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Wismar Nach der Sturmflut in Wismar – das große Aufräumen
Mecklenburg Wismar Nach der Sturmflut in Wismar – das große Aufräumen
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17:23 03.01.2019
Christian Bütow schleppt am Tag nach dem Hochwasser Sandsäcke wieder am Lohberg weg. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

Tausende Sandsäcke sollten die Wismarer Altstadt rund um den Alten Hafen vor der Sturmflut vom 2. Januar schützen. Letztendlich hat die Berufsfeuerwehr Wismar einen Höchststand von 6,91 Meter gemessen. Das war zwischen 17.03 Uhr und 17.10 Uhr. Normal ist ein Wasserstand von fünf Metern im Alten Hafen. Damit hat die Hansestadt Wismar einen brisanten Rekord in Mecklenburg-Vorpommern aufgestellt. Nirgends im Land stieg das Wasser auf einen solch hohen Pegel. Die Folge waren nicht nur überschwemmte Straßen und Wege. Auch Keller liefen voll, Boote und Schiffe mussten stärker gesichert werden, Bürgersteige wurden unterspült. Dennoch ist das Hochwasser glimpflich für die Wismarer ausgegangen.

Dirk Sawiaczinski, stellvertretender Leiter der Wismarer Berufsfeuerwehr, zieht Bilanz: „Wir haben am Mittwoch im Laufe des Tages 1600 Sandsäcke ausgegeben. Zum Bereich des Alten Holzhafens haben wir auch um 20.49 Uhr noch einmal Sandsäcke gebracht.“ Allein 2500 Säcke haben den Bereich um die Runde Grube geschützt – dort waren vorher schon welche vorrätig. Jeweils weitere 400 wurden zunächst für die Altstadt und die Rabenstraße besorgt.

Lediglich ein Keller musste von der Wehr ausgepumpt worden – gegen 20 Uhr in der Poeler Straße. „Zu diesem Zeitpunkt stand das Wasser noch sehr hoch.“ Ein Abpumpen weiterer Keller wäre so wenig sinnvoll gewesen. „Wir hätten sonst im Kreis gepumpt“, erklärt Sawiaczinski. Marco Trunk, Sprecher der Hansestadt Wismar, ergänzt: „Natürlich sind weitere Keller mit Wasser vollgelaufen. Viele haben aber einen Ablauf, sodass nicht gepumpt werden muss.“

Insgesamt waren 78 Feuerwehrleute der Berufs- und freiwilligen Wehren im Einsatz – zunächst bis 14.30 Uhr. „Um 15.16 Uhr lief die Maschinerie dann ein zweites Mal an, als das Wasser noch einmal begann zu steigen“, berichtet Dirk Sawiaczinski. Gegen 20 Uhr waren die Einsätze der Feuerwehr beendet. Auch danach habe es keine Hochwasser bedingten Einsätze mehr gegeben. Lediglich zu einem Mülltonnenbrand in der Nacht mussten die Retter noch einmal ausrücken.

Am Tag nach dem Hochwasser begann das große Aufräumen. Eigentümer nahmen die Schäden an Häusern in Augenschein. Tatjana Scholz hatte sich Gummistiefel angezogen und wischte mit mehreren Lappen das Wasser im Büro „Habitat Hausverwaltung“ am Eckhaus Claus-Jesup-Straße/Fischerreihe weg. Am Tag zuvor hatte sie wie ihr Vater Michael mit hochgekrempelten Hosen und Schuhen in der Hand das Haus verlassen. „Das es so schlimm wird, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Tatjana Scholz und drückt einen weiteren Lappen voller Wasser aus.

Große Schäden nach dem Hochwasser in Wismar

Am Lohberg schleppt Christian Bütow Sandsäcke wieder weg. Etwa 50 Stück lagen vor seiner Werkstatt. „Schreiben Sie auch, dass die Behörden versagt haben? Ich habe keine Information vom Hochwasser bekommen.“ Am Dienstag, so die Information der Stadt, seien die Anwohner über das Alarmierungssystem „fact24“ informiert worden. Je nach Wunsch per Telefon, Mail oder Fax. Angeblich soll eine Mail verschickt worden sein, sagt Christian Bütow. Vermerkt sei der mit einem Anruf. Den habe er nicht bekommen. Außerdem kritisiert er, dass die Sirene am Mittwoch ausgelöst wurde, als das Hochwasser längst da war. Er hätte sich gewünscht, dass frühzeitig über Lautsprecher Durchsagen erfolgt wären, dann hätten vielleicht mehr Autos frühzeitig in Sicherheit gebracht werden können. „Auch die Container mit den Sandsäcken hätten früher da sein müssen.“

Der Hafen in Kirchdorf auf der Insel Poel ist noch einen Tag nach dem Hochwasser vom 2. Januar überspült. Quelle: Michaela Krohn

Auf der Insel Poel waren einen Tag nach dem Hochwasser noch die Nachwirkungen zu spüren. Während das Wasser im Hafen von Kirchdorf zwar wieder gesunken war, war der Festplatz noch komplett überspült – für einige Spaziergänger immerhin eine Attraktion im sonst zu dieser Jahreszeit so beschaulichen Kirchdorf. Die freiwillige Feuerwehr ist am Tag des Hochwassers bis in den späten Abend stündlich auf Kontrollfahrt über die Insel im Einsatz gewesen.

Angespült hat der Sturm in der Wohlenberger Wiek neben viel Seegras auch eine Menge Plastikmüll – darunter Deckel von Getränkeflaschen, Eislöffel, Plastikbecher und viele Schnipsel, die einmal zu Verpackungen von Süßigkeiten gehörten. Die Aufräumarbeiten an den Stränden Nordwestmecklenburgs werden so noch eine Weile dauern. Zudem wurde viel Strandsand durch die Sturmflut abgetragen – wie beim Hochwasser vor knapp zwei Jahren.

Michaela Krohn und Heiko Hoffmann

Für viel Gesprächsstoff hat das Polizeiauto gesorgt, das am Mittwoch beim Hochwasser in Wismar „baden“ ging. Nun ist es doch kaputt in der Werkstatt.

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