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Wismar Lübower nimmt Abschied von Kommunalpolitik
Mecklenburg Wismar Lübower nimmt Abschied von Kommunalpolitik
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10:49 12.09.2019
Wolfgang Lüdtke an seinem Arbeitsplatz in der Wohnungsgesellschaft Dorf Mecklenburg mbH, deren Geschäftsführer er ist. Quelle: Haike Werfel
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Dorf Mecklenburg

Wolfgang Lüdtke aus Lübow war 27 Jahre ehrenamtlicher Amtsvorsteher des Amtes Dorf Mecklenburg und nach der Fusion mit Bad Kleinen 2004 des gemeinsamen Amtes. Vor fünf Jahren stand für ihn fest: Er kandidiert ein letztes Mal als Bürgermeister der Gemeinde Lübow sowie als Amtsvorsteher. Nach dieser letzten Wahlperiode hat sich der 64-Jährige aus der Kommunalpolitik verabschiedet.

Herr Lüdtke, Sie haben jetzt viel freie Zeit. Das ist ungewohnt, oder?

(lacht) Es gibt jetzt andere Aufgaben. Ich muss mich zum Beispiel mehr um meine Mutter kümmern. Sie ist in einem Pflegeheim in Grevesmühlen. Ich fahre alle zwei Tage hin.

Aber generell stimmt es schon. Am Wochenende war immer mein „Amts- und Gemeindetag“, an dem ich die kommende Woche vorbereitet habe. Jetzt genieße ich es zum ersten Mal wieder, ein Buch zu lesen. „Amundsens letzte Reise“. Das ist so packend geschrieben wie „Der Schakal“ von Frederick Forsyth.

Auch die vielen Abendtermine fallen weg.

Ja, meine Frau freut sich sehr, dass ich wieder mehr Zeit zu Hause verbringe. Als ich in diesem und letzten Jahr lange krank war, habe ich erst mal gemerkt, wie unangenehm das ist, wenn einer abends unterwegs ist und der andere allein zu Hause sitzt. Ich bin gerne Kommunalpolitiker gewesen. Nur die großen Auftritte waren nicht meine Sternstunden, aber für die Entwicklung der Gemeinden habe ich richtig gerne gearbeitet und auch gebaut.

Was hat Ihnen in Ihrem Ehrenamt besonders viel Freude bereitet?

Die schönste Sache ist, wenn man erlebt, wie seine Mitarbeiter sich entwickeln. Auf solche Weggefährten wie Frau Kupsch (Leiterin der Kämmerei – d. A.) und Frau Hoppe (Leiterin des Ordnungsamtes – d. A.) und auf viele andere bin ich richtig stolz. Viele Personalentscheidungen haben sich bewährt. Und die Rahmenbedingungen müssen gestimmt haben, denn wir hatten in all den Jahren wenig Fluktuation. Ich glaube, dass wir eine leistungsfähige Amtsverwaltung haben, die über dem Limit agiert.

Die Leute denken immer, der Amtsvorsteher ist der oberste aller Bürgermeister. Er ist aber der Dienstvorgesetzte der Angestellten. Zu meinem Verantwortungsbereich gehörten 50 Mitarbeiter und ein halbes Gebäude, in dem die Amtsverwaltung tätig ist. Personalangelegenheiten kann der Amtsvorsteher zwar mit dem Amtsausschuss beraten, aber die Personalhoheit hat er. Dennoch habe und hätte ich nie gegen die Auffassung des Amtsausschusses entschieden.

Es scheint, dass Sie ein gutes Händchen bei Personalentscheidungen hatten?

Gutes Personal zu bekommen ist schwer. Deshalb bilden wir seit vielen Jahren eigenen Nachwuchs aus. Nicht alle Lehrlinge sind geblieben, unser erster zum Beispiel war ein Glücksgriff. Nach drei Jahren Ausbildung hatte Frau Kadow so viel Freude am Beruf gefunden, dass sie sich entschloss, umgehend ein Verwaltungsstudium anzuschließen. Damit war sie für unsere Verwaltung verloren. Aber Anna Krause ist geblieben und vertritt die Kämmerin hervorragend. Auch Jana Höppner haben wir ausgebildet.

Was war die größte Herausforderung?

Nach der Fusion 2004 die Ämter Bad Kleinen und Dorf Mecklenburg zu einem Amt zusammenzuführen. Mein Vorschlag seinerzeit war, das neue Amt nach dem Alphabet Bad Kleinen-Dorf Mecklenburg zu benennen. Mir wäre es auch egal gewesen, ob ich als Amtsvorsteher von Grevesmühlen, wo ich damals gearbeitet habe, nach Bad Kleinen oder nach Dorf Mecklenburg fahre. Aber das Innenministerium hat sowohl den Amtssitz als auch den Namen verordnet.

Dass der Verwaltungschef Eckhard Rohde und ich aus Lübow stammen, hat unterschwellig auch nicht allen gefallen. Unsere Zusammenarbeit funktionierte, das war blindes Verstehen. Es gab aber immer Kritik, dass wir beide ein Territorium bevorteilen: Lübow. Das haben wir wirklich nicht gemacht. Im Gegenteil. Wenn man sich gerade die letzten fünf Jahre betrachtet, sind die großen Investitionen nach Bad Kleinen, Hohen Viecheln und Ventschow geflossen. Wer durch die Gemeinden fährt, kann sich augenscheinlich von dieser positiven Entwicklung überzeugen.

Trotz allem hatten Sie vor fünf Jahren zur Amtsvorsteherwahl einen Gegenkandidaten.

Ja, es war der für mich nachvollziehbare Wunsch, das Amt des Behördenleiters mit einem Vertreter des ehemaligen Amtes Bad Kleinen zu besetzen. Vielleicht würde es heute keinen Gegenkandidaten mehr geben. Fakt ist: Man kann nicht regieren, wenn die Unterstützung nicht da ist. Mein Nachfolger ist Joachim Wölm, der Bürgermeister von Bad Kleinen. Mit dieser Wahl kann ich sehr gut leben.

Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Ich hänge an der Verwaltung und den Mitarbeitern. Da fällt es schon schwer, loszulassen. Dass ich eine Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter empfinde, haben sie mir jetzt zurückgemeldet. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil man nicht weiß, wie das eigene Tun so ankommt.

Das sagen Amtsmitarbeiter

„Mit Ihrer ruhigen Art haben auch Sie das Amt zu dem gemacht, was es heute ist. Deshalb möchten wir Ihnen danken. Wir bedauern es, dass Sie uns heute verlassen. Gemeinsam haben wir so einiges erlebt und es gäbe viel zu berichten. Darunter Gutes und weniger Gutes, Aufregendes, Langweiliges, Heiteres und auch Trauriges. Wir haben gern mit Ihnen zusammengearbeitet, Sie werden hier eine Lücke hinterlassen.“ (Aus dem Dankesschreiben der Verwaltungsmitarbeiter)

Von Haike Werfel

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