Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Neukloster: 800 bunte Fensterbilder zum 800. Geburtstag
Mecklenburg Wismar Neukloster: 800 bunte Fensterbilder zum 800. Geburtstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:37 28.01.2019
In der Klosterkirche zeigten die Künstlerin Christine de Boom (mit Hut) und die Kinder am Sonntagnachmittag die Kunstwerke des Projektes "800 Fenster zum Himmel für Neukloster". Die Kinder waren Feuer und Flamme und zeigten großes Interesse an Kunst und Geschichte.“ Quelle: Norbert Wiaterek
Anzeige
Neukloster

Wer durch Neukloster geht oder fährt, wird bemerken, dass einige Hausfenster und -wände mit bunten Folien beklebt sind. Diese sind das Ergebnis eines besonderen Kunstprojektes mit dem Titel „800 Fenster zum Himmel für Neukloster“. 22 Kinder hatten sich unter Anleitung von Christine de Boom mit den bunten Fenstern der Klosterkirche beschäftigt. Diese mehrere Jahrhunderte alten Glasmalereien, der größte Schatz der Kirche, dienten als Vorbild für neue Fenster.

Christine de Boom, Künstlerin und Fotografin aus Klein Görnow bei Sternberg, hatte sich seit September vergangenen Jahres zweimal in der Woche mit den Mädchen und Jungen im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde getroffen, wo gemeinsam gewerkelt wurde (die OZ berichtete). Unter dem Motto „Wir können Kunst!“ arbeiteten die Kinder der ersten bis sechsten Klassen an Vorlagen für Aufkleber, die rechtzeitig zum diesjährigen Doppeljubiläum „800 Jahre Kloster am Sonnenkamp – 800 Jahre Neukloster“ angebracht werden sollen. „Am Anfang stand die Frage, wie stellt man Zeit dar? Oder wie kann man begreifen, was 800 Jahre bedeuten?“, so die Künstlerin über das „sehr umfangreiche und eigentlich nur für zwölf Kinder geplante Projekt“. Es wurde von der Stadt Neukloster, dem Museumsverein und der Kirchengemeinde unterstützt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. „Wir ließen Farbe laufen, überlegten uns die Farben für das eigene Fenster, entwickelten Symbole, zum Beispiel für Nächstenliebe oder vom Kloster oder aus der Stadt Neukloster“, berichtete Christine de Boom, die Mitglied beim Bundesverband Bildender Künstler ist, über das Projekt, das sie am Sonntagnachmittag nach einer Andacht vorstellte. „Die Kinder kletterten auf Leitern, um näher an die bleiverglasten Kirchenfenster heranzukommen, und sie schauten durch ein Teleobjektiv, um die Symbole zu erkennen. Wir waren auf zwei Exkursionen, in der Glaserei Brügemann in Schönfeld Mühle, die Bleiverglasungen macht, und bei der Künstlerin Daniela Melzig in Rothen, wo wir Drucke auf Glas geübt haben. Jedes Kind hat dann sein Bild aus den besten Einzelteilen zusammengesetzt. Die Kinder waren Feuer und Flamme und zeigten großes Interesse an Kunst und Geschichte.“ Entstanden sind 28 neue Mini-Kirchenfenster, jedes 20 mal 60 Zentimeter groß. Zusätzlich wurden diese auf 25 mal zehn Zentimeter verkleinert und auf 800 Folien aufgebracht.

Anzeige
Vorbild für die Kinder: Das Kirchenfenster in der Klosterkirche Neukloster. Quelle: Norbert Wiaterek

Die Fensterbilder bestehen jeweils aus drei Teilen. Im oberen sind Symbole zu sehen, die zu Neukloster passen und auch an die heilige Elisabeth erinnern, etwa eine helfende Hand, Rosen, die Wartburg, eine Krone, eine Sonne. In der Mitte steht „800 Jahre (1219-2019) Neukloster“. Im unteren Teil geht es mit vielen Farben und Ornamenten weiter. Die heilige Elisabeth nimmt in der Gemeinde einen besonderen Stellenwert ein, denn auf einem Kirchenfenster ist die Prinzessin Elisabeth von Thüringen zu sehen, die sich vor allem für Arme und Kranke einsetzte und vier Jahre nach ihrem Tod 1231 heiliggesprochen wurde.

Die Kinder waren Feuer und Flamme und zeigten großes Interesse an Kunst und Geschichte.“ Künstlerin Christine de Boom, Leiterin des Projektes "800 Fenster zum Himmel für Neukloster". Quelle: Norbert Wiaterek

Etwa 150 Kirchenbesucher erlebten nach der Sonntagsandacht, wie die Kinder Alexander, Lea, Meggi, Marlene, Mare, Matilda, Ida, Theo, Wanda, Gillian, Jonah, Endric, Emily, Luise, Paul, Alicia, Carl, Pia, Anna-Lina, Hugo, Freerik und Miriam sowie einige Erwachsene Stelen mit den 28 "neuen" Kirchenfenstern in den Altarraum trugen. Im benachbarten Gemeindehaus wechselten später viele der 800 Fenster-Folien gegen eine Spende von mindestens einem Euro den Besitzer. Laut Christine de Boom sind die Folien, die sich leicht anbringen und übrigens wieder gut ablösen lassen, nun in der Tourist-Info in Neukloster und in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde erhältlich.

Kunstwerke des Projektes "800 Fenster zum Himmel für Neukloster". Quelle: Norbert Wiaterek

„Es hat viel Spaß gemacht, die Bilder zu gestalten“, sagte Pia (10) aus Nakenstorf. „Ich bin traurig, dass das Projekt jetzt schon endet.“ Carl (8) aus Neukloster berichtete: „Ich war nicht nur künstlerisch tätig, sondern habe ich viel über die Geschichte der Stadt gelernt. Meine Folie klebe ich ans Fenster meines Kinderzimmers.“

Norbert Wiaterek