Mecklenburgs Händler hoffen in Corona-Zeiten auf das Weihnachtsgeschäft
Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Mecklenburgs Händler hoffen auf das Weihnachtsgeschäft
Mecklenburg Wismar

Mecklenburgs Händler hoffen in Corona-Zeiten auf das Weihnachtsgeschäft

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:30 16.11.2020
David Oppermann vor dem Mancala neben dem Riesen-Maulwurf, der auf Bitten von Kindern mit Schal und Mütze ausgerüstet wurde - seine Maske wurde leider gestohlen. Quelle: Henrietta Hartl
Anzeige
Rostock/Wismar

„Die Gastronomie in der Innenstadt fehlt schon sehr“, sagt der Rostocker City-Manager Dr. Peter Magdanz. Die Möglichkeit, zwischendurch eine gemütliche Pause zu machen, dabei etwas zu essen oder zu trinken, das gehört für viele zu einem Stadtbummel einfach dazu. Auch die bisherigen Absagen der geplanten verkaufsoffenen Sonntage wegen Corona wirken sich negativ aus. Magdanz hofft, dass vielleicht doch noch wenigstens ein verkaufsoffener Sonntag erlaubt wird. Aber man könne natürlich nicht wissen, wie die Corona-Maßnahmen aussehen, ob sie vielleicht sogar noch härter werden.

Für das anlaufende Weihnachtsgeschäft ist der City-Manager vorsichtig optimistisch. Immerhin habe in den vergangenen Monaten trotz der schwierigen Bedingungen kaum ein Geschäft in der Innenstadt zumachen müssen, die Rostocker City kann also weitgehend komplett ins Weihnachtsgeschäft gehen.

Anzeige

Auch wenn die Corona-Pandemie allen in der Region zu schaffen macht, ist die Situation bei den Geschäftsleuten unterschiedlich.

Begehrte Spielwaren

David Oppenheimer vom Rostocker Spielwarenladen Mancala hat festgestellt: „Das Geschäft brummt, die Leute kaufen wie wild, weil sie befürchten, dass wir bei einem härteren Lockdown vielleicht auch zumachen müssen.“ Daher decken sich viele jetzt schon für Weihnachten mit Spielsachen ein, um die Bescherung sicherzustellen. „Viele Kids können ja jetzt auch immer weniger machen“, erklärt David Oppermann, viele Freizeitangebote seien geschlossen und manche Klassen in Quarantäne. Da biete ein Besuch im Spielwarenladen eine willkommene Abwechslung.

Was der leidenschaftliche Spielzeugverkäufer sehr bedauert: „Durch die Corona-Maßnahmen kann ich viele Spiele nicht mehr so intensiv wie sonst präsentieren.“ Zum Beispiel fallen aus Hygienegründen Kartenspiele weg, die er in „normalen“ Zeiten schon mal mit einem Kunden macht, um die Regeln und den Spielspaß zu demonstrieren. Gerade die persönliche Beratung der Kunden, die zum Beispiel beim Brettspiel Mancala im Vordergrund steht, leidet unter den coronabedingten Anforderungen.

Ihr täglicher Newsletter aus der OZ-Chefredaktion

Viele Hintergründe aus der OZ-Redaktion und die wichtigsten Nachrichten aus MV, Deutschland und der Welt täglich gegen 19 Uhr im E-Mail-Postfach.

Der Laden, der bewusst weder Webpräsenz noch Versandshop hat, zieht aber auch jetzt viele Besucher an. „Besonders bei Spielzeug ist es doch wichtig, dass man das anfassen und ausprobieren kann“, findet Oppermann. Manche Kunden reisen sogar von weit her an, zum Beispiel, um hier die gerade zu Weihnachten beliebten Ostheimer-Holzfiguren zu kaufen.

David Oppermann vor dem Mancala neben dem Riesen-Maukwurf, der auf Bitten von Kindern mit Schal und Mütze ausgerüstet wurde - seine Maske wurde leider gestohlen Quelle: Henrietta Hartl

Corona hat für den Laden viel Aufwand erzeugt, von Hygienemaßnahmen bis Abstandsmarkierungen. Auch die Liefersituation sei deutlich schwieriger geworden, berichtet David Oppermann: „Wenn ich sechzig Kartons bestelle, kriege ich vielleicht zwanzig.“ Doch generell sieht er die Lage optimistisch und hofft, dass er noch ordentlich Ware bekommt, um zumindest die Wünsche seiner Stammkunden umfassend bedienen zu können.

