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Wismar Neuklosters Kirche bekommt ein neues Dach
Mecklenburg Wismar Neuklosters Kirche bekommt ein neues Dach
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10:16 10.11.2019
Bauarbeiten an Neuklosters Kirchendach: Das Türmchen drohte abzustürzen. Quelle: Kerstin Schröder
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Neukloster

„Können Sie die Höhe ab?“ Frank Thoms schaut fragend zu seiner Besuchergruppe. Alle nicken ihm zu. Dann geht sie los – die Fahrstuhlfahrt zum Dach der Neuklosteraner Kirche. Langsam bewegt sich der Lift, den eigentlich die Bauarbeiter benutzen, nach oben. Er hat ein hüfthohes Geländer, Wände und Decke gibt es nicht. Dafür aber einen atemberaubenden Ausblick über die Stadt. In dessen Genuss kommen sonst nur Bauleiter Frank Thoms und die Dachdecker. Letztere verlegen in luftiger Höhe jede Menge rote Mönch-und-Nonne-Ziegel – auf insgesamt 520 Quadratmetern. Erst ist der Chor dran, danach das Südschiff.

So sieht es auf und unter dem Kirchendach aus

Türmchen drohte abzustürzen

Neuklosters Kirche ist für die Arbeiten eingerüstet. Quelle: Kerstin Schröder

Das Dachwerk der einstigen Klosterkirche stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und gehört zu den größten romanischen Dachwerken in Norddeutschland. Seit mehr als 770 Jahren schützt es das Kirchenschiff. Zwar hat es in der ganzen Zeit immer wieder mal Reparaturen gegeben, aber keine umfangreiche Sanierung. Deshalb sind die Schäden umso größer. Das kleine Türmchen, das oben alles überthront, war derart marode, dass „es drohte umzukippen und abzustürzen“, berichtet der Bauleiter. Das Holz sei verfault gewesen, das Blech rissig. Doch mit Unterstützung großartiger Handwerker sei es gelungen, das Türmchen zu retten. Dafür haben sich die Arbeiter von unterhalb des Daches nach oben gearbeitet. „Wir haben Hilfsstützen eingebaut“, ergänzt Thoms. Er zeigt seinen Besuchern alles hautnah, geht mit ihnen über das Baugerüst und dann ins Dachgebälk. Dort gibt es viele Holzbalken in unterschiedlicher Länge und Dicke. Sie halten das Dach.

Werbung für Geld vom Bund

Die Gäste sind beeindruckt. Unter ihnen ist der Bundestagsabgeordnete Frank Junge (SPD). Er wirbt beim Bund regelmäßig Geld für die Kirchen in Nordwestmecklenburg ein – in Kooperation mit den Kirchengemeinden und der Landeskirche. „Sie wissen am besten, wo die Bausubstanz so schlecht ist, dass dringend gehandelt werden muss“, erklärt Junge. Kirchen seien nicht nur Denkmäler und damit architektonische Besonderheiten, die erhalten werden sollten. Sie seien außerdem in vielen Orten Treffpunkte für das gemeinschaftliche Leben. „Dort wird der Zusammenhalt untereinander gefördert, das ist in der heutigen Zeit sehr wichtig“, betont er.

Jedes Jahr trifft sich Frank Junge mit Pastoren und Bausachverständigen der Kirche, um sich einen Eindruck und einen Überblick zu verschaffen. Diesmal ist er in Neukloster gewesen und anschließend noch in der Kirche Neuburg. Die ist eine der ältesten Dorfkirchen in Mecklenburg und befinde sich in einem kritischen Zustand. „Fundamente sacken weg, die Statik ist wackelig“, berichtet Junge. In Neuburg müsse schnell etwas passieren.

300 000 Euro gibt es aus Berlin

Die einschiffige Backsteinkirche „St. Maria am Sonnenkamp“ Neukloster ist schon etwas weiter. Das größte Sorgenkind, der mittelalterliche Dachstuhl, wird aufwendig saniert – mit finanzieller Unterstützung aus Berlin. 300 000 Euro hat der Haushaltsausschuss des Bundestags im Jahr 2016 als Mittel für den Denkmalschutz freigegeben. Im Juli dieses Jahres ist sie „Kirche des Monats“ der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland geworden und hat dafür weitere 10 000 Euro für die Sanierung des Dachstuhls erhalten. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 364 000 Euro.

Dass große Bauvorhaben Geduld erfordern, ist für die Neuklosteraner nicht neu. Die Erfahrung haben sie beim Brand des Glockenturms gemacht. Am 12. Februar 1989 stand der Anfang des 15. Jahrhunderts erbaute Turm neben der Kirche in Flammen. Das Feuer war so heftig, dass die Glocken von 1461 und 1752 abstürzten und schwer beschädigt wurden. Mit dem Wiederaufbau konnte erst 1994 begonnen werden. 1999, also zehn Jahre nach dem Brand, setzte die Bauunion Wismar die Turmhaube auf. Die Kosten damals: 400 000 Euro.

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