Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Made in Mecklenburg: So brauen Traditionsbrauereien ihr Bier
Mecklenburg Wismar Made in Mecklenburg: So brauen Traditionsbrauereien ihr Bier
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 04.08.2018
Braumeister Stefan Beck, Chef des Brauhauses am Lohberg in Wismar, misst die Menge der Bierwürze im Braukessel. Durch den Kochvorgang werden Bakterien im Bier abgetötet. Quelle: Michaela Krohn
Anzeige
Wismar/Rostock

Im Mittelalter schon ein Verkaufsrenner und heute immer noch genauso beliebt: Bier. Gerade konnte das Getränk besonders gefeiert werden – am ersten Freitag im August ist der Internationale Tag des Bieres. In Mecklenburg hat das Hopfengetränk eine besonders weitreichende Tradition. So war es zum Beispiel im 15. und 16. Jahrhundert das wichtigste Exportgut der Hansestadt Rostock. Vor allem in Skandinavien war die Nachfrage groß, sagt Ullrich Klein vom Kulturhistorischen Museum Rostock.

Rostocks Brauerei: Seit dem 19. Jahrhundert erfolgreich

Der Ursprung der heutigen Hanseatischen Brauerei Rostock war der Betrieb der beiden Ingenieure Georg Mahn und Friedrich Ohlerich. Sie kauften 1878 die Julius Meyersche Bierbrauerei auf und machten von da an mit der „Brauerei Mahn & Ohlerich“ gute Geschäfte. „Seither hat unsere Brauerei vieles erlebt, vor allem die zwei Weltkriege und die Teilung Deutschlands haben ihre Spuren hinterlassen“, resümiert Geschäftsführer Wilfried Ott die Geschichte des Unternehmens. Die historischen Wurzeln sind der Brauerei bis heute wichtig, sagt Ott. „Wir sind ein ganz aktiver Teil der alten wie der heutigen lebendigen Rostocker Brau- und Bierkultur.“ Dass das Rostocker Bier nach wie vor so gut bei den Kunden ankommt, zeige die enge Verbundenheit der Rostocker zu dem Bier ihrer Stadt. Das Thema Regionalität erlebe sowieso gerade eine richtige Renaissance.

Dementsprechend seien die verschiedenen Rostocker Biere vornehmlich in der Heimatregion erhältlich, sagt Ott. Die Retromarke „M&O“ gebe es aber auch überregional, zum Beispiel in Berlin. Konkrete Absatzzahlen veröffentlicht die Brauerei generell nicht, doch Wilfried Ott betont: „Mit Blick auf die Marktanteile besetzen wir Spitzenpositionen in unserem Heimatmarkt.“ In Spitzenzeiten könnten maximal 50 000 Mehrwegflaschen pro Stunde abgefüllt werden.

Wismar: Brauhaus knüpft an Geschichte an

Stefan Beck braut in seinem Brauhaus am Lohberg in Wismar noch etwas traditioneller. Um 1465 gab es in Wismar 183 kleine Brauerein, die gerade mal auf ein paar tausend Einwohner kamen. „Das Grubenwasser war in der Stadt damals ungenießbar, daher tranken die Menschen vor allem Bier“, weiß der Braumeister. Das Hopfengetränk wurde durch den Brauvorgang zu einem „reinen Getränk“, das nicht mit gefährlichen Keimen belastet war. „Es gab damals noch keinen Kaffee, keinen Tee – also tranken die Menschen Bier, und zwar alle“, erklärt Stefan Beck.

An diese alte Wismarer Bierbrautradition will auch Beck mit seinem Brauhaus anknüpfen. Mitten im Gasthaus braut er – auch vor den Augen der Gäste – seine Biere, rund 150 000 Liter im Jahr. „Das hört sich nicht viel an, aber wir vertreiben die Produkte zu 85 Prozent direkt“, betont der Wismarer. Und genau das sei der Unterschied zu den großen Brauereien. „Unsere Biere sind nicht speziell haltbar gemacht.“

Immer mehr Biertrinker probieren neue Sorten

Bei aller Verbundenheit zur Historie beschäftigen sich die Braumeister auch mit den neuen Entwicklungen auf dem Biermarkt. Die Suche nach neuen ausgefallenen Sorten ist ein Phänomen der heutigen Zeit, weiß Wismars Braumeister Stefan Beck: „Früher stand beim Bierbrauen vor allem der Zweck im Vordergrund. Man brauchte ein Getränk, das man ohne Bedenken, ohne Keimbelastung, trinken konnte.“

Heute werden Braumeister vor allem von dem Gedanken getrieben, welche ausgefallenen Sorten sie kreiieren könnten, was beim Kunden am besten ankomme. Die meisten Gäste wollen einfach ein Pils. „Das kennen sie. Für die meisten Biertrinker muss Bier gelblich aussehen mit weißem Bierschaum“, sagt Stefan Beck. Dennoch probieren nach seiner Erfahrung immer mehr Gäste auch Sorten wie den Roten Erik oder „das“ Wismarer Bier – die Mumme. Er selbst trinkt gern die dunkleren Biersorten: „Die haben oft viel mehr Aroma, aber das ist einfach eine Geschmacksfrage.“

Innovationen müssen nicht häufig sein, sondern erfolgreich

In Rostock setzt man eher auf den klassischen Weg. Geschäftsführer Wilfried Ott: „Natürlich beobachten wir – gemeinsam mit unseren Braumeistern – sehr genau die Konsumentenwünsche.“ Allerdings mache es wenig Sinn, jeden x-beliebigen Trend aufzugreifen und durch eine Sortimentserweiterungen umzusetzen. „Der Durchschnittsverbraucher kaufe pro Jahr nur rund 2000 unterschiedliche Produkte – das seien nur 0,2 Prozent aller Artikel. Die Folge: „Nur maximal zehn Prozent der Wareninnovationen können letztendlich am Markt bestehen“, erklärt Ott.

Dementsprechend arbeiten die Rostocker Braumeister vor allem nach dem Motto: Innovationen müssen daher nicht häufig, sondern erfolgreich sein. Ein Beispiel: Das Rostocker Zwickel naturtrüb und „M&O“. Beide Sorten haben sich fest am Markt etabliert, sagt Ott.

Traditionsbetriebe und -sorten immer beliebter

Auch in der Trotzenburg in Rostock, wo das Bierbrauen genau wie in Wismar noch traditionell gehandhabt wird, dominieren die Klassiker. „Wenn die Kapazitäten vorhanden sind, probieren wir auch schon mal etwas Neues aus, aber in der Regel halten wir uns an unsere Saison- beziehungsweise Standardsorten“, sagt Paul Reimann, der dort seit 2017 als Brauer arbeitet. Gelernt hat der 31-Jährige in der Rostocker Brauerei, danach verschlug es ihn nach Marlow und dann in die Trotzenburg. Seine Beobachtung: Der Trend geht hin zu den Traditionsbetrieben und -sorten. 2017 wurden in der Trotzenburg insgesamt 115 000 Liter Bier produziert.

Christina Milbrandt und Michaela Krohn

Die Europäische Union fördert den Ersatzneubau des Hortes an der Fritz-Reuter-Schule in Wismar mit 6,137 Millionen Euro. Am Montag werden die Arbeiten ausgeschrieben.

04.08.2018

93 Lehrstellen im Landkreis sind noch unbesetzt

04.08.2018

Wettkampf startet am 26. August / Viele Helfer sind im Einsatz

04.08.2018