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Wismar Manfred Krugs letztes DDR-Konzert in Wismar
Mecklenburg Wismar Manfred Krugs letztes DDR-Konzert in Wismar
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12:10 27.02.2019
Manfred Krug bei seinem letzten Konzert in der DDR, Arno Sombke hat das Foto gemacht. Quelle: Arno Sombke
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Wismar

„Von 15 Konzerten, die vorgesehen waren für den Monat April, sind sechs übrig geblieben. Und dieses ist von den sechsen das Letzte heute“, erzählte Manfred Krug bei eben diesem letzten Konzert am 12. April 1977 im Wismarer Theater. Dass das sein letztes DDR-Konzert sein würde, ahnte wohl kaum jemand von den Gästen damals. Ob Manfred Krug es wusste, muss offen bleiben. Der bekannte Schauspieler und Sänger verstarb 2016.

Manch ein Wismarer erinnert sich an das Konzert vor 42 Jahren, an Krugs letzten Auftritt in der DDR. Wenige Tage später haben sie vielleicht im „Westfernsehen“ von seiner Ausreise erfahren.

Krug „oben ohne“

„Es war so herrlich, man kennt ja den Manne Krug aus den Filmen mit Toupet. Bei dem Konzert habe ich ihn erstmals oben blank gesehen!“, erinnert Ilona Bittihn (71) sich. Sie saß mit Freundinnen ziemlich weit vorne. „Meine Freundin hatte für uns alle die Karten besorgt, aber ich weiß nicht mehr, wie sie an die kam und was die gekostet haben.“ Sie kann sich aber noch ganz genau an die Hosen erinnern, die waren überlang und fielen sehr ungewöhnlich. „An der Seite stand ein Flügel, davor ein sehr wackliger Stuhl.“ Auf dem saß der kräftige Manfred Krug. „Ich dachte, wenn der zusammen bricht, ist das Konzert hinüber!“

Arno Sombke hat sogar noch Fotos von diesem Konzert, Papierabzüge im Format 7 mal 10. „Ich war damals 25, war noch Student und im Fotoclub an der Hochschule“, erzählt Arno Sombke. Die Musik von Manne Krug kannte er. „Ich habe seine Chansons und den Jazz schon als Jugendlicher gehört.“

Wertvolle Fotos

Die Mitglieder im Fotoclub durften und sollten sogar regelmäßig bei Veranstaltungen im Theater fotografieren. „Aber für das Krugkonzert hatten wir keinen Auftrag, aber über das Theater sind wir sozusagen über die Hintertür rein gekommen und vor die Bühne. Das haben wir natürlich genutzt!“

Mit der Praktika und einem kleinen Objektiv hat Sombke Porträtaufnahmen der Musiker gemacht. „Wir müssen auch geblitzt haben, sonst wären die Bilder bei dem damaligen Filmmaterial nichts geworden“, sinniert er. Die Negative hat er danach im Block 19 selbst entwickelt. Bei Krugs Bildern musste er leicht retuschieren bei der Entwicklung – nachbelichten, damit das Hemd nicht so extrem weiß leuchtet.

Zurück zum Konzert 1977. „Manfred Krug fühlte sich sichtlich irritiert durch uns Fotografen. Es war ja nicht abgesprochen, dass jemand fotografiert. Wir mussten aufhören.“ Die beiden Hobbyfotografen – ein Kommilitone von Sombke war dabei – haben dann von der Seite aus das Programm genossen, Sitzplätze waren keine frei.

Erinnern bei den Liveaufnahmen

Arno Sombke hat sich den Live-Mitschnitt vom Wismarer Konzert angehört. Der Toningenieur von damals hat alles aufgenommen, die CD „Noch nicht ganz weg“ gibt es im Handel und zum Teil auch auf der Internetplattform Youtube zu hören. „Nachdem ich da Ausschnitte gehört habe, kamen auch einige Erinnerungen wieder hoch“, erzählt Sombke.

