Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar NPD-Aufmarsch in Wismar: Route ist für Tiko-Bewohner Provokation
Mecklenburg Wismar NPD-Aufmarsch in Wismar: Route ist für Tiko-Bewohner Provokation
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:07 24.04.2019
Das „Tikozigalpa" in Wismar Quelle: Haike Werfel
Anzeige
Wismar

Der Landesverband der NPD Mecklenburg-Vorpommern hat zum 1. Mai einen Aufmarsch in der Hansestadt Wismar angemeldet. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist es nicht auszuschließen, dass die Route am alternativen Wohn-und Kulturprojekt „Tikozigalpa“ (Tiko) in der Dr.-Leber-Straße vorbeiführt. In der Vergangenheit ist das Projekt mehrfach Angriffsziel rechter Gewalt gewesen. Die Bewohner sind empört.

Sachbeschädigungen und Körperverletzungen

„Sollten sich die aktuellen Informationen bestätigen, sehen wir die Routenführung seitens der Neonazis als Provokation an“, sagt Elisabeth Barber, eine Mitwirkende des Projektes. Die zuständige Ordnungsbehörde hätte das nicht genehmigen dürfen. Die Angriffe in den vergangenen Jahren reichten von kleineren Sachbeschädigungen, wie Neonazi-Aufkleber an der Fassade des Wohnprojektes oder Fahrzeugen der Bewohner, bis hin zu Körperverletzungen gegen Gäste bei Veranstaltungen. Bei einem der Angriffe wurden nachts Glasflaschen sowie Steine gegen die Fensterscheiben der Bewohner geworfen. Täter seien bislang nicht gefasst worden, berichtet Elisabeth Barber. Doch sie und ihre Mitstreiter würden sich nicht einschüchtern lassen.

Anzeige

Nachbarschaftsfest im Vorgarten

Das „Tikozigalpa“-Team plant für den Tag ab 9 Uhr ein Nachbarschaftsfest im Vorgarten. Man wolle die unmittelbare Nachbarschaft und alle anderen Bewohner Wismars, die ebenfalls ein Problem mit dem bevorstehenden NPD-Aufmarsch haben, nicht alleine lassen, sagen sie. Es sei ihre Gegenprotest-Veranstaltung: „Von uns wird an dem Tag keine Eskalation ausgehen. Wir werden unsere Türen öffnen und ein friedliches Fest feiern. Wir erklären uns solidarisch mit allen, die ebenfalls dem NPD-Aufmarsch entgegentreten", so Elisabeth Barber.

Marsch durch die Hansestadt

Es ist der erste NPD-Aufmarsch in der Hansestadt seit sieben Jahren. Der letzte wurde am 20. Oktober 2012 von der Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ organisiert. Treffpunkt der Neonazis ist ab 12 Uhr am Bahnhof. Von dort marschieren sie durch die Hansestadt. Es sind verschiedene Gegendemonstrationen geplant. Vor allem im Bereich der Altstadt kommt es zu Verkehrsbehinderungen.

Aktionen für ein friedliches Miteinander

Das Bündnis „Wismar für alle“ - ein Zusammenschluss von Zivilgesellschaft, Kirchgemeinden, Vereinen und Verbänden, Gewerkschaften sowie Parteien - lädt am 1. Mai zu verschiedenen Aktionen für ein friedliches Miteinander ein. Auftakt ist um 11 Uhr in der Heiligen-Geist-Kirche. Dort findet das inzwischen zweite politische Friedensgebet „Über Religionen hinaus“ statt. Organisiert wird es von Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche sowie vom Islamischem Bund und der Zivilgesellschaft. Anschließend beginnt um 12 Uhr am Bahnhof eine Demonstration durch die Altstadt - über den Markt bis hin zum Alten Hafen. Dort ist gegen 14.30 Uhr vor dem Thormann-Speicher die Abschlusskundgebung geplant. Außerdem öffnet das Filmbüro Wismar an der Bürgermeister-Haupt-Straße ab 12 Uhr seinen Garten für ein Friedensfest. Zudem laden die evangelischen Kirchengemeinden ab 12 Uhr zur Besichtigung der Kirchen in allen Stadtteilen ein.

Mehr Infos:

Großdemo: NPD marschiert am 1. Mai durch Wismar

Erneut Angriff auf das „Tiko“ in Wismar

Villa des Wohn- und Kulturprojekts Tiko beschmiert

Kerstin Schröder

Anzeige