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Wismar Dieser Wismarer Junge spielt die Hauptrolle in neuem Roland-Kaiser-Video
Mecklenburg Wismar

Noah Gößler aus Wismar spielt Hauptrolle in neuem Roland-Kaiser-Video

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18:35 18.09.2021
Noah (9) bei den Dreharbeiten mit der Bäderbahn Molli in Bad Doberan
Noah (9) bei den Dreharbeiten mit der Bäderbahn Molli in Bad Doberan Quelle: Sebastian Krauleidis/Ove Arscholl
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Wismar

Noah (9) steht – wie viele Jungs in seinem Alter – auf Fußball. „Bayern München ist mein Lieblingsverein“, erzählt er. Im Trikot des Rekordmeisters sitzt er nach dem Training bei seinem Verein PSV Wismar auf der Couch. Später möchte Noah auch mal Profi werden und als Stürmer sein Geld verdienen. Die Schauspielerei sei nicht so das Richtige für ihn. „Aber sie macht Spaß“, lacht er.

Und Noah kommt vor der Kamera gut an – auch bei Roland Kaiser. Der bekannte Schlagersänger hat den Jungen für sein neuestes Musikvideo ausgesucht. Dem Tag der Veröffentlichung am 17. September haben Noah und seine Eltern entgegen gefiebert. „Ich bin sehr aufgeregt, ob es vielen Leuten gefallen wird“, sagt er.

Mit Schuhcreme geschminkt

Noah mit Roland Kaiser bei den Dreharbeiten in Berlin Quelle: Marcel Brell

Roland Kaiser und seine Lieder hat Noah bis zu den Dreharbeiten nicht gekannt. „Ich stehe nicht so auf Schlager, ich höre lieber Techno“, betont er. Doch der Sänger, der mit über 90 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Interpreten seines Genres gehört, sei sehr nett gewesen. Und mit dem Resultat ist Noah auch zufrieden. Er hat das Video schon gesehen. In dem ist überraschenderweise keine Schlagermusik zu hören, sondern Elvis Presleys Hit „In the Ghetto“. Den singt Roland Kaiser nach.

Noah lebt im Video in einem Ghetto und läuft mit Schmutz an den Wangen durch die Straßen. „Das war Schuhcreme, damit wurde ich geschminkt“, lacht er. Lange habe die Verwandlung nicht gedauert, nur wenige Minuten, der Dreh insgesamt drei Tage. Noah erzählt die Geschichte: „Mein Bruder ist gestorben. Ich schreibe ihm einen Abschiedsbrief und will noch mal sein Grab besuchen. Weil ich kein Geld für eine Fahrkarte habe, muss ich meine Uhr verkaufen, die ich von meinem Bruder bekommen habe.“

Video ist drei Minuten lang

Noah fährt für die Dreharbeiten zunächst nach Wustrow, zum Start seiner Video-Reise. Er lebt in einem heruntergekommenen Haus und vertreibt sich die Zeit mit Fußball spielen. „Der Ball war aber total platt“, erinnert er sich. Auch die Bratwurst, die er übers Feuer hält und isst, sei noch gar nicht durch und nicht besonders lecker gewesen.

Knapp drei Minuten lang ist das Video geworden. In dem verkauft Noah die Uhr für 50 Euro in einem Laden in Wismar. Danach geht es mit dem Zug, dem Molli aus Bad Doberan, weiter nach Berlin. Der Zug wird ausgewählt, damit alles nostalgischer wirkt. In der Hauptstadt trifft er auch das erste Mal auf Roland Kaiser. Sie unterhalten sich kurz: „Er hat mich gefragt, ob ich aufgeregt bin“, berichtet Noah.

Vater kennt den Regisseur

Auch ein Erinnerungsfoto wird gemacht: Nur eines sei komisch und ergebe im Video überhaupt keinen Sinn: „Wieso gibt er mir am Ende die Uhr wieder? Woher wusste er, dass ich sie verkaufen musste?“ Noah ist eben ein aufgeweckter Junge.

Zum Videodreh ist er durch seinen Vater gekommen. Johannes Gößler kennt den Regisseur Marcel Brell durch andere musikalische Filmarbeiten: Er hat mit dem Musik-Produzenten Alex Christensen mehrere Videos in der Wismarer Werft gedreht, eines auch auf dem Wohnschiff. Möglich gemacht hat das Johannes Gößler. Als er hört, dass für ein neues Video noch ein Junge gesucht wird, gibt er ein Foto von seinem Sohn mit. Das wird Roland Kaiser mit einigen anderen vorgelegt – und der Schlagerstar entscheidet sich für den Wismarer Fußballfan.

Nicht die erste Filmerfahrung

Für Noah war es nicht der erste Auftritt vor einer Kamera. Auch in einer NDR-Dokumentation ist der Junge schon zu sehen gewesen. Für die ist Johannes Gößler anderthalb Jahre lang immer wieder gefilmt worden – von Frühsommer 2019 bis Mitte Oktober 2020. Der Geschäftsführer der MV Werften Fertigmodule GmbH hat darin von seiner Arbeit berichtet, dem Bau von Schiffskabinen für große Kreuzliner – bis in der Corona-Zeit die Halle leer war. In der 60-minütigen Dokumentation kommt auch Noah vor.

Beide spielen natürlich Fußball. „Papa schaut sich viele meiner Spiele an“, erzählt er. Auch bei den Dreharbeiten ist er dabei gewesen – allerdings nicht beim finalen Treffen mit Roland Kaiser. „Da musste er arbeiten“, erzählt Noah. Deshalb ist er mit seiner Mutter Mai Dieu und seiner Großmutter nach Berlin gefahren und hat dafür sogar schulfrei bekommen. „Mama und Oma haben auch ein Erinnerungsfoto mit Roland Kaiser gemacht“, erzählt Noah.

Mit Lied ins Schlagergeschäft

Schlagersänger Roland Kaiser und seine Band bei einem Konzert im Rostocker Iga-Park Quelle: Ove Arscholl

Roland Kaiser covert übrigens nur Lieder von Künstlern, die er sehr schätzt – wie Udo Jürgens, dessen legendäres „Ich war noch niemals in New York“ er ebenfalls gesungen hat. Mit „In the Ghetto“ verbindet ihn außerdem eine ganz besondere Geschichte. Das Lied hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist: einer der erfolgreichsten Sänger Deutschlands. „In the Ghetto“ ist der erste Song, den Roland Kaiser jemals eingesungen hat.

Damals war er 21 Jahre alt und in ein Tonstudio eingeladen worden, nachdem er zufällig einen Musikmanager kennengelernt und zu ihm gesagt hatte: Es sei doch nicht schwer, auf so einer Bühne zu stehen. Im Studio sang er den Elvis-Presley-Hit und das Ende vom Lied war ein Plattenvertrag über drei Jahre.

Von Kerstin Schröder