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Wismar Zwei Busbetriebe insolvent
Mecklenburg Wismar Zwei Busbetriebe insolvent
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10:47 16.10.2018
Nahbus hat eine eigene Flotte und beauftragt Fremdfirmen. Quelle: FOTOS: ANGELIKA Heim, KERSTIN SCHRÖDER
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Wismar

Unruhe im Busverkehr: Zwei Unternehmen in der Region haben Insolvenz angemeldet: die Bus-Betriebe Wismar Regio und die Mecklenburger Verkehrsbetriebe in Dorf Mecklenburg. Für letztere ist es keine Zahlungsunfähigkeit wegen laufender Verluste. „Wir wollen und können weiterfahren“, betonen die Geschäftsführer Wilfried Szofer und seine Tochter Anne-Katrin. Der Grund liegt in der Vergangenheit und in der von den Bus-Betrieben Wismar Regio. „Früher waren beide Unternehmen über Gesellschaften miteinander verbunden und wir haben damals eine Bürgschaft abgegeben“, erklären die Dorf Mecklenburger. Die Insolvenz des ehemaligen Partners hat deshalb diese Konsequenz nach sich gezogen: Die Mecklenburger Verkehrsbetriebe haben am 14. September ebenfalls einen Insolvenzantrag gestellt – erstmal einen vorläufigen. „Es ist bitter, dass einem so etwas nach 30 Jahren im Geschäft passiert“, bedauern die Szofers.

Trotzdem fahren seine Busse weiter. Denn der größte Arbeitgeber, das kreiseigene Busunternehmen Nahbus, gibt seinem langjährigen Partner nicht nur Rückendeckung, sondern will ihm noch zusätzliche Linien übertragen. „Wir sind dankbar, dass Nahbus unserem Unternehmen weiterhin Vertrauen schenkt“, betont Wilfried Szofer. Auch die Mitarbeiter würden ihnen weiterhin die Treue halten.

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Elf Angestellte haben die Szofers zurzeit. Hinzu kommen vier Familienmitglieder. Die führen nicht nur die Geschäfte, sondern sitzen auch hinterm Steuer und reparieren den Fuhrpark. „Ich bin seit 1976 Busfahrer, vor ein paar Jahren habe ich selber Fahrpläne organisiert – die Insolvenz ist ein harter Schlag“, betont Szofer. Auch seine Tochter Anne-Katrin ist entsetzt, aber auch erleichtert, dass das Familienunternehmen weiter bestehen bleiben kann. „Der Betrieb ist sanierungsfähig“, betont der vorläufige Insolvenzverwalter Andreas Franz. Die Angestellten würden weiterhin pünktlich ihr Geld bekommen. Auch die Eltern bräuchten keine Angst zu haben: Der Schülerverkehr finde weiterhin ohne Probleme statt. Vor allem für den Schülertransport in Dorf Mecklenburg, Bad Kleinen und Bobitz sind die Busse der Mecklenburger Verkehrsbetriebe im Einsatz. Zwischen dem Hinbringen und Abholen werden auch mal Linien nach Schwerin, Boltenhagen und Poel gefahren. „Zurzeit decken wir zwölf Fahrdienste ab plus zwei zusätzliche, wenn Not am Mann ist“, berichtet Geschäftsführerin Anne-Katrin Szofer.

Insgesamt besteht der Fuhrpark besteht 19 Fahrzeugen. Die würden ausreichen, um weitere Dienste für den Nahbus zu übernehmen. Wie dessen Geschäftsführer Jörg Lettau bestätigt, sollen die Dorf Mecklenburger weitere Dienste übernehmen. Erst vor wenigen Wochen hat sich Nahbus mit sofortiger Wirkung von seinem bis dahin anderen Partner, der Arbeitsgemeinschaft Busbetriebe Regio/Busbetriebe Wismar GmbH getrennt und damit den Schülerverkehr um Neuburg und Poel übernommen. Grund der außerordentlichen Kündigung seien laut Lettau „Unregelmäßigkeiten bei der vertraglichen Leistungserfüllung“ gewesen.

Die Mecklenburger Verkehrsbetriebe sind laut Lettau hingegen ein zuverlässiger Partner, mit dem man weiter zusammenarbeiten möchte.

Jörg Lettau Grevesmühlen Quelle: Jonas Wagner

Warum die Busbetriebe Wismar Regio/Stadt GmbH Insolvenz für das Unternehmen Regio gestellt hat, ist unklar. Eine Bitte um Stellungnahme lies der Geschäftsführer unbeantwortet. In den vergangenen Jahren hat sein Unternehmen für Schlagzeilen gesorgt, weil es sich mit dem Landkreis um einen Millionen-Betrag streitet (die OZ berichtete). „Wir haben immer einen Vergleich angestrebt“, betont Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD). Die Gegenseite habe das abgelehnt.

Ist die Insolvenz vielleicht eine mögliche Folge des Gerichtsstreit? Und kann der Kreis jetzt überhaupt noch Geld einfordern? „Das hängt von den Forderungen ab, die es insgesamt gibt. Wir reihen uns in die Gläubiger mit ein“, sagt Kerstin Weiss. Trotzdem tue es ihr leid, dass zwei Busunternehmen aus dem Kreis Insolvenz anmelden mussten.

Wie Nahbus-Chef Lettau ergänzt, hätten sich finanzielle Schwierigkeiten bei dem Wismarer Unternehmen bereits angedeutet. Deshalb sei vor dem Start des neuen Schuljahres vorausschauend der Schülerverkehr umorganisiert worden. Und trotz der derzeitigen Situation werde Nahbus weiterhin mit Partnern zusammenarbeiten. „Das müssen wir auch, um wirtschaftlich zu bleiben“, erklärt er. Es sei festgelegt worden, dass mindestens 30 Prozent der Dienste fremd zu vergeben sind.

Bei den Mecklenburger Verkehrsbetrieben ist der Umsatz stabil und könnte mit zusätzlichen Aufträgen des Nahbus weiter gesteigert werden. „Wir müssen eine Lösung mit den Gläubigern finden“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Andreas Franz. Wie die aussehen könnte, steht noch nicht fest. „Dafür ist es zu früh.“ Die Angestellten in Dorf Mecklenburg würden die Sanierungspläne jedenfalls unterstützen. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betonten die Szofers.

Von Kerstin Schröder

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