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Wismar Minister Pegel erteilt Tunnel in Wismar eine Absage
Mecklenburg Wismar Minister Pegel erteilt Tunnel in Wismar eine Absage
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18:23 14.05.2019
Die Hochbrücke ist verschlissen. Ein Ersatzneubau ist erforderlich. Das Land und die Stadt favorisieren eine neue Brücke. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

Trog statt Hochbrücke ist nicht realisierbar. Mit dieser Aussage hat sich am Dienstag Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) an die Öffentlichkeit gewandt. In die Entwurfsplanung geht das Land mit einer Hochbrücke, die südlich der jetzigen verläuft (Variante 4).

In der letzten Woche hatte die „Arbeitsgruppe Baukultur“ ihre Vorschläge für eine Troglösung vorgestellt. Dazu der Minister: „Die Lösung, die die Bürgerinitiative vorschlägt, ist allerdings aus umweltfachlicher Sicht nicht genehmigungsfähig, aus bautechnologischer Sicht schwer realisierbar und aufgrund immenser Kosten auch nicht bezahlbar. Diese Idee müssen wir deshalb leider verwerfen.“

Die Hochbrücke aus dem Jahr 1970 ist so verschlissen, dass ein Neubau unumgänglich ist. Für einen Neubau ist das Land zuständig, weil die Brücke Teil einer Landesstraße ist. Im Februar 2018 hatte die Bürgerschaft die Variante 4 favorisiert.

Bausenator Michael Berkhahn (l.), Bürgermeister Thomas Beyer und Infrastrukturminister Christian Pegel sprechen sich klar für den Bau einer neuen Hochbrücke aus. Quelle: Heiko Hoffmann

Bei einem kurzfristig anberaumten Treffen in St. Georgen haben der Minister und Mitarbeiter des Straßenbauamtes Schwerin sowie Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) und Bausenator Michael Berkhahn (CDU) in St. Georgen Ergebnisse vorgestellt und zu dem Millionen-Vorhaben Stellung bezogen.

„Wir werden kein Baurecht bekommen, weil es verträglichere Lösungen gibt“, ist Dr. René Firgt, Leiter der Projektgruppe Großprojekte im Straßenbauamt, überzeugt.

Nach Angaben des Landes hatte die Projektgruppe bereits zu Beginn des Planungsprozesses eine Troglösung als eine von vielen Varianten untersucht – und sie damals schon wegen großer Unwägbarkeiten verworfen. Pegel: „Nachdem die Bürgerinitiative nun diese neue Troglösung vom Mühlenbach bis zur Kreuzung Philosophenweg ins Spiel gebracht hat, hat sich die Projektgruppe in den zurückliegenden Wochen nochmals gründlich mit dieser Variante auseinandergesetzt.“ Das Ergebnis lautet: „Sie ist nicht realisierbar.“

Die Tunnellösung werde keine Chance auf eine umweltfachliche Genehmigung haben, ist das Land überzeugt und nennt mehrere Gründe: Spundwände würden Erschütterungen auslösen, könnten die umgebende Bebauung erschüttern und werden den Grundwasserfluss erheblich stören. „Der wasserdichte Trog mit Bahn-, Straßen- und Gewässerüberführung erfordert den Aushub beträchtlicher Bodenmengen, größtenteils im Landschaftsschutzgebiet“, so das Land.

„Wir werden kein Baurecht bekommen, weil es verträglichere Lösungen gibt.“ Dr. René Firgt, Leiter der Projektgruppe Großprojekte im Straßenbauamt Schwerin Quelle: Heiko Hoffmann

Ein Trog nehme deutlich mehr Fläche in Anspruch als eine Brückenvariante. Ferner würden geschützte Biotope zerstört. Wasserfläche gehe verloren. Firgt: „Wir würden eine Schneise schlagen.“

Daneben führt das Land mehrere bautechnische Risiken ins Feld. Die streckenweise mehr als 30 Meter langen Spundwände wären auf 600 Metern Baugrubenlänge beidseitig wasserdicht einzubringen. Anschließend müssten enorme Erdmassen aus der 15 Meter breiten und mindestens 15 Meter tiefen Baugrube entnommen werden, um dann eine meterdicke Betonsohle herzustellen.

Dies, so das Land, müsste gegen Auftrieb im Boden verankert werden. Um zu ermitteln, ob dies überhaupt technisch machbar ist, wären Sondierungen in Tiefen von bis zu 50 Metern erforderlich. Firgt: „Andere Technologien wie Tunnelbohrmaschinen, wie sie beim Bau des Elbtunnels verwendet wurden oder Absenkelemente wie beim Fehmarnbelttunnel wären noch aufwändiger.“

Das Land geht von einer Vollsperrung des Knotenpunktes Philosophenweg aus und von einer 60-monatigen Vollsperrung im Bereich Hochbrücke/Trog. Eine ortsnahe Umgehung sei nicht möglich. Die finanzielle Mehrbelastung für Bürger und Wirtschaft sei enorm.

Eine belastbare Kostenschätzung könne aufgrund all der Unwägbarkeiten nicht abgegeben werden. Das Land verweist als Vergleich auf die Unterführung in der Poeler Straße. Diese müsse weitaus weniger Anforderungen genügen als das lange Trogbauwerk. Die Kosten in der Poeler Straße liegen inzwischen bei über 50 Millionen Euro. Pegel und Beyer vermuten, dass die Kosten für eine Troglösung weit darüber liegen. Das Land spricht im Moment von gut 20 Millionen Euro für eine neue Hochbrücke.

„Es ist gut, dass das Land klargestellt hat, dass eine Trogvariante den Boden des Machbaren verlässt“, so der Bürgermeister. Stadt und Land haben am Dienstag betont, dass eine Brücke nicht einer Entwicklung des Quartiers im Wege steht. Zum denkmalgeschützten Wismaria-Gebäude laufen Gespräche mit der obersten Denkmalbehörde des Landes. Ein Abriss steht nach wie vor im Raum.

Heiko Hoffmann

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