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Wismar Fischkutter verrottet im Wismarer Westhafen – Eignerin verschwunden
Mecklenburg Wismar Fischkutter verrottet im Wismarer Westhafen – Eignerin verschwunden
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17:35 01.10.2019
Der marode Fischkutter „Eltra“ liegt im Wismarer Westhafen gegenüber des Wohnschiffes für die Werft. Der Eigner oder die Eignerin des Kutters scheint sich nicht um das verrottende Schiff zu kümmern. Quelle: Michaela Krohn
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Wismar

Trauriger Anblick im Wismarer Westhafen: Der alte Fischkutter „Eltra“ liegt dort seit Wochen marode und schrottreif an der Kaikante. Im Wasser ist eine Ölsperre um das Schiff aufgebaut, an Land ist weiträumig ein Bauzaun aufgestellt. Die Eignerin scheint über alle Berge zu sein und hat das Schiff einfach sich selbst überlassen – oder eher der Hansestadt Wismar. Denn die muss nun dafür sorgen, dass von dem heruntergekommenen Schiff keine Gefahr für andere Schiffe, die Umwelt oder Menschen ausgeht.

Sicherung des Schiffes soll Tausende Euro kosten

Nach Informationen des NDR, der zunächst darüber berichtete, soll es sich bei der Eignerin um eine Ukrainerin handeln, zu der die Stadt allerdings keinen Kontakt hat. 130 000 Euro soll die Hansestadt Wismar schon dafür ausgegeben haben, den alten Kutter zu sichern. Noch einmal so viel soll es angeblich kosten, ihn abzuwracken.

„Das Schiff liegt seit dem Jahr 2013 in Wismar“, bestätigt Marco Trunk, Sprecher der Hansestadt Wismar, kurz und knapp auf Anfrage der OZ. Weitere Auskünfte zum Eigner des Schiffes und zu Kosten könne die Stadt aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht geben.

Video: So sah das Schiff früher aus, als es in den Hafen von Warnemünde einläuft

Bürgerschaft beriet nichtöffentlich zu Schiff

In der letzten Bürgerschaftssitzung stand der Fall des Schiffes auch auf der Tagesordnung – allerdings unter „MS Eltra – weitere Vorgehensweise zur Gefahrenbeseitigung und Entsorgung des Schiffes“ im nichtöffentlichen Teil. Rathaussprecher Marco Trunk bestätigt, es gab einen Beschluss des Stadtparlaments. Doch wie der genau aussieht, ist nicht bekannt. Auch nicht, was nun als Nächstes mit dem Schiff passieren soll. Die Stadt hält sich bedeckt.

Das 33,5 Meter lange und 7,75 Meter breite Schiff liegt am Ende des Kais an der Lagerstraße – direkt gegenüber des ehemaligen Kreuzfahrtschiffes „Libra“, das der Werft künftig als Wohnschiff für die Arbeiter dienen soll.

1959 in Frankreich gebaut, 1980 erweitert

Die „Eltra“ wurde 1959 in Toulon in Frankreich als Fischfangtrawler gebaut. 1980 wurde der Kutter zum Expeditionsschiff umgebaut und bekam eine Verlängerung um sechs Meter. Bis zu 50 Fahrgäste konnten an Bord aufgenommen werden. Damals befanden sich auf dem Schiff noch sieben beheizbare Kabinen mit je drei Kojen. Zuletzt lief das Schiff mit einer Zweitakt-Maschine mit Verstellpropeller unter 300 PS. Das geht aus verschiedenen Schiffs- und Marine-Verkehrs-Foren hervor.

Kutter, Transport- und Expeditionsschiff

Früher diente der Kutter also nicht nur der Fischerei. Auch Ausfahrten mit Gästen zum Angeln in der Wismarbucht wurden in den 2000er-Jahren angeboten – auch vor 2013 schon von Wismar aus. Danach soll das Schiff unter anderem Monteure zu Offshore-Windkraftanlagen gebracht und Tauchfahrten gemacht haben. Auch an der Hanse Sail hatte die „Eltra“ als Expeditionsschiff teilgenommen.

Nun findet das Schiff sein anscheinend trauriges Ende im Wismarer Westhafen. Dass der rostige Trawler weiter genutzt wird, ist unwahrscheinlich. Der Weg zum Abwracken steht bevor. Führerstand, Masten und andere Aufbauten sind jedenfalls schon verschwunden.

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Von Michaela Krohn

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