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Wismar Mit 90 Jahren noch unterwegs: Das ist Wismars dienstältester Stadtführer
Mecklenburg Wismar

Mit 90 Jahren ist Ulrich Hoppe der älteste aktive Gästeführer in Wismar

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07:00 14.02.2020
Stadtbilderklärer Ulrich Hoppe (90) in seinem Element – er ist der älteste aktive Gästeführer in Wismar. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

Unterwegs mit Wismars dienstältestem Gästeführer: Ulrich Hoppe wird am 14. Februar 90 Jahre alt. Seit fast 43 Jahren – fast sein halbes Leben lang – zeigt er Gästen die schönsten Ecken Wismars. Und die sind, so der Fachmann, in den letzten Jahren noch schöner geworden.

„Hier stand das Petritor“, zeigt Ulrich Hoppe auf den kleinen Straßenzug, den Petriberg an der Baustraße. Und schmunzelt: Selbst ältere Wismarer kennen die Bezeichnung oftmals nicht. Er kennt den Petriberg wie vermutlich alle anderen Ecken in der Wismarer Altstadt.

Viel Detailwissen

Und er kennt den Hintergrund: ein Tor, damit das Vieh der mittelalterlichen Ackerbürger durch die Stadtmauer auf die Weide konnte. „Von hier bis zur alten Wallstraße, Ecke Volkshochschule, lebten die Ackerbürger. Wismar hatte drei große Kuhweiden, die waren jeweils den Kirchen zugeordnet.“ Und wenn die Ackerbürger ihre Kühe oder Pferde auf die Weide brachten, mussten sie dafür entsprechend zahlen.

"Stadtbilderklärer" Ulrich Hoppe (90) in seinem Element - er ist der älteste aktive Gästeführer in Wismar. Quelle: Nicole Hollatz

Es ist unglaublich, mit welchem Detailwissen Ulrich Hoppe immer tiefer einsteigen kann, wenn seine Zuhörer interessiert sind. „Wir sagen immer, es gibt drei verschiedene Arten von Gästen“, erzählt er. „Ein Drittel ist diszipliniert und hört zu, ein Drittel ist nur mit sich selbst beschäftigt und ein Drittel ist aufmerksam und fragt nach.“ Die Nachfrager sind ihm am Liebsten. Und dann könne es auch schon mal vorkommen, dass aus den beiden anvisierten Stunden Stadtrundgang entsprechend mehr werden. „Das reicht dann aber längst nicht, um alles gesehen zu haben“, lacht Ulrich Hoppe.

Seit 1977 Stadtbilderklärer

Man merkt, wie eng er sich seiner Heimatstadt verbunden fühlt. Am 1. Juli 1977 begann er als Stadtbilderklärer zu arbeiten, meist nur am Wochenende oder wenn er vom Betrieb freigestellt wurde. Als Holz- und Baustoffkaufmann arbeitete Hoppe jahrelang im VEB Ingenieurhochbaukombinat Rostock mit Sitz in Wismar als Gruppenleiter Materialwirtschaft.

„Das hieß zu DDR-Zeiten Stadtbilderklärer, mit einem Führer wollte man ja nichts am Hut haben“, lässt Hoppe die Umstehenden lachen. Damals war seine Frau „schuld“, erzählt er. Sie hat mit ihren Sprachkenntnissen oft Reisegruppen aus dem Ausland durch Wismar begleitet. Ulrich Hoppe ließ sich „anstecken“ und machte die entsprechende Ausbildung.

Viel Farbe statt DDR-Grau

Auf die Frage, wie sich Wismar in diesen vier Jahrzehnten verändert hat, erzählt er vom DDR-Grau der Fassaden. „Es wurde viel mit dem weißen Seesand und Kalk gemauert und geputzt, nach 50 Jahren sah es dann entsprechend grau aus“, liefert er mit seinem Wissen auch gleich die Erklärung.

Menschen aus Polen, Russland und sogar aus dem Westen führte er durch Wismar und hat immer Buch geführt. „1850 Führungen hatte ich bis jetzt“, lässt er staunen, „und ungefähr 31 000 Gäste.“ Inzwischen sei er nur noch gemäßigt unterwegs. „Man muss ja den Herrn, der in die Jahre gekommen ist, bisschen schonen. Und es gibt Jüngere, die das machen.“

Ausgezeichnetes Engagement

2008 wurde Ulrich Hoppe für sein Engagement mit der Wismarer Bürgermedaille ausgezeichnet. „Bei seinen Führungen durch die Stadt merkt jeder Besucher, dass Herr Hoppe mit seiner Stadt Wismarer im Geiste und im Herzen verbunden ist“, hieß es damals in der Laudatio.

Die Stadtführung ging vom Petriberg aus natürlich weiter – zwei Stunden sind mit Ulrich Hoppe schnell vorbei. Immer wieder lenkt er die Besucherblicke nach oben, zeigt spannende Details und Bilder von früher, egal ob von vor 40 Jahren oder vor 400.

Weltgästeführertag am 22. Februar

„Lieblingsorte“ lautet das Stichwort für den Weltgästeführertag 2020. Am 22. Februar laden auch die Wismarer Gästeführer zu besonderen Stadtrundgängen rund um diese Lieblingsorte ein. Um 11, 12 und 13 Uhr beginnen diese Führungen, die jeweils eine Stunde dauern. Um 13 Uhr gibt es eine Führung durch das Welt-Erbe-Haus. Die Teilnahme ist kostenlos, Vorbestellungen oder Reservierungen sind nicht möglich.

Nach den Führungen können die Gäste sich bei einer Tasse Glühwein im Welt-Erbe-Haus wieder aufwärmen. Treffpunkt ist immer vor der Tourist-Information Wismar/Welt-Erbe-Haus, Lübsche Straße 23, 23966 Wismar.

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Über die Autorin

Von Nicole Hollatz

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