„Der Saal war voll. Ich hatte gelesen, dass es alles bestellte Leute waren, die miese Stimmung verbreiten sollten. Aber man hört ja auch, dass gute Stimmung war.“ An die verbalen Seitenhiebe und Spitzen Krugs kann Sombke sich gut erinnern. „Ich dachte, oha! Aber wir wussten ja nicht, dass er bald ausreisen kann.“

Krugs Kommentare

„Wir alle freuen uns, dass wir heute einen prominenten Zuhörer haben, einen fachmännischen Zuhörer. Den Direktor der Konzert- und Gastspieldirektion Rostock, dem wir verzweifelt seit zwei Jahren immer wieder schreiben, dass es uns gibt“, ließ Krug damals die Gäste lachen und klatschen. „Und dessen Firma sich daraus gar nichts macht. Herr Kaltofen, ich begrüße Sie auf das herzlichste!“

Krug hatte seit 1976 ein Teilberufsverbot, nachdem er das Protestschreiben gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann mit unterschrieben hatte. Er wurde überwacht, durfte nicht mehr in der BRD konzertieren. Auf der Wismarer Bühne verteilte er weiter die verbalen Seitenhiebe: „Deshalb bin ich mir sicher, dass wir im Publikum heute wenigstens einen Fachmann sitzen haben, Herr Kaltofen.“

„Gemischtes“ Publikum

Unter den 470 Gästen im Wismarer Theater sollen 100 „Linientreue“ gewesen sein. Viele im FDJ-Blauhemd. „Die Stasi war mit Sicherheit auch dabei, es standen welche am Rand. Diese Verhaltensweisen fielen doch auf“, erinnert Inge Herchenbach sich. Damals war sie 28 Jahre alt und als Lehrerin mit ihrem Mann Peter beim Konzert.

Peter Herchenbach: „Wir saßen ziemlich weit vorne, in der Mitte.“ Das Paar weiß noch, auf dem Weg zum Wismarer Theater haben sie sich gewundert, weil die Bürgermeister-Haupt-Straße gesperrt war. Überall war Polizei. Und vor dem Theater standen die Menschen. „Das Konzert war ja ausverkauft, wenn man das Verkauf nennen kann. Es war FDJ hoch fünf!“, erzählt Inge Herchenbach. Sie war damals Lehrerin an der Friedrich-Engels-Schule und vermutet, dass sie so die Karten bekam.

Gäste in Blau

„Es war beängstigend, so viele im Blauhemd. Wir hatten keins an“, lacht Peter Herchenbach heute. Die beiden beschreiben immer noch begeistert die Stimmung, trotz der „Bestellten“ in den Reihen. „Die konnten die Menschen nicht bremsen“, sagt Inge Herchenbach. Ihr Mann: „Die hatten die Leute schon sinnvoll angeordnet, aber die Massen haben sie nicht unter Kontrolle gebracht.“

An vier Zugaben erinnern die beiden sich. „Nach der vierten sind welche nach vorne gegangen und haben den Vorhang zugehalten, dass die Musiker nicht mehr raus konnten“, sagt Inge Herchenbach. Das Konzert soll über zwei Stunden gedauert haben.

Musikalische Hommage im Wismarer Theater

Am 13.4. kommt die Manfred-Krug-Band zu einer Hommage ins Wismarer Theater. Wolfgang (Zicke) Schneider am Schlagzeug hat wohl alle Krug-Konzerte begleitet. Dazu spielen Andreas Bicking an Saxofon und Flöte, von ihm stammen die meisten Arrangements dieses Abends, Matthias Bätzel am Piano und Tom Götze am Bass. Krugs Tochter Fanny wird solo und im Duett mit Thomas Putensen zu erleben sein, die unvergleichliche Jazz-Sängerin Uschi Brüning haucht, hallt und überzeugt mit ihrer unverwechselbaren Stimme in Titeln wie „Sonntag“ oder „Wann sag wann“. Charles Brauer, sein langjähriger Tatort-Kollege, führt durch den Abend. Karten gibt es unter anderem im Service-Center der Ostsee-Zeitung in der Mecklenburger-Straße.

Nicole Hollatz

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