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Wismar Nevern: Tonnenweise Hühnerkot am Feld abgeladen
Mecklenburg Wismar Nevern: Tonnenweise Hühnerkot am Feld abgeladen
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14:22 07.08.2019
Hilmar Dettenborn an dem riesigen Lagerhaufen mit Hühnerkot und -mist, abgeladen am Feldrand Quelle: Haike Werfel
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Nevern

Sie wollten die schönen Tage des Sommers im Freien genießen. Am liebsten schon das Frühstück auf ihrer Terrasse einnehmen. Aber daraus wurde nichts. „Wir haben es vor Gestank nicht ausgehalten. Das ist so ekelhaft, da kann man nicht draußen essen“, erzählen Ingrid und Hilmar Dettenborn. Das Rentnerehepaar wohnt in Nevern bei Neukloster. Und das seit 23 Jahren. Aber so etwas wie in diesem Sommer hätten sie noch nicht erlebt.

Fast täglich Transporte

Beinahe täglich wurde Hühnermist an ihrem Grundstück vorbei aufs Feld transportiert, wie sich im Nachhinein herausstellt. „Vor allem morgens fuhr der Traktor mit großem Anhänger an unserem Haus vorbei“, sagt Hilmar Dettenborn. „Immer wieder hin und her. Manchmal bis zu dreimal am Tag.“ Von der Hauptstraße zweigt ein unbefestigter Weg ab, der zu einem Acker führt. In der Kurve befindet sich das Grundstück der Rentner. Nicht nur über den fürchterlichen Gestank sind sie erbost. „Auch der Weg vor unserem Haus wurde zerfahren. Den habe ich schon so oft hergerichtet. Auch darum kümmert sich keiner“, sagt der 75-Jährige verärgert.

Sorge ums Grundwasser

Angesichts der häufigen stinkenden Transporte werden die Eheleute stutzig. Sie machen sich mit ihrem Hund auf den Weg und glauben ihren Augen nicht zu trauen. Am Rand eines abgeernteten Getreidefeldes entdecken sie, was der Inhalt der Hängerladungen war: Hühnerkot. Tonnenweise wurde er zu einem Haufen aufgetürmt. „Das ist vielleicht fünfhundert Meter Luftlinie von unserem Haus entfernt“, schätzt Hilmar Dettenborn. „Kann diese Menge ins Grundwasser dringen?“, fragt er besorgt. Und was ist mit den Krähen und Möwen, die sich auf dem Kot niederlassen? Können sie die Vogelgrippe auslösen?“

Er meldet den Fund zunächst im Ordnungsamt Neukloster. Das verweist ihn ans Umweltamt des Landkreises.

Landkreis: organischer Dünger erlaubt

Auf OZ-Anfrage bestätigt die Pressestelle, dass die Anzeige einer Hühnermistlagerung in der Nähe von Nevern bei der unteren Wasser- und der unteren Immissionsschutzbehörde sowie dem Veterinäramt seit Mitte Juli bekannt ist. Die Fachleute erklären: „Die Aufbringung organischer Dünger aus der Tierhaltung auf landwirtschaftlichen Flächen ist nicht nur zulässig, sondern im Sinne eines natürlichen Nährstoffkreislaufes auch wünschenswert.“ Bevor der Landwirt den Festmist beziehungsweise Geflügelkot auf dem Schlag ausbringt, muss er ihn bedarfsgerecht rechtzeitig vorlagern. Dies geschehe auch in arbeitsarmen Zeiten im Landwirtschaftsbetrieb und zur technologischen Bevorratung entsprechend dem Bedarf des Schlages.

Nach Erkenntnissen der kreislichen Behörden habe der Geflügelkot bei Nevern etwa zwei Monate gelagert. Geflügelkot, Gülle- und abgepresste Gärrestfeststoffe dürfen maximal bis zu zwei Monate bereitgestellt werden und Festmist aller Tierarten bis zu vier Monate.

Kein anderer Transportweg möglich

Der örtliche Landwirt, der fast 40 000 Legehennen hält, nutzte die öffentliche Straße und bog von dieser in den einzigen Feldweg zum Schlag der geplanten Ausbringung ab. Eine andere Wegführung, die weniger Belästigung für die Anwohner bedeutet hätte, sei für die Behörden nicht erkennbar gewesen. Zur Geruchsemission teilen sie mit, dass die Straßen- und Wegenutzung nicht den Bestimmungen des Immissionsschutzrechtes unterliegt. „Dass durch das Vorbeifahren insbesondere durch Geflügelkot und -mist unangenehme Gerüche entstehen, ist absolut nachvollziehbar und sicher unangenehm. Derartige kurzfristige Beeinträchtigungen sind jedoch im ländlichen Raum unvermeidbar und hinzunehmen.“

Das Lager am Feldrand, laut Behörden 740 Meter vom Wohnhaus entfernt, habe nach Angaben der Eheleute keine Geruchsbelästigung verursacht. „Insofern stehen dem Landkreis keine gesetzlichen Mittel des Immissionsschutzrechts zur Verfügung“, teilt die Pressestelle mit.

Von Haike Werfel

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