Andere Händler sind hingegen pessimistisch gestimmt. Ein Rostocker Geschäftsinhaber, der seinen Namen nicht genannt haben will, sieht in diesem Corona-Jahr so etwas wie einen Sargnagel gerade für kleinere, unabhängige Innenstadtgeschäfte. Die seien durch die Konkurrenz von Amazon und Co. ohnehin geschwächt und es werde wohl laufen wie in dem alten Greenpeace-Spruch mit dem letzten Fisch: „Wenn das letzte kleine Geschäft weg ist, dann merken die Leute, was da fehlt - aber dann ist es zu spät.“

„Licht an“ in Wismar

In Wismar ist City-Managerin Victoria Binz-Gruber vorsichtig optimistisch: „Es legen sich jetzt alle für das Weihnachtsgeschäft noch mal mächtig ins Zeug.“ Sie hat beobachtet: Diejenigen Läden, die aktiv und direkt Kunden ansprechen, über Social Media oder persönlich, machen meist auch gute Geschäfte.

Die Wismarer Innenstadt ist leerer als sonst. Quelle: Kerstin Schröder

Trotz einiger Leerstände sei die Lage in Wismar „eigentlich noch ganz gut“, meint Victoria Binz-Gruber. Um die Innenstadt gerade für das Weihnachtsgeschäft unter den schwierigen Bedingungen attraktiver zu machen, sind zum Beispiel Lichtprojektionen an leer stehenden Geschäften an wichtigen Stellen geplant. Das City-Management organisiert auch übergreifende Aktionen wie „Licht an“, für die sich nun rund 50 Teilnehmer angemeldet haben. Dienstleister und Geschäfte in der Altstadt und im Alten Hafen werden dabei als „Statement des Zusammenhalts“ eine Kerze in einer Laterne vor ihrem Geschäft anzünden.

Fitore Gashi, Filialgeschäftsführer von Galeria Karstadt Kaufhof in Wismar, verspricht: „Wir haben alles dafür getan, dass Weihnachten bei uns sicher ist.“ Durch das ausgeklügelte Hygienekonzept, speziell geschulte Mitarbeiter und die große Fläche des Kaufhauses könnten die Kunden ihre Weihnachtseinkäufe hier beruhigt erledigen. „Unser Sortiment ist zu rund 75 Prozent selbstbedienungsfähig und somit kann jeder selbst entscheiden, ob er sich – natürlich mit Abstand – bedienen lassen möchte oder nicht“, ergänzt Fitore Gashi.

Bücher für Doberaner und Touristen

Axel Neumeister und Tochter Lisa führen die Strandbuchhandlung in Kühlungsborn. Quelle: Rolf Barkhorn

Axel Neumeister betreibt die Strandbuchhandlung in Kühlungsborn und die Buchhandlung am Markt in Bad Doberan. In Kühlungsborn gebe es auch in normalen Jahren „so gut wie kein Weihnachtsgeschäft“, weil um diese Jahreszeit kaum Touristen da sind. Die große Saison für die Buchhandlung hier ist zwischen Weihnachten und Neujahr, während der touristischen „Winterspitze“ an der Ostsee. Neumeister hofft, wie viele andere in der Region, dass wenigstens in dieser Zeit die Besucher anreisen dürfen.

In Bad Doberan haben die einheimischen Bücherfans schon jetzt angefangen, sich mit gedruckten Weihnachtsgeschenken einzudecken. Erfahrungsgemäß werden dann noch mal in den letzten ein, zwei Wochen vor Weihnachten intensiv Bücher als Geschenke gekauft. Die Buchhandlung könne dabei auf ihre Stammkunden bauen, meint Neumeister. Er ist dankbar, dass die ihm auch das ganze Jahr über die Treue halten und die aktuellen Bestseller vor Ort kaufen oder bestellen, und nicht im Internet. Damit erhalten sie „ihren“ Buchladen am Leben.

Lesen Sie auch

Kunden solidarisch

Jeannette Polzin führt ihren Laden für Wohndeko und Accessoires „Drei Haselnüsse“ im Bad Doberaner Klosterareal. Sie bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie stark zu spüren, auch jetzt während des Weihnachtsgeschäfts. „Maximal die Hälfte der Kunden“ seien es im Vergleich zu den letzten Jahren, schätzt sie. Sie freut sich aber sehr darüber, dass unter denjenigen Kunden, die jetzt bei ihr einkaufen, besonders loyale Menschen sind. Wenn sie in den kleinen Laden kommen, erklären sie ausdrücklich ihre Solidarität mit der Inhaberin und der Region. „Sie wollen die lokalen Geschäfte unterstützen und kommen daher hierher, um Geschenke oder etwas Schönes für sich selbst zu kaufen“, erzählt Jeannette Polzin.

Ein Weihnachtsgeschenk, das nicht im Internet bestellt wird und die Lieferhektik befeuert, sondern das einen kleinen, örtlichen Laden unterstützt – das passt zu Weihnachten.

Von Henrietta Hartl