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Wismar Jetzt sollen Wismars Sportvereine mehr Geld bekommen
Mecklenburg Wismar Jetzt sollen Wismars Sportvereine mehr Geld bekommen
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18:25 11.04.2019
Schülermehrkampf beim PSV Wismar: Auch für solche Sportveranstaltungen soll es künftig mehr Geld aus der Stadtkasse geben.
Schülermehrkampf beim PSV Wismar: Auch für solche Sportveranstaltungen soll es künftig mehr Geld aus der Stadtkasse geben. Quelle: Archiv/OZ
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Wismar

Kurz vor Ostern spielt sich vor Wismars Sportwelt ein wahres Geeier ab. Mit der neuen sogenannten Sportförderrichtlinie sollten die vielen Vereine eigentlich mehr finanzielle Unterstützung aus der Stadtkasse bekommen. Eigentlich hätte der Beschluss, der Wismars Sportvereinen rund 100 000 Euro Unterstützung mehr im Jahr beschert, längst durch die Bürgerschaft durchgewunken sein können. Eigentlich.

Die fünf Seiten starke Richtlinie, in der es darum geht, Wismars Sportvereine und vor allem den Kinder- und Jugendsport umfassender zu stärken, sollte bereits am 1. April in der Sitzung des Sportausschusses beraten werden. Zweifel kamen jedoch vonseiten der CDU. Die wollte mehr Bedenkzeit und hatte beantragt, das Thema in die nächste Sitzung zu vertagen. Die findet nun aber erst am 6. Mai statt.

Nach CDU-Einwand: Bürgerschaft kann erst im Mai beschließen

„Wir wollen die Zeit nutzen, um die Vorlage mit vielen Beteiligten und Vereinen zu diskutieren. Der vorliegende Vorschlag der Verwaltung ist ein guter Anfang. Wir sehen aber noch Optimierungsbedarf und werden versuchen zu eruieren, wie die Sportförderung in Wismar noch besser gestaltet und finanziell aufgestellt werden kann.", äußerte sich Tom Brüggert, CDU-Fraktionsvize zu diesem Vorgehen.

Letztendlich heißt das aber auch: Die Bürgerschaft kann die neue Sportförderrichtlinie frühestens in der darauffolgenden Sitzung beschließen. Und die ist erst am 23. Mai – drei Tage vor der Kommunalwahl, bei der die Bürgerschaft der Hansestadt Wismar neu gewählt wird.

Zumindest ein Geschmäckle hat dieses Vorgehen – Stichwort „Wahlkampf“. Kerstin Groth, Geschäftsführerin des Kreissportbundes Nordwestmecklenburg, nannte dies in der Ostsee-Zeitung bereits einen schlechten Aprilscherz. Denn sie drängt auf eine schnelle Umsetzung.

Tausende Sportler in Wismar

In Wismar sind Tausende Sportler in Vereinen organisiert. Der größte Sportverein der Stadt ist der Polizeisportverein.

Insgesamt gibt es in Wismar 46 Sportvereine.

6000 Menschen treiben in der Stadt Vereinsport. Davon sind allein 2376 Kinder und Jugendliche.

Stadt gibt Vereinen 15 Euro pro Kind im Jahr

Bislang waren pro Jahr rund 55 000 Euro in den Haushalt der Hansestadt für die Sportförderung eingestellt. Mit der neuen Richtlinie, die zudem rückwirkend ab dem 1. Januar 2019 gelten soll, würden es künftig rund 157 000 Euro. Profitieren könnten davon vor allem Kinder und Jugendliche. Pro Kind will die Hansestadt eine jährliche sogenannte Grundzuwendung von 15 Euro gewährleisten. So können unter anderem Fahrtkosten, Sportgeräte und Aufenthaltskosten gefördert werden.

Auch für Trainer können die Vereine künftig eine Förderung von bis zu 170 Euro im Jahr bekommen. Laut Richtlinie können Wismars Sportvereine zudem unter anderem Förderungen für den Nachwuchsleistungssport, Personalkosten, für Sportgeräte, Veranstaltungen, Pacht, und Neubau, Erweiterung oder Sanierung von Sportanlagen beantragen. „Mit diesem Programm liegen wir weit über dem Landesdurchschnitt. Mehr geht immer, aber wir haben insgesamt ein sehr gutes Paket“, betont Kerstin Groth.

Mit diesem Programm liegen wir weit über dem Landesdurchschnitt. Mehr geht immer, aber wir haben insgesamt ein sehr gutes Paket“, betont Kerstin Groth. Quelle: Norbert Wiaterek

Sportvereine zeigen sich erleichtert über zusätzliche Mittel

Dana Gromoll von der DLRG sagt: „Wir haben 60 Prozent Kinder und Jugendliche bei uns im Verein. Die 15 Euro pro Kopf sind eine tolle Sache. Das gibt uns etwas mehr Freiraum und Luft zum Atmen.“ Auch bislang hätte die Stadt die DLRG gut unterstützt. „Die Kosten für die Nutzung der Schwimmbahnen übernimmt schon jetzt die Stadt.“ Bei den Rostockern sei dies zum Beispiel anders. Die müssen ihre Bahnen selbst zahlen.

Auch Oskar Männer, Präsident des Polizeisportvereins Wismar, dem größte Sportverein in Wismar, findet die neue Richtlinie „klasse“. „Ich weiß, dass viele Vereine das gut finden. Es ist sagenhaft und ein großer Ansporn für uns.“

Dirk Menzel, Geschäftsführer des Kreisjugendringes, nennt einen weiteren Grund, warum die Ausarbeitung der Sportförderrichtlinie gut für Wismars Sport ist: „Damit wird hauptsächlich die Jugend gefördert. Das kann auch ein Ansporn für die Vereine sein, die nicht so viele Jugendliche in ihren Reihen haben.“ Zudem sei das Papier nicht im stillen Kämmerlein erstellt worden, sondern unter Mitwirkung der Wismarer Bürger.

Bürgermeister und Senator einig: Schneller Beschluss

Zufrieden über die neue Richtlinie zeigt sich auch Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). Er sagt: „Die Stadt stellt die Anlagen für den Kinder- und Jugendsport schon jetzt kostenlos zur Verfügung. Klar ist aber auch, dass in Sportanlagen weiter investiert werden muss.“ Zudem müssten große Vereine hauptamtlich geführt werden. „Da werden wir einen zusätzlichen Beitrag leisten.“

„Die Stadt stellt die Anlagen für den Kinder- und Jugendsport schon jetzt kostenlos zur Verfügung. Klar ist aber auch, dass in Sportanlagen weiter investiert werden muss. Zudem müssten große Vereine hauptamtlich geführt werden. Da werden wir einen zusätzlichen Beitrag leisten“, sagt Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). Quelle: GINETT DESIGN

Sportsenator Michael Berkhahn (CDU) drängt ebenfalls auf eine schnelle Umsetzung des Beschlusses: „Wir haben uns damit beeilt, damit er in dieser Legislaturperiode noch durch die Bürgerschaft geht.“ Und: „Ich gehe davon aus und ich wünsche es mir, dass er einstimmig beschlossen wird.“ Mit Blick auf seine Parteikollegen in der Bürgerschaftsfraktion, die den Antrag nun noch weiter im Ausschuss beraten wollen, betont er: „So ein wichtiges Thema sollte nicht für den Wahlkampf zerrieben werden.“

Wissenschaftler der Universität Potsdam hatten 2017/18 unter anderem durch Befragungen auch ein Konzept zur Verbesserung des Sports in der Hansestadt Wismar erstellt. Mit der Sportförderrichtlinie sollen ihre Handlungsempfehlungen nun umgesetzt werden.

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Michaela Krohn