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Wismar Nordwestmecklenburger kritisieren teures Busfahren im Landkreis
Mecklenburg Wismar

Nordwestmecklenburger kritisieren teures Busfahren im Kreis

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18:30 13.01.2020
Nahbus erhöht die Preise für den Nahverkehr in Nordwestmecklenburg zum 1. Februar. Quelle: Michael Prochnow
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Wismar/Grevesmühlen

Schon wieder wird das Busfahren in Nordwestmecklenburg teurer. Darüber hatte am Freitag das landkreiseigene Unternehmen Nahbus informiert. Die Preise für alle Fahrkartenarten und Preisstufen sollen demnach zum 1. Februar um 3,1 Prozent erhöht werden.

Grund für die Anpassung der Tarife sind den ­Angaben zufolge unter anderem die gestiegenen Aufwendungen für Löhne und Gehälter sowie Kraftstoff. Zuletzt waren die Buspreise für den Landkreis zum Februar 2018 gestiegen. Dass die Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr nun schon wieder teurer wird, ärgert viele Nordwestmecklenburger.

„Was verspricht sich Nahbus von der Preiserhöhung?“

Die Kreistagsfraktion Ländlicher Raum/Umwelt, Landwirtschaft (LUL) fragt sich zum Beispiel: „Was verspricht sich Nahbus von der Preiserhöhung? Wirtschaftlichkeit? Attraktivität, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen? Klimaschutz? Natürlich sollen Löhne und Gehälter der Mitarbeiter von Nahbus steigen. Aber muss dies über eine Preissteigerung der Fahrkarten geschehen?“ Laut dem Fraktionsvorsitzenden Dietmar Hocke trage dieses Vorgehen nicht zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bei. „Das richtige Signal zur Neugestaltung der Mobilität im Landkreis wäre es, den kompletten ÖPNV kostenlos anzubieten“, fordert er.

„Das richtige Signal zur Neugestaltung der Mobilität im Landkreis wäre es, den kompletten ÖPNV kostenlos anzubieten“, fordert Dietmar Hocke, Vorsitzender der LUL-Fraktion im Kreistag. Quelle: Andreas Manthei

Die Fahrgeldeinnahmen würden derzeit den kleinsten Teil der Kosten bei Nahbus decken. „Stattdessen flossen und fließen viele Millionen Landes- und Kreismittel in das Unternehmen. Begreifen wir ÖPNV als Daseinsvorsorge für unsere Bürger. Folgen wir anderen Regionen in ihrem Ansatz. Ein kostenfreier ÖPNV ist der Türöffner für die Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe von morgen“, betont Hocke.

FDP: So ist der ÖPNV keine echte Alternative

René Domke, Vorsitzender der Kreistagsfraktion FDP/Piraten, prangert im sozialen Netzwerk Facebook die Preiserhöhung bei Nahbus ebenfalls an: „So schaffen wir es jedenfalls nicht, dass Menschen den ÖPNV als echte Alternative verstehen. Weder hilft es den Wismarer Bürgern, die selbst für Kurzstrecken von wenigen Stationen inzwischen so viel bezahlen wie andere in Großstädten – warum gibt es keine Kurzstreckentarife? –, noch hilft es der Fläche, wo Menschen pendeln müssen oder flexibel mobil sein müssen, um sich im Alltag zu versorgen.“

Ihm fehle auch immer noch die Abstimmung mit anderen Verkehrsträgern. „Da müssen wir also noch deutlich übergreifender denken. Am Ende bleibt die Frage, war es nun klug und sinnvoll, private Anbieter aus der Beförderung zu drängen? Ist es für die Menschen besser geworden, wenn es der Landkreis selber betreibt? Da liegt noch viel Arbeit vor uns“, sagt Domke.

„So schaffen wir es jedenfalls nicht, dass Menschen den ÖPNV als echte Alternative verstehen“, sagt René Domke, Vorsitzender der Kreistagsfraktion FDP/Piraten. Quelle: Heiko Hoffmann

Dennis Klüver vom Kreisverband der Piratenpartei kommentiert: „Solange die Verantwortlichen nicht verstehen, dass ein Angebot auch eine Nachfrage erzeugen kann, wird es immer weiter Fahrplanausdünnungen und Preiserhöhungen geben. Die ganze Welt will zum sehr günstigen ÖPNV“, so Klüver. Nur in Nordwestmecklenburg sehe es anders aus.

„Solange die Verantwortlichen nicht verstehen, dass ein Angebot auch eine Nachfrage erzeugen kann, wird es immer weiter Fahrplanausdünnungen und Preiserhöhungen geben“, sagt Dennis Klüver von den Piraten im Kreis. Quelle: OZ-Archiv

Nordwestmecklenburger wollen weiter mit Auto fahren

Facebook-Nutzerin Gisela Stopperka schreibt zudem: „So werden wir weiter Auto fahren. Bei uns auf dem Land fährt ohnehin nur der Schulbus. ÖPNV ist keine Option für uns.“ Und Peter Garbe kommentiert: „So sieht das also aus, wenn die Regierung die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel attraktiver machen will.“

Preise ab Februar

Laut Nahbus kostet die Einzelfahrt in den Preisstufen 1 und 2 ab 1. Februar 2,10 bzw. 3,10 Euro und damit zehn Cent mehr. In den Preisstufen 3, 4 und 5 liegt die Erhöhung bei 20 Cent. Für die Wochenkarte in der Preisstufe A werden 50 Cent mehr fällig, in den Preisstufen B und C ist es ­jeweils ein Euro. Nicht teurer werden die Monatskarten im Gesamtnetz (Preisstufe C). Auch die ­Monatskarten zum Sozialtarif sind nicht von der Tariferhöhung betroffen.

Ein Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern, das zum Leuchtturm avanciert ist, ist die Insel Usedom. In den Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin können Inhaber der Kurkarte, der Kaiserbäder-Card, seit August 2018 kostenlos das gesamte Busliniennetz der Usedomer Bäderbahn (UBB) nutzen. Nach einer Testphase wurde inzwischen ein Vertrag für den Dauerbetrieb zwischen der Gemeinde Heringsdorf und der UBB geschlossen. Die Fahrgastzahlen hatten sich nach Einführung des Systems vervierfacht.

Auch LUL-Kreistagsmitglied Dietmar Hocke befürwortet einen solchen kostenfreien Busverkehr: „Lasst uns den Mut haben, im anstehenden Kreishaushalt für zwei Jahre die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Das wäre ein aktiver Beitrag zur Steigerung der Attraktivität des Nahverkehrs und zum Klimaschutz.“

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Von Michaela Krohn

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