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Wismar Neukloster: Gleich drei Geschäfte schließen – Einwohner fürchten um Infrastruktur
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Neukloster: Gleich drei Geschäfte schließen – Einwohner fürchten um Infrastruktur

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18:22 21.09.2021
Das Unternehmen Jacob Cement Baustoffe hat seine Filiale in Neukloster geschlossen (linkes Foto). Auch der angrenzende Getränkemarkt streicht die Segel – sehr zum Bedauern von Ramona Heinrich von Zubes Blumenwelt.
Das Unternehmen Jacob Cement Baustoffe hat seine Filiale in Neukloster geschlossen (linkes Foto). Auch der angrenzende Getränkemarkt streicht die Segel – sehr zum Bedauern von Ramona Heinrich von Zubes Blumenwelt. Quelle: Jana Franke
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Neukloster

Mit zwei Kisten leeren Wasserflaschen in den Händen geht Werner Zühlke schnurstracks auf den Getränkemarkt zu. Doch die Schiebetür öffnet sich nicht. Seit Montag ist Getränkeland in der Pernieker Straße geschlossen. Der Filialleiter und seine Mitarbeiter sind dieser Tage dabei, die Regale zu räumen. Unverrichteter Dinge muss der 67-jährige Urlauber wieder abziehen. Er ist jedes Jahr in der Gegend und der Getränkemarkt immer ein Anlaufpunkt. „Schade“, sagt Werner Zühlke. „Das war immer sehr bequem für uns und die Mitarbeiter immer sehr nett.“ Dem pflichtet Bernhild Lentz bei. „Die Mitarbeiter haben mir die Kisten immer zum Auto gebracht, waren freundlich und hilfsbereit.“ Umso größer ist jetzt die Enttäuschung, dass es den Service für sie nicht mehr geben wird.

Kein Abschied für immer?

Die Entscheidung, in Neukloster die Segel zu streichen, bedauert Geschäftsführer Fabian Heidebrecht sehr. „Mecklenburg-Vorpommern ist unsere Heimat“, erklärt er. Aber in Neukloster sei der Getränkemarkt am Ende nicht wirtschaftlich gewesen. „Die Filiale ist zu klein und die Umsätze dadurch zu gering. Wir brauchen mindestens 200 bis 250 Quadratmeter Verkaufsfläche mehr“, führt er aus. Zwar sei bereits ein Container als zusätzliche Lagerfläche aufgebaut worden, aber das reiche nicht. „Leider haben wir in Neukloster keinen Alternativstandort gefunden“ und an Ort und Stelle sei keine Vergrößerung mehr möglich.

Mit der Schließung des Getränkemarkts gibt es auch keine Postfiliale mehr in Neukloster. Quelle: Jana Franke

Sehr bewegt habe ihn die Unterschriftenaktion, die Anwohner für den Erhalt des Getränkelandes starteten. „Es tut im Herzen weh, aber der Kostendruck ist hoch“, bittet er um Verständnis. „Wir hoffen, dass es kein Abschied auf ewig ist und halten unsere Augen offen.“ Die nächsten Filialen sind in Bützow und Wismar. Auf die wird ein Großteil der Mitarbeiter, die in Neukloster tätig waren, verteilt.

Auch Postfiliale schließt

Aber es kommt noch dicker für alle Neuklosteraner: Mit dem Getränkeland schließt auch die Postfiliale. Seit mehreren Jahren arbeitete die Deutsche Post auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages mit dem Unternehmen zusammen. Im Getränkeland waren Postdienstleistungen und Produkte im Auftrag der Deutschen Post angeboten worden. Mit der Schließung ist auch das Vertragsverhältnis mit der Deutschen Post beendet.

„Wir sind auf der Suche nach einem neuen Partner in Neukloster“, bestätigt Stefan Laetsch, Pressesprecher bei der Post. Bedingungen gebe es aber dafür. „Interessenten sollten über ein gut erreichbares Hauptgeschäft verfügen, welches möglichst durchgehend geöffnet sein sollte. Die Partner sind jeweils verantwortlich für Betrieb und Personal.“ Mit der Schließung der Filiale empfiehlt er, die Packstation in der Burgstraße 1 in Neukloster zu nutzen. „Dort können Kunden an sieben Tagen in der Woche durchgehend frankierte Pakete verschicken oder abholen.“

Gerd Schäfer: „Die Schließung der Postfiliale ist ein Verlust für Neukloster.“ Quelle: Jana Franke

Am alten Standort in der Pernieker Straße befindet sich weiterhin ein Briefkasten. Die nächsten Postfilialen sind in Warin, Neuburg, Kritzow, Ventschow, Wismar und Brüel. „Das ist eine Katastrophe“, umschreibt es Bernhild Lentz. „Ich bin sehr enttäuscht, wie sich die Stadt entwickelt“, resümiert sie. Nicht jeder ist mobil und könne über Land fahren. Als einen Verlust sehen auch Gerd Schäfer und Hartmut Lidke die Schließung des Getränkemarktes und der Postfiliale an. „An der Unterschriftenaktion habe auch ich mich beteiligt“, sagt Gerd Schäfer. Geholfen hat es aber nicht.

Laufkundschaft fehlt

Von der Schließung des Getränkelandes betroffen sein könnte auch das Geschäft Zubes Blumenwelt in unmittelbarer Nachbarschaft. „Es fehlt die Laufkundschaft. Heute war es irgendwie schon gruselig“, sagt Angestellte Ramona Heinrich am ersten Tag der Schließung des Getränkemarktes. „Ob das so bleibt, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.“ Es habe dann doch der eine oder andere den Kauf von Getränken mit einem Besuch im Blumengeschäft verbunden. Die Post habe nachgefragt, ob die Filiale nur eine Tür weiterziehen in Blumengeschäft könnte. „Aber wir sind schon so ausgelastet, auch mit Hermes, dass es uns nicht möglich war“, bedauert Ramona Heinrich.

Ramona Heinrich, Angestellte in Zubes Blumenwelt: „Wir hoffen, dass die Schließung des Getränkemarktes unser Geschäft nicht zu sehr beeinflusst. Aber die Laufkundschaft fehlt nun leider.“ Quelle: Jana Franke

Die Entwicklung der Infrastruktur sieht auch sie kritisch. „Es ziehen viele junge Leute her, und dann schließen viele“, sagt sie mit Blick auf den nur wenige Hundert Meter entfernten Baumarkt Jacob Cement Baustoffe. Denn auch der hat zum vergangenen Wochenende den Betrieb eingestellt. „Es bleibt die Hoffnung, dass sich wieder alles zum Guten wendet“, sagt Ramona Heinrich.

Der Baumarkt ist seit 2014 in Neukloster ansässig. In Norddeutschland gibt es insgesamt 16 Standorte. Nicht zuletzt auch durch den Niederlassungsleiter Benjamin Kurek und sein Team habe sich das Geschäft in Neukloster positiv entwickelt, resümiert Boy Meesenburg, Inhaber der Jacob Sönnichsen AG, zu der der Baumarkt gehört. „Trotzdem blieb die Nachfrage aus dem direkten Einzugsgebiet nicht ausbaufähig“, ergänzt er. Zudem habe sich Benjamin Kurek entschieden, das Unternehmen zu verlassen. „In diesem Zusammenhang wurde uns deutlich, dass uns eine nachhaltige Perspektive für die Gewinnung von Mitarbeitern in Neukloster fehlt“, bedauert Boy Meesenburg. Die Geschäftsführung habe allen Mitarbeitern ein Arbeitsplatzangebot am Standort Schwerin unterbreitet.

Von Jana Franke