MV: Was Gäste nach dem Lockdown in Restaurants und Hotels erwartet
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Wismar MV: Das erwartet Gäste in Restaurants und Hotels nach dem Lockdown
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MV: Was Gäste nach dem Lockdown in Restaurants und Hotels erwartet

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11:00 06.02.2021
Mit Kellnern verdienen sich vor allem Studenten gern etwas dazu. Im Lockdown sind solche Minijobs jedoch unmöglich.
Mit Kellnern verdienen sich vor allem Studenten gern etwas dazu. Im Lockdown sind solche Minijobs jedoch unmöglich. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Der Neustart nach dem Corona-Lockdown – für Hotels, Restaurants und Bars in Mecklenburg wird er auch personell eine enorme Herausforderung. Bar-Ausschank, Kellnern, Zimmerreinigung: Für Tätigkeiten, die oft auf Minijobbasis ausgeübt werden, wird es an Bewerbern fehlen. Das hat Folgen für Gäste und Urlauber.

Seit Monaten sind Veranstaltungsbranche, Hotellerie und Gastronomie quasi zum Nichtstun verdammt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind in Kurzarbeit. Im Vergleich zu Gesundheitswesen, Lebensmittelhandel und Handwerk, die Beschäftigte einstellen, sind offene Stellen im Gastgewerbe rar. Das trifft auch die Minijobber.

Einzelhandel statt Gastro

Dehoga-MV-Präsident Lars Schwarz. Quelle: Archiv

Vor allem Studenten, die sich etwas dazuverdienen wollen, arbeiten gern im Gastgewerbe. „Wir waren bislang immer die erste Adresse“, sagt Lars Schwarz, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands in Mecklenburg-Vorpommern (Dehoga MV). „Durch die unverschuldete Schließung von Gaststätten und Hotels ändert sich das. Geringfügig Beschäftigte haben sich Arbeit in anderen Branchen gesucht.“

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Weil Clubs, Cafés und Pensionen ihnen im Corona-Lockdown keine Jobs bieten können und sie auch beim Kurzarbeitergeld durchs Raster gefallen seien, hätten sich die Minijobber alternative Verdienstmöglichkeiten im Lebensmittelhandel und dem Gesundheitssektor gesucht, sagt Schwarz. Deshalb fehlten die Aushilfen jetzt jenen, die sie dringend brauchen werden: Wirte, Hoteliers, Touristiker. Denn die stünden in den Startlöchern, ihre Betriebe wieder für Gäste zu öffnen und hätten zudem die Hauptsaison vor der Brust. „Das bereitet uns große Bauchschmerzen.“

Bereits während des ersten Lockdowns vor gut einem Jahr waren bundesweit mehr als 320 000 Minijobs im Gastgewerbe weggebrochen. Der zweite Lockdown wird die Lage wohl weiter verschärfen.

Massive Einschnitte beim Angebot für Gäste

Nicht nur die Unternehmen, auch deren Gäste werden die Auswirkungen spüren. „Ich bin überzeugt: Es wird flächendeckend im ganzen Land massive Einschnitte beim Angebot geben“, prognostiziert Lars Schwarz. „Es wird Gaststätten geben, die ihre Öffnungszeiten verkürzen, Extra-Ruhetage einlegen müssen oder in Betriebsferien gehen, weil ihnen Aushilfen fehlen.“ Auch auf weniger Gerichte reduzierte Speisekarten und Absagen eigentlich fest eingeplanter Veranstaltung seien denkbar, so der Dehoga-Präsident.

„Wir stecken den Kopf nicht in den Sand.“ Aber: Es werde viel Zeit kosten, Minijobber, die nun im Supermarkt Regale auffüllen oder in der Pflege arbeiten, zurückzugewinnen, sagt Schwarz. „Aushilfen müssen wieder darauf vertrauen können, dass sie bei uns dauerhaft beschäftigt werden.“ Immerhin: Die Krise hat auch positive Effekte. Er gehe davon aus, dass der Personalmangel bei Gastronomen und Hoteliers „die Kreativität befeuert“, so Schwarz. Im Wettstreit im Minijobber würden, ähnlich wie bei Auszubildenden, zusätzliche materielle Anreize geschaffen. „Das wird sich im Portmonee niederschlagen.“

Von Antje Bernstein