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Wismar Margot Käßmann freut sich in Wismar auf das Älterwerden
Mecklenburg Wismar Margot Käßmann freut sich in Wismar auf das Älterwerden
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19:10 26.05.2019
Margot Käßmann (l.) signiert für die Zuhörer ihre Bücher – auch für Wolfgang Peinert von der Insel Poel. Quelle: FRANK PETER REICHELT
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Wismar

Der Großteil des Publikums ist weiblich und steht „Mitten im Leben“, so wie auch der Titel der Lesung und des neuen Buchs von Margot Käßmann heißen. Am Sonnabend ist die Bestseller-Autorin in der Wismarer Georgen-Kirche zu Gast gewesen und eins steht fest: Sie wird wiederkommen, das hatte die ehemalige Bischöfin noch während der ausverkauften Lesung versprochen.

Die Theologin erzählt und liest aus ihrem Leben, aus ihrem neuen Buch über das Älterwerden. Chancen und Risiken der zweiten Lebenshälfte stellt sie vor und gegenüber. Und man glaubt ihr, dass sie den jüdischen Trinkspruch Lechaim „Auf das Leben!“ lebt.

„Das Leben der Frauen war früher hart und anstrengend, alten Frauen sah man ihr Alter auch an“, erinnert sie und freut sich auf die neue Lebensphase: „Ich bin gespannt, wie die aussieht.“

Familie wird thematisiert

Margot Käßmann (l.) signiert für einige Zuhörerinnen ihre Bücher. Quelle: Frank Peter Reichelt

Mit Humor berichtet sie von ihrer Mutter, erstaunlich oft kommt die Familie – Schwestern, Kinder und Enkel – in ihrer Erzählung vor. Sie habe sich früher über ihre Mutter lustig gemacht, die beim Frühstück die Todesanzeigen gelesen hatte. Heute mache sie das auch. Und sie ärgert sich manchmal, wenn in der Anzeige steht, dass die Beerdigung vorbei sei und dass es vielleicht gar kein Grab gebe, wie bei einer Seebestattung. „Wo und wann wollen wir dann trauern und erinnern? Wir erzählen uns keine Geschichten mehr, alles wird in Blogs getippt, wir hören uns nicht mehr zu“, mahnt sie ohne erhobenen Zeigefinger.

Natürlich hinterlässt das Leben seine Spuren, die Stimme ist nicht mehr hell und klar und an den Händen sieht man das Alter. „Übrigens auch bei Madonna, die ist mein Jahrgang.“ Befreites Lachen in St. Georgen.

Den wachen Geist nutzen

„Wie sollen Kinder lernen, dass Altern auch eine Würde hat, wenn alle alt werden wollen und keiner mehr alt aussieht?“ Mit 66 Jahren fange nicht unbedingt das Leben an, aber die Freude am Leben müsse nicht vorbei sein. Häufig komme dann die Angst vor Leere, Bedeutungsverlust, man verliert an Wichtigkeit. Aber alt sein heiße nicht, sich aus dem Leben zurückzuziehen. „Ältere Menschen haben Erfahrungen, sie können sich in Vereinen engagieren, Patenschaften übernehmen. Gott hat uns einen wachen Geist gegeben, den sollten wir auch nutzen“, so Käßmann.

Arbeit sei nicht der ganze Sinn des Lebens, Arbeit mache nicht immer Spaß. Käßmann ist jetzt im Ruhestand, sie hat freie Zeit, auf die sie sich freue. Man glaubt ihr, dass sie loslassen kann. Ihre Entscheidung aus dem Jahr 2010 nach einer Alkoholfahrt, von allen Ämtern zurückzutreten, habe sie nur kurz bedauert. Heute sei sie froh, so schnell und konsequent gehandelt zu haben.

Vorbereitung auf den Tod

Ein wichtiger Teil ihrer Lesung widmet sich dem Tod und dem Denken an das Ende. „Es gibt 100 Kurse für Geburten, aber keine Vorbereitungskurse auf den Tod. Wie bereiten wir uns vor?“, fragt sie. „Wenn ein junger Mensch stirbt, trauert man um die ungelebten Jahre, wenn ein alter Mensch stirbt, lasst uns die Jahre feiern, die er erleben durfte!“

„Ich hoffe, Sie haben alle eine Patientenverfügung unterschrieben, wir können den Kindern wichtige Entscheidungen abnehmen. An das Ende denken, heißt ja nicht, die Gegenwart nicht zu genießen.“ Einen Tipp für Großmütter haben sich einige Besucherinnen sogar aufgeschrieben: „Enkel besuchen heißt: schenken, schlucken, schweigen.“

In der Buchhandlung Hugendubel, die die Theologin nach Wismar eingeladen hat, stehen noch signierte Bücher „Schöne Aussichten“ von Margot Käßmann zum Verkauf. Zuhörer Wolfgang Peinert von der Insel Poel hat sich gleich vor Ort eins signieren lassen: „Die Lesung war genial“, lobt er. Das Buch und die Karten für die Veranstaltung sind Geschenke von Frau und Tochter gewesen.

Frank Peter Reichelt

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