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Wismar Die größte Schlammschlacht in MV: So war „Mudder Island“ auf Poel
Mecklenburg Wismar

Mudder Island 2021 auf Insel Poel: Bilder von der Schlammschlacht

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09:30 05.09.2021
Nass und schlammig - Mudder Island auf der Insel Poel ist nichts für "Saubermänner und -frauen".
Nass und schlammig - Mudder Island auf der Insel Poel ist nichts für "Saubermänner und -frauen". Quelle: Jana Franke
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Neuhof

Vor ihrer Hochzeit am kommenden Samstag wollten es Theresa Görth (32) und Jan Fiedler (30) aus Braunschweig noch einmal so richtig wissen – der letzte Stresstest vor dem Ringtausch quasi. Auf einer Strecke von 18 Kilometern robbten sie durch Schlamm, erklommen meterhoch aufgestapelte Strohballen und Wände, krabbelten unter geladene Weidenzäune und wie Spinnen am Netz entlang. Mudder Island auf Poel eben. Nach zweieinhalb Stunden standen sie glücklich im Ziel und gaben sich, vermatscht wie sie waren, einen Kuss. Die Hochzeit kann also kommen.

Es ist die größte Schlammschlacht Mecklenburg-Vorpommerns: Mudder Island auf Poel. Hunderte waren am Samstag dabei, um sich 35 Hindernissen auf einer Strecke von acht oder 18 Kilometern zu stellen.

Riesengaudi wieder auf dem Gelände der ehemaligen Militärstation auf Poel. Nachdem Mudder Island im vergangenen Jahr coronabedingt abgesagt werden musste, waren dieses Jahr wieder Hunderte zur größten Schlammschlacht Mecklenburg-Vorpommerns gekommen. Sie begaben sich auf eine acht oder 18 Kilometer lange Strecke über Acker, durch Gräben, an Feldwegen und am Strand entlang und mussten insgesamt 35 Hindernisse meistern. Da manche nur knapp alleine zu bewältigen waren, kam es auch auf Teamgeist an. Wer danach noch nicht genug hatte, drehte eine zweite Runde.

Theresa Görth und Jan Fiedler wollen am kommenden Samstag heiraten. Doch vorher wurde es noch einmal schmutzig. Quelle: Jana Franke

Spontane Entscheidung in der Hofpause

Eine zweite Runde? Nun ja, schon vor ihrem Start stand für Denise Malchow, Jessica und Franziska Behning, Anika Sander, Mandy Schreiber und Jeannine Koch fest, dass es die nicht geben wird. „Wir müssen erst einmal die acht Kilometer schaffen“, sagte Anika Sander gut gelaunt. Alle Sechs lassen sich zu Altenpflegerinnen ausbilden und kennen sich aus der Berufsschule in Schwerin. In der Hofpause hatten sie sich vor drei Monaten entschieden, bei dem Event anzutreten. Für die Teilnahme ließen sie sich extra Shirts anfertigen, auf denen ihre Berufsbezeichnung zu lesen ist.

Gingen als Team an den Start: (hinten v.l.) Bryan Pansch, Denise Malchow, Jessica und Franziska Behning, Anika Sander, Steven Heuser, (vorne v.l.) Mandy Schreiber und Jeannine Koch. Quelle: Jana Franke

Für die Schlammschlacht hatten nicht alle trainiert. „Ich mache Springreiten“, meinte Franziska Behning und tat, als ob ihr ein Licht aufgehe: „Stimmt, ich hätte mein Pferd mitbringen sollen“, scherzte sie und ergänzte lachend: „Am meisten habe ich eigentlich Angst davor, dass meine Hose reißt.“ Unvorbereitet ging auch Jeannine Koch an den Start. „Der Beruf ist anstrengend genug und mein kleines Kind hält mich auch auf Trab. Das schaffe ich schon“, ging sie die Sache locker an. Für den Start hatte sie sich extra billige Turnschuhe gekauft. „Die kann ich wahrscheinlich danach wegwerfen.“ Just for Fun – darum ging es den jungen Damen. Am Ende war es ihnen auch allen egal, wann sie angekommen. Es sollte eben nur noch am selben Tag sein. „Ich gebe es zu, so recht wissen wir nicht, was auf uns zukommt“, erklärte Anika Sander.

18 Kilometer in anderthalb Stunden

Als die Mädels starteten, war Benjamin Bauer bereits im Ziel. Der 29-Jährige reiste aus Hamburg an und lief nach 18 Kilometern schaumbedeckt über den Platz, auf dem der Start und der Zieleinlauf war. Seine letzte Hürde war die Rutsche, die in ein Schaumbad führte – nur keines, das an die gemütliche Badewanne zu Hause erinnert. Über die sozialen Medien hatte er von Mudder Island erfahren und sich spontan angemeldet. Auf Poel war er das erste Mal dabei. Er bewältigte die Strecke alleine und war nach einer Stunde und 35 Minuten aus seiner Startergruppe der Erste, der durchs Ziel lief. Alle 30 Minuten gingen Teilnehmer an den Start, um die große Anzahl an Teilnehmern ein wenig zu entzerren und Staus an den Hindernissen zu vermeiden. Und was tut nach den 18 Kilometern am meisten weh. „Die Oberschenkel“, sagte Benjamin Bauer und rieb sich wie zum Beweis einmal darüber. „Ich bin ganz schön fertig!“ Aber für ein Foto krabbelte er dann doch noch einmal die meterhohe Holzwand hoch. Respekt!

Schaffte die 18 Kilometer in einer Stunde und 35 Minuten: Benjamin Bauer aus Hamburg. Quelle: Jana Franke

Den hatten übrigens auch Madlen Kreplin (36) und Julia Olbrich (37) aus Greifswald vor der Strecke. Sie nahmen sich ebenfalls die 18 Kilometer vor und trainierten dafür ein Jahr – sogar mit persönlichem Trainer: Mike Bergemann. Der 44-Jährige war durchaus zufrieden mit dem Duo. „Sie schlagen sich wacker“, erklärte er. Auch die Mädels selbst waren mit sich zufrieden. Madlen Kreplin hatte zwar mitunter mit den „krassen Höhen“ der Hindernisse zu tun, „aber Aufgeben gibt es nicht“, sagte sie erhobenen Hauptes und Julia Olbrich ergänzte: „Immer dranbleiben!“

Zum ersten Mal dabei: Julia Olbrich und Madlen Kreplin aus Greifswald. Quelle: Jana Franke

Der schmutzigste Job des Tages

Gerade hatten sie sich mit einem Seil von Strohballen über ein Wasserloch ans rettende Ufer geschwungen. Abgesichert wurde dieses Hindernis von Aurora Trautmann und Natascha Lange (beide 19) aus Neumünster. Sie hatten den wohl schmutzigsten Job an dem Tag, denn mit nackten Füßen mussten sie ins knietiefe Schlammloch, um die Seile wieder zu positionieren, damit die Teilnehmer auf den Strohballen nur noch nach ihnen greifen mussten, bevor sie Tarzan spielten. Ekel vor dem nicht einsehbaren Grund durften sie jedenfalls nicht verspüren.

Hatten den wohl schmutzigsten Job: Natascha Lange (l.) und Aurora Trautmann. Quelle: Jana Franke

Mia Prill (10) und ihr kleiner Bruder Paul (5) leisteten den beiden jungen Frauen Gesellschaft. „Ich würde auch gern mal ins Schlammloch und die Seile holen“, erklärte Mia. Also nicht mitmachen? „Vielleicht irgendwann mal“, meinte sie. Jetzt sei sie erst einmal nur zum Anfeuern da – wie jedes Jahr. „Ich habe heute mal versucht, die Halfpipe hochzukommen. Das war aber dann doch zu hoch.“

Apropos hoch: Wie hoch ist das Hochzeitskleid von Theresa Görth geschnitten? „Da wir die Teilnahme hier schon lange geplant hatten, habe ich mir extra ein Kleid mit Ärmeln gekauft, damit mögliche blauen Flecken nicht zu sehen sind“, gab die zukünftige Braut lachend zu. Ein Hindernis ließ sie aus. Da war die Angst dann doch zu groß, sich das Bein zu verstauchen und auf Krücken das Ja-Wort zu geben oder gar auf den Hochzeitstanz zu verzichten. Stresstest vor dem Ringtausch, den dann doch niemand braucht.

Von Jana Franke