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Wismar Blick in Wismars Brandruine
Mecklenburg Wismar Blick in Wismars Brandruine
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16:53 20.12.2018
Blick auf die beiden Brandruinen: Die Stahlträger bewahren die Fassaden vor dem Einsturz. Quelle: Kerstin Schröder
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Wismar

Horst Ruhnke schaut sich auf seiner spektakulärsten Baustelle um: der Brandruine am Wismarer Marktplatz. Überall liegen verkohlte Holzstücke, zerstörte Ziegel und kaputte Möbelstücke herum. Der Chef der gleichnamigen Stahlbau-Firma steht im Erdgeschoss des Gebäudes. Früher sind dort viele Kunden in einem Modegeschäft und in einem Asia-Imbiss ein- und ausgegangen. Heute riecht es nicht mehr nach Ente süß-sauer, sondern nach Asche und nassem Schutt. An der Decke kleben noch die unversehrten Preisschilder – von Chili Garnelen für 6,50, Ente oder Ente Orange für 6 Euro. Tische und Stühle gibt es nicht mehr. Im Modegeschäft daneben sieht es anders aus: Die meisten Regale und Bügel sind weiterhin bestückt mit Blusen, Schuhen und Shirts. Und bis auf einige schwarze Stellen an den Wänden lässt auf den ersten Blick nichts an einen Brand vermuten, der so verheerend war, dass zwei denkmalgeschützte Giebelhäuser dabei fast komplett vernichtet wurden.

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Doch ein Stockwerk höher herrscht Chaos: Horst Ruhnke steht im Flur, an einer Wendeltreppe aus Holz. Um ihn herum liegt ein Wirrwarr von verkohlter Dämmung, durchgebrochenen Brettern, Papieren und Folie. Viel Platz zum Gehen ist nicht. Auch dort nicht, wo sich früher die Wohnungen und die Räume einer Arztpraxis befunden haben. Die meisten Fußböden und Decken sind weg. Dafür sind lange Stahlträger von einer Hausecke zur anderen verlegt und befestigt worden. „Das ist eine sogenannte Innengurtung, damit sichern wir die Wände“, erklärt Horst Ruhnke. Seine Mitarbeiter sind seit Anfang Oktober damit beschäftigt, das Gebäude vor dem Einsturz zu sichern. Dafür haben sie zunächst mehrere Stahlträger vor den Fassaden angebracht – und danach im Inneren des Hauses. Gestern haben sie die Arbeiten erst einmal abgeschlossen.

So sieht es nach dem Altstadt-Brand in einem der beiden zerstörten Giebelhäuser aus

Ruhnkes Firma ist zuständig für die Brandruine, die sich am Wismarer Marktplatz direkt neben der Deutschen Bank befindet. Das Geldinstitut hat im April, als das Feuer fast 48 Stunden lang wütete, Glück gehabt: Eine Brandschutzwand verhinderte das Übergreifen des Feuers. „Wir haben die Wand eingebaut, sie hat ihren Zweck erfüllt“, sagt Ruhnke stolz. Zum angrenzenden Eckhaus in der Mecklenburger Straße hat es eine solche Wand nicht gegeben – deshalb sind die Flammen auch dort hingelangt. Mit fatalen Folgen: Drei Tage lang mussten die Feuerwehrleute zunächst den Brand und dann immer neue Glutnester bekämpfen. Viele Wehren der Region und das Technische Hilfswerk (THW) wurden zur Unterstützung angefordert. Doch am Ende blieben nur noch die historischen Fassaden übrig. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Euro (die OZ berichtete). Die Polizei geht von Brandstiftung aus – der Täter ist noch nicht gefunden. Er oder sie soll Plastikplanen im Flur des Gebäudes angezündet haben – im Erdgeschoss des Imbisses. Ruhnke zeigt mit dem Finger auf die Stelle. Viel zu sehen ist nicht. „Das Verheerende hat sich darüber abgespielt“, sagt er.

Die Stahlträger, die seine Firma seit Oktober aufgebaut hat, ersetzen das provisorische Holz-Korsett. In das ist das Giebelhaus kurz nach dem Brand von Mitarbeitern des THW gesteckt worden, damit es nicht zusammenfällt. Auch das angrenzende Eckhaus hat so ein Korsett bekommen und nun ebenfalls ein Stahlgerüst bis hoch zum Dach. Über beiden Gebäuden thront ein gelber Kran. Er wird noch einige Zeit stehen bleiben. Denn die Brandruinen sollen eine Überdachung bekommen – voraussichtlich im Januar. Darunter werden dann Arbeiter damit beschäftigt sein, die Ruinen abzutragen und wieder aufzubauen, damit sie irgendwann wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen.

Die Sperrung der Mecklenburger Straße soll voraussichtlich am 21. Dezember aufgelöst werden, eine endgültige Entscheidung will die Stadtverwaltung am Vormittag fallen. Für Ruhnke ist das Projekt für dieses Jahr abgeschlossen. Seine Firma hat mit dem Abstützen von wertvollen denkmalgeschützten Gebäuden Erfahrung. Sie ist schon für das Stadtgeschichtliche Museum der Hansestadt Wismar, das Schabbellhaus und für das Technische Landesmuseum Phantechnikum im Einsatz gewesen. Doch die Brandruine ist schon etwas Besonderes: „Das ist ein gefährlicher Arbeitsplatz.“

Kerstin Schröder

20.12.2018
19.12.2018
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