bereits das dritte Jahr in Folge mit schweren Rahmenbedingungen zu kämpfen. Das bringe die Betriebe ins Strudeln.

Politik hat bei Biogasanlagen nachgesteuert

Für die durch die Biogasanlage produzierte Wärme hat Dietmar Hocke Abnehmer in der Nähe: das benachbarte Seniorenheim in Kalsow sowie Wohnungen, Reiterhof und Gemeindebüro im nahe gelegenen Benz. Kurze Wege bedeuten weniger Wärmeverlust, waren sich die Ausschussmitglieder einig. Die im Sommer ungenutzte Wärme werde nicht in die Luft gepustet, sondern im Blockheizkraftwerk gespeichert für den Winter, wenn mehr benötigt wird. „Da hat die Politik mit der Flexibilisierung von Biogasanlagen nachgesteuert“, lobte Hocke. Die elektrische Energie speise er ins Netz der Edis ein. Die thermische Energie nutze er in der Regel im Sommer auch zur Trocknung von Heu, Stroh und Hackschnitzel. In diesem Jahr bestand natürlich kein Trocknungsbedarf.

Mais bereichert Fruchtfolge

Der Land- und Energiewirt baut auf seinen 320 Hektar Ackerfläche nach Raps Weizen an, dann Mais und wieder Weizen. Eine ordentliche Fruchtfolge, wie seine Berufskollegen Hansjörg Rotermann und Jens Oldenburg bestätigen. Der Maisanbau sei in Mecklenburg-Vorpommern laut Hocke keine Monokultur, wie oft behauptet werde, sondern eine Bereicherung der Fruchtfolge. Zudem wächst er auch auf sandigen Böden. Den größten Ernteverlust von etwa 50 Prozent hat Dietmar Hocke in diesem Jahr beim Weizen, antwortete er auf eine Frage von Petra Kesper, der Ausschussvorsitzenden.

„Arbeitsbedingungen auf Weltmarkt nicht konkurrenzfähig“

„Von der klassischen Landwirtschaft mit den vielen Unwägbarkeiten zu leben, wird immer schwerer“, erklärte der Unternehmer. „Neben den Klima-Kapriolen müssen sich die Betriebe in der Veredlung auch dem Weltmarkt öffnen. Unsere Arbeitsbedingungen sind nicht konkurrenzfähig.“ Der Landwirtschaft würden immer mehr Arbeitskräfte verloren gehen. „Junge Leute wollen nicht mehr in aller Frühe und 365 Tage im Jahr arbeiten. Sie sind für Digitalisierung und Technisierung“, stimmte Jens Oldenburg, Landwirt in Rüting, zu. In der Schweinemast würden immer mehr Fremdarbeitskräfte tätig sein, zum Beispiel aus Polen.

Nicht nur Klima-, auch Strukturwandel

Hansjörg Rotermann von der Agrargemeinschaft Lübstorf mit 4000 Hektar Ackerland, 1500 Schafen und 800 Rindern sprach von einer Strukturkrise. „Die Politik suggeriert, dass kleine Betriebe funktionieren können. Aber das stimmt nicht. Der Verbraucher ist nicht bereit, 1,80 Euro für einen Liter Milch zu bezahlen. Und so schluckt Fremdkapital die klassische Landwirtschaft. Hochprofessionelle Betriebe mit 5000 Tieren sind die Folge.“

Zur Bioenergie GmbH von Dietmar Hocke gehören inzwischen noch eine zweite Solaranlage und drei Windkraftanlagen, 2010 und 2011 errichtet. Das verdiente Geld investiert er vor Ort. Der rührige Unternehmer hat Ferienwohnungen in Kalsow gebaut und ein seniorengerechtes Haus für demenzkranke Menschen. Zurzeit saniert er das Gutshaus in Kalsow, in dem altersgerechter Wohnraum, eine Tagespflegestätte und Gastronomie entstehen.

Haike Werfel

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