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Wismar Poel: Schüler erproben das Leben mit Handicaps
Mecklenburg Wismar Poel: Schüler erproben das Leben mit Handicaps
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19:35 29.04.2019
Danilo Seutter übt mit Schüler Theo Jaffke (12) das Bewältigen von Hindernissen mit dem Rollstuhl. Quelle: Kerstin Schröder
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Kirchdorf

„Die Ärmel hochkrempeln, Handys aus den Hosentaschen.“ Sonja Bade macht die Schüler startklar zum Basketballspielen – im Rollstuhl. Die 45-Jährige ist seit einem schweren Motorradunfall querschnittsgelähmt. Doch das hat sie nicht davon abgehalten, weiterhin Sport zu machen. Sie ist ein Ass in Basketball und Badminton. In Kirchdorf auf der Insel Poel hat die Lubminerin gestern Kindern und Jugendlichen gezeigt, wie gut sie mit dem Ball umgehen und ihre Gegner wegschubsen kann. „Dafür gibt es den Bügel unten am Rollstuhl“, lacht sie.

Nicht überall barrierefrei unterwegs

Danilo Seutter übt mit Schüler Theo Jaffke (12) das Bewältigen von Hindernissen mit dem Rollstuhl. Quelle: Kerstin Schröder

Wie es ist, plötzlich im Rollstuhl zu sitzen und was das für Herausforderungen mit sich bringt, dass haben die Poeler Schüler bei dem Aktionstag erlebt. Den führt der Landkreis jedes Jahr durch. Anlass ist der „Europäische Protesttag zur Gleichstellung der Menschen mit Behinderung“, der immer Anfang Mai stattfindet. „Der Aktionstag soll zeigen, dass auch mit Handicap große Leistungen vollbracht werden können, aber auch Schwachstellen für eine kompromisslose Integration von Menschen mit Handicap aufzeigen“, sagt Wolfgang Griese, Vorsitzender des Kreis-Beirates für Menschen mit Behinderung. Bei einer körperlichen Beeinträchtigung komme für viele Menschen auch heute noch erschwerend hinzu, dass sie sich auch mit persönlichen Hilfsmitteln nicht überall barrierefrei bewegen können.

Schüler probieren Rollstuhl aus

Sonja Bade (l.) spielt mit den Kindern Basketball im Rollstuhl. Quelle: Kerstin Schröder

Wie es ist, auf Hindernisse zu stoßen, haben die Schüler auch erfahren. Im Rollstuhl sind sie unter anderem eine Rampe hochgefahren. „Das geht ganz schön in die Arme“, sagt Theo Jaffke (12) aus Timmendorf. Auch das Rückwärtsfahren und das Lenken seien schwerer als erwartet: „Es sieht einfacher aus, als es ist“, ergänzt der Schüler. Doch durch das Ausprobieren könne man sich viel besser in das Leben von Menschen mit Behinderungen hineinversetzen.

Sonja Bade ist dreifache Mutter und betreibt in Lubmin bei Greifswald eine kleine Pension. Und sie ist regelmäßig für „Die Aufklärer“ im Einsatz. Die informieren Schüler über Handicaps und reisen dafür quer durch Mecklenburg-Vorpommern. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Sport: Hallenboccia, Fechten, Tanzen, Rugby – auch das ist im Rollstuhl möglich.

Neugierde und Interesse sind groß

„Die Schüler sind immer sehr neugierig“, freut sich Sonja Bade. Ihr Anliegen ist es auch, Berührungsängste abzubauen und so ein normales Miteinander zu fördern. Dass man ins Gespräch kommt und etwas miteinander unternimmt – wie Basketballspielen. Eine Gegnerin im Rollstuhl ist auch Poels Bürgermeisterin Gabriele Richter (parteilos) gewesen. Sie freut sich, dass der Aktionstag diesmal auf die Insel gekommen ist.

Ilona Scheufler vom öffentlichen Gesundheitsdienst des Kreises lässt Kinder in einen Sack greifen und Gegenstände ertasten. Quelle: Kerstin Schröder

Auch in den Unterrichtsräumen der Schule „Prof. Hans Lembke“ gibt es einiges zu entdecken. Die Sinne zum Beispiel. Ilona Scheufler vom öffentlichen Gesundheitsdienst des Kreises hat dafür einiges mitgebracht: Zitronenmelisse, Salbei, Knoblauch und Pfefferminze zum Riechen sowie Golfbälle und Löffel zum Ertasten – alles müssen die Schüler natürlich erkennen, ohne ihre Augen zu benutzen.

Auch bei der Übung zum Gleichgewichtssinn bleiben die Augen geschlossen. Dazu müssen die Kinder auf einem Bein stehen und den Kopf nach oben strecken. Da fangen die meisten dann ganz schön zu wackeln an. Und bei Gebärden-Kurs in einem anderen Klassenraum lernen sie, wie sich Gehörlose unterhalten.

Kerstin Schröder